Mittwoch, 2. Februar 2011

Mathematisches Stricken: Eine Decke à la M.C. Escher


Ich habe ja schon öfter erwähnt, dass mir nicht wirklich klar war, wie wichtig ein gewisses mathematisches Grundverständnis fürs Stricken ist. Die Emma-Normal-Strickerin kommt dabei in der Regel mit dem einfachen Dreisatz zur Berechnung der Maschenprobe gut aus, und hätten meine Mathelehrer die modernen Formen Problemorientierten Lernens beherzigt (POL), so hätte man mir in der Schule die Mathematik vielleicht etwas schmackhafter machen können. Auf Ravelry aber gibt es eine Gruppe namens "Woolly Thoughts", die sich dadurch auszeichnet, einen besonders mathematischen Ansatz beim Stricken zu haben.
Gestoßen bin ich auf die Woolly Thoughts durch mein Interesse am Shadow bzw Illusion Knitting, und irgendwann werde ich mich auch daran wagen. Aber was die Mitglieder dieser Gruppe auf die Beine stellen - Wahnsinn. Ein besonders verrückt-fantastisches Werk möchte ich Euch hier mal zeigen:
Janukke von http://justblocked.blogspot.com hat sich von einem von M.C. Eschers berühmten "Schachtelbildern" inspirieren lassen für eine Decke. Viele von Eschers Bildern  ("Tesselationen") beruhen auf dem Prinzip, die Fläche komplett mit (meist) identischen Figuren zu füllen, die sich passgenau ineinanderschachteln.
Foto: janukke
Ausgehend von der Zeichnung hat sie einen Fisch entworfen, der in der Kontur exakt der von Escher entworfenen Form entspricht, damit man mehrere dieser Fische dann zu einer Decke/Kissen/whatever zusammensetzen kann. Das großartige ist aber, wieviel Struktur und Charakter sie den einzelnen Fischen dabei gegeben hat - Flossen, Gräten, Augen sind genau definiert und der ganze Fisch erinnert deshalb fast an ein "Mustertuch"...
Foto: Janukke
Ist das nicht deutlich cooler als diese fischige Restedecke hier? :-) (Na gut, sicherlich auch aufwändiger...)
Innerhalb des zusammengesetzten und langsam wachsenden Schwarms bewahrt daher jeder einzele Fisch seine Individualität.
Foto: janukke

Inzwischen ist Janukke mit dem "mathematischen" Teil fertig, und muss "nur noch" den Rand der Decke stricken... Bei dem Format kann das allerdings noch eine Weile dauern, zumal es ja nur noch gilt, vergleichsweise langweilige Randmaschen zu stricken. Ich glaube, Sie kann Eure anfeuernde Bewunderung also gut brauchen... q(^.^)p Geht ruhig mal vorbei - auf Ihrem Blog hat sie Ihren Designprozess und die Arbeit an der Decke ganz genau beschrieben!

Kommentare:

  1. Escher schmückt mein Heim an vielen Wänden, so eine Decke wäre echt eine Herausforderung

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  2. das ist ja wirklich sehr, sehr schön! so "haben wollen!"-mäßig! :D
    wahrscheinlich würde man in unserem wohnzimmer allerdings blind werden, wenn die decke auf dem sofa unter der ohnehin schon leicht verstörenden tapete liegt. andererseits... es käme auf einen versuch an *harhar*

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