Mittwoch, 19. Dezember 2012

FO und Fazit: Stulpen. Endlich warme Hände!

Wer viel Zeit am Schreibtisch verbringt, kennt vielleicht das Gefühl: nach einigen Stunden am Rechner werden die Finger kalt. Ob es am Altbau-Büro mit Nordausrichtung liegt oder an der niedrigen Raumtemperatur, ob an der Tatsache, dass Frauen immer kalte Extremitäten haben oder mir schlichtweg die Bewegung fehlt - die ersten drei Umstände kann ich nicht beeinflussen, den vierten nur bedingt - zumindest während der Arbeitszeit. Kurzum: ich habe eigentlich immer eisige Pfoten.
Schon sehr sehr lange habe ich vor, dem mittels Stulpen abzuhelfen, aber wer hat schon Zeit, für sich selbst etwas zu stricken? Und dann ist ja immer wieder Sommer...
Spätestens seit Lena vor einem Jahr diese Stulpen hier gestrickt hat war mir klar, was ich wollte: Susie Rogers' Reading Mitts (kostenlos bei Ravelry) sollten es sein! Besonders gut gefiel mir die kontrastweiße Picot-Spitzenkante am Handabschluss! Ein ideales Reiseprojekt für meine Pendelei, ich rechnete damit, pro Fahrt mindestens einen Stulpen zu schaffen (inklusive des fernsehfreien Abends in Anderswo) und innerhalb von zwei Wochen endlich das Problem der katen Pfoten am Arbeitsplatz gelöst zu haben.
Die perfekte Wolle hatte ich auch schon parat, jetzt galt es nur noch zu erraten, ob ich wohl Hände in Größe S, M oder L besitze... Ich tippte auf S, schlug die erforderliche Maschenanzahl an - und fand sie viel zu groß! Ribbeln, kleiner Anschlagen - natürlich zu eng. Ribbeln, Mittelwert wählen - grmpf. Jeder dieser Versuche führte zu weiteren Neustarts wegen unerwünschter Möbius-Verdrehungen beim Rundstricken. Dann doch S angeschlagen, fertig gestellt - und das Maschenbild sagt: überdehnt, negative ease. Du kannst sie tragen, aber schöner wären sie mit etwas mehr Weite. AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAArgh.
(An dieser Stelle habe ich mich erstmal divesen anderen Projekten zugewandt, z. B. der Brünhide-Mütze für die Nichte. Lesen ist ja z. B. auch ein schönes Hobby.. Und kommt mir jetzt nicht mit Maschenproben -erstens hat das bei mir noch nie funktioniert, und zweitens gilt ein Handschuh bereits als Maschenprobe.)



Zwei linke Hände. Irgendwas ist ja immer.
 Naja. Die Stulpen sind jetzt fertig. Sie sitzen nicht perfekt, aber ich weiß jetzt, was ich tun müsste für perfekte Exemplare. Sobald mich diese hier zu sehr ärgern, werde ich sie ribbeln/ändern oder neu machen. Bis dahin werden sie erstmal getragen.

Es folgt - Tusch! -
Der "Tusch" besteht aus der Weihnachtsglocke. Handschuhbilder halt - immer dämlich.
 ... das offizielle Fazit:


Das Muster:
Es handelt sich um ein Handstulpenmuster mit Picot-Rändern, einer einfachen Spitzenborte und Daumenzwickeln. Jeder Stulpen passt an beide Hände.
Technik:
Eigentlich ein super-einfaches Muster. Die Schwierigkeiten, die ich damit hatte, sagen mehr über meinen momentanen Zustand (Konzentrationsschwäche, Ungeduld, Fahrigkeit) als über die Anleitung. Es geht glatt rechts in Runden (für mich wie immer: Zauberschlinge), für die Picot-Kanten gilt das gleiche Muster wie für die Spitzenborte und auch die besteht nur aus Umschlag-Zwei Zusammenstricken (im Falle der Spitzenborte natürlich ohne Umfalten). Vier Runden linke Maschen sind auch kein Hexenwerk, nicht einmal der Zwickel für die Daumen ist kompliziert, da die Zunahmemethode nicht festgelegt ist. Ich habe tiefergestochene rechte und linke Zunahmen gewählt. Die Picot-Kante könnte man mit einem provisorischem Anschlag zusammenstricken, angenehmer, da mit flacheren Nähten, ist es, die Kante festzunähen bzw. mit sewn bind-off zu versäubern.
Die Wolle:
Die Lang Yarns Merino Seta ist eine Mischung aus 70% Merino, 30% Seide - weich und fluffig und ganz wunderbar zu verstricken. Ein schönes Garn, von dem ich vor zwei Jahren einmal zwei Knäuele in beige im Ausverkauf zum Ausrobieren erstanden habe. Der weiße Kontrast ist aus der bewährten Merino Extrafein von Lana Grossa.
Änderungen:
Auf der Suche nach der richtigen Größe und dem perfekten Sitz habe ich einige Modifikationen gemacht, mit dem Ergebnis, dass keiner der beiden Stulpen perfekt sitzt... Natürlich muss ein Stulpen, den man beim Tippen am Rechner tragen will, eng sitzen und darf nicht schlabbern. Dennoch sollte das Maschenbild nicht völlig überdehnt sein. 
Für eine zweite Version würde ich folgende Änderungen zusammenführen: 
1. gut eng am Arm, zu weit an der Hand. grmpf
 Keine Abnahmen nach der ersten Picot-Kante - das ist mir zu schlabberig - sondern gleich mit der geringeren Maschenanzahl anfangen: (für mich, L=45 Maschen). Dafür am Fingerrand enger werden, dazu die erste Linksreihenrunde des zweiten Spitzenmusters nutzen, um jeweils die 6./7. Masche zusammenzustricken. 
2. gut eng an der Hand, zu weit am Arm. grmpf.
Die letzte Picot-Kante - den Teil nach der Wendereihe - zudem in einer kleineren Nadelstärke stricken. So schlabbert kein Rand über die Tasten. So wie es aussieht ist jeder meiner Stulpen entweder zu weit am Arm oder an der Hand. Jaja, ich jammere auf hohem Niveau - aber wenn ich nicht wenigstens den Anspruch habe, es richtig zu machen, kann ich es auch lassen.
Die harten Fakten:
Susie Rogers' Reading Mitts by Susie Rogers
angefangen: 19. November 2012
fertiggestellt: 14. Dezember 2012
Wolle: Lang Yarns MerinoSeta in beige und ein Rest Lana Grossa Cool Wool Merino Superfein in weiß


verbraucht:: 40 g beige und einen Rest weiß. 
Nadeln: spitze Rundstricknadeln aus Metall in 3mm, sowie in 2,75 mm für den inneren Saum der letzten Picotkante
weiteres Material: Stopfnadel/dicke Sticknadel zum Vernähen
Kosten: möglicherweise um die 3 Euro.Die Wolle war ein Angebot, den Preis habe ich nicht notiert.

1 Kommentar:

  1. Die Stulpen sind sehr schön geworden! Wahnsinn, wie oft Du neu gestartet hast - da spricht der Perfektionist in Dir.
    Warte noch etwas mit einem größeren Neustart: meine Stulpen (Swingstulpen) saßen zunächste klasse und werden jetzt mehr und mehr zu weit. Die sind allerdings um 90° gedreht gestrickt im Vergleich zu Deinen.
    Die Farbe ist super. Meine blau-bunten Stulpen trage ich jedenfalls nur in Ausnahmefällen im Büro. Meist sind sie mir doch zu bunt, nicht passend zum Rest der Kleidung - oder zu warm oder einfach nur lästig, weil mittlerweile zu weit geworden.

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