Donnerstag, 7. März 2013

FO und Fazit: Audrey in Mourning.

Etwas über 2 Monate habe ich an Audrey gestrickt, und obwohl das für meine Verhältnisse sehr schnell ist für einen Pullover/Jacke hätte natürlich alles noch schneller gehen können - ich hätte von vorneherein die richtige Länge gestrickt, statt noch einmal unten anzustricken und zu verlängern, und vor allem hätte ich mir die doppelte Blenderei sparen können, wenn ich es gleich richtig gemacht hätte. Ach ja. Vielleicht lerne ich ja irgendwann einmal dazu. Alles in allem ist dies ja erst das dritte Oberteil für mich selbst (nachTimpani und Jodeldiplom) und immerhin habe ich die Länge schon halbwegs hinbekommen.
Nächstes Mal würde ich den Swatch nicht nur waschen, sondern auch nachmessen und dann schon vor der Fertigstellung feststellen, dass die Wolle in der Länge ganz schön eingeht (zum Glück hatte ich ja schon um 100 Runden verlängert, so dass das in Ordnung geht - nur die Ärmel könnten einen Tick länger sein).
"Körpernah" ist das euphemistische Wort
 Dass das Ganze trotz allem so schnell ging, hatte natürlich mit der verhältnismäßig vielen "freien" Zeit zu tun. Begonnen in den Weihnachtsferien, ging es nach Arbeitsbeginn erst einmal langsamer. Nun bin ich aber schon seit über sechs Wochen krank geschrieben. Offenbar hatte ich mir zu früh zu viel zugemutet. Und da ich zwar zu Hause bin, aber momentan weder vernünftig lesen noch schreiben (= nicht vernünftig denken) kann (drum ja auch die Krankschreibung; ein gräßlicher Zustand für einen Kopfarbeiter*), der Apfelbaum aber zur Zeit nicht trägt, und es für Gartenarbeit zu frostig war... kurzum: viel Zeit zum Stricken.
(*dank der Nachfrage. es geht schon. mal besser mal schlechter, aber bergauf. Zumindest bin ich nicht bettlägrig.Aber Ihr glaubt es nicht, wie lange ich gebraucht habe, diesen Post zu schreiben...)
sitzt schon eher -ähem- knackig...Wie Knackwurst halt.

Aber wo waren wir stehengeblieben?
Das Auftrennen der -selbstverständlich gut vernähten - ersten Blenden war ein Kraftakt. Nicht nur emotional - hatte ich das Werk doch schon unter "fertig" abgeheftet und überhaupt keine Lust, noch einmal zu beginnen - sondern auch de facto. Die Frontpartie hat unter der Prozedur ganz schön gelitten und drohte mit kleineren Löchern einem erneuten Anstricken nicht standzuhalten. Kurzerhand habe ich die benötigten zwei Blenden seperat gestrickt (je 163 Maschen über 16 Reihen twisted rib und mit Tubular Cast-on; letzterer sorgt für hohe Stabilität und gutes Aussehen) und sie dann mit dichten Überwendstichen auf der ganzen Front angenäht.
verbreitert, angenäht und versäubert

Nachdem das erledigt war habe ich die  Blenden auf der Innenseite mit dem breiten Ripsband verstärkt und dabei zugleich die Steeknähte versäubert und sichergestellt, dass beide Blenden nicht leiern/gleich lang bleiben...

Zuguterletzt habe ich sieben Plastikdruckknöpfe als Verschluss befestigt und die ursprünglichen Knöpfe als reine Zierknöpfe an die linke Blende genäht. Voilà!
Und das beste ist: dank der breiteren Frontblenden geht die Jacke ohne großes Spannen sogar zu. Zugegeben, die Ärmel könnten weiter und länger sein, und die Jacke würde noch besser sitzen, wenn ich bis zu drei Größen abnehmen würde - aber man (=ich)  kann sie tragen ohne sich auf der Straße schämen zu müssen, und das ist ja schon etwas.
Die Passform ist jedenfalls alles in allem super, und das "Prinzip" Audrey (= gauge, shaping etc) werde ich sicherlich noch einige Male als Grundrezept für Variationen verwenden.
Hier also das obligatorische Fazit:


Das Muster:
"Audrey in Unst" aus der 2009 Fall edition der Twist Collective ist eine klassische kurze Strickjacke mit typischen "vintage"-Elementen: taillenkurz, sehr hohes Bündchen, enger Sitz. Die Wickelmaschen unter dem Halsausschnitt ("Unst lace") sind einfach aber effektvoll. Ärmel werden mittels verkürzten Reihen für Schulterkugeln direkt in die Ärmellöcher eingestrickt, eigentlich gibt es kaum Nähte.
Technik:
Obwohl einiges neu war, fand ich die Anleitung so gut beschrieben, dass ich nirgendwo Schwierigkeiten hatte (außer selbst verursachten). Verschränkte Rippen sind nur durch die Rückreihen (verschränkte Linksmaschen) pfriemelig, und das habe ich mir durchs Rundstricken&Steeken vereinfacht. Die "Unst lace" ist gut erklärt. Die eingestrickten Ärmel sind sicherlich einfacher, wenn man sich schon einmal mit verkürzten Reihen beschäftigt hat, aber eigentlich idiotensicher beschrieben. Und das i-cord für den Halsausschnitt habe ich - obwohl nicht schwer - durch eine gerippte Blende ersetzt. Meine Tubular cast-offs für die Ärmel und die Blenden sind eine freiwillige und nicht unbedingt notwendige Steigerung des Schwierigkeitsgrades...
Die Wolle: 
Das gefachte Garn aus der Hamburger Wollfabrik (60% Wolle, 33% Kaschmir, 7% Nylon) ist stabil, reißfest und lässt sich gut verstricken - wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat. Die Arbeit von zwei Konen zugleich (um auf die erforderliche Stärke zu kommen) macht "Heimarbeit" absolut notwendig, und gefachtes Garn erfordert immer etwas Übung, um nicht zu splitten, ging aber gut vonstatten. Nach dem Waschen habe ich ein schönes, dichtes, recht weiches Gestrick, und bisher kein Pilling in Sicht. Empfehlenswert!
Änderungen:
Oha. So einiges: Körper um 100, Ärmel um 60 Runden verlängert. Hüften zwei Größen größer als Taille und Brust. Übergänge von Rippen zu glatt-rechts mit Hebemaschen abgemildert. Proportionale Vergrößerung des "Lätzchens" (statt 4-6 Musterwiederholungen habe ich 4-9 gestrickt, noch besser wären 6-9 gewesen). In Runden gestrickt und gesteekt. Deutlich breitere Blenden, verstärkt mit Ripsband. Verschluss mit Druckknöpfen. Halsausschnitt mit Rippenblende statt mit I-Cord. Ärmel und Blenden mit Tubular cast-off.
Ich glaube, das wars.
Die harten Fakten:
Audrey In Unst by Gudrun Johnston
angefangen: 22. Dezember 2012
fertiggestellt: 5. März 2013
Wolle: von der Hamburger Wollfabrik
verbraucht:: 690g (minus Knöpfe)
Größe/Maße: Brustweite 118cm
Nadeln:Metallene Rundstricknadel Stärke 3 mm, 100 cm
weiteres Material: Stopfnadel/dicke Sticknadel zum Vernähen, 7 Knöpfe, 7 Druckknöpfe , Ripsband
Kosten: Wolle: ca. 30 Euro, Knöpfe 8 Euro, Druckknöpfe/Ripsband: 12,76

Kommentare:

  1. "Ende gut, alles gut" wäre hier wohl nicht ganz angebracht, aber: dieses Projekt hast du doch erfolgreich gemanagt, weiter so! Gefällt mir gut, kommt auf meine Queue!

    LG, Schokosanne

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  2. Ich wünsche Dir in erster Linie gute Besserung. Es ist nicht immer einfach, es langsam angehen zu lassen, wenn man muss... Trotzdem: Schone Dich, soweit es geht.
    Es denkt an Dich
    Martine

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  3. Ach Frau P.,
    wir (also ich auch) haben aber auch immer etwas zu meckern. Da tut ein Lob von außen doch gut!? Ich finde, die Jacke ist gut gelungen und sie gefällt mir. Wenn es Dir wieder besser geht (und ich will, dass Du dafür sorgst:-)), dann wird sich auch die Jackengröße anpassen ;-)
    Halt die "besagten" Ohren steif.
    Tine

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