Freitag, 19. April 2013

FO und Fazit: Turn-a-Leaf-Pullunder

Uff - nun ist es schon wieder ziemlich lange her seit meinem letzten Eintrag - bitte entschuldigt die lange Stille! Seit letzter Woche läuft meine Resozialisierung Wiedereingliederung in den Arbeitsalltag und, ehrlich gesagt, die erste Woche war fast zu viel. Es fällt mir einfach unheimlich schwer, "reduziert" zu arbeiten... Nach anderthalb Tagen saß ich wieder zu Hause wie ein Schluck Wasser in der Kurve und war nicht sicher, ob das alles eine gute Idee ist. Zum Glück war die zweite Woche viel besser, nicht zuletzt dank eines gemütlichen Strickabends mit einer "spinnenden" Kollegin, und so habe ich jetzt etwas Energie, Euch auf den neuesten Stand zu bringen...
Zuerst einmal schulde Euch noch Tragefotos des längst fertigen Retro-Pullunders.
Hier ist er:
Frühlingsgrüne Blätter!
Ich finde, der sitzt schon ziemlich gut!
Mit dem helleren Grau kommt der Kontrast zu den grünen Blättern gut raus - hatte ich Euch überhaupt erzählt, dass ich ursprünglich ein etwas dunkleres Grau aus dem Stash nehmen wollte (was nicht funktionierte), und dann doch neu einkaufen war? (naja: aber es hat sich gelohnt, und der Löwenanteil ist ja "alte" Wolle... ehrlich!)
Das Blattmuster oberhalb der Brust streckt - wie ich finde - den Körper, zugleich schmeichelt die Taillierung ohne (endlich einmal) allzu wurstpellig zu wirken.

sitzt, passt, wackelt...
Ich bin sehr, sehr zufrieden.
Aber natürlich funktionierte auch hier nichts beim ersten Anlauf:
Angeschlagen hatte ich die bewährte Maschenzahl aus der Audrey, da ich ja die gleiche schwarze Wolle verwendet habe. Bis zu den Armlöcher gab es daher keine Probleme - außer, dass mir glatt-rechte Runden von ca. 300 Maschen/Runde in schwarz zunehmend auf die Nerven fielen, ebenso wie das vergleichbar triste Winterwetter vor der Türe. (Hat sich aber gelohnt). Für das Blattmuster habe ich als erstes die ausgeschriebenen Anweisungen desFair-Isle Twin Set Jumper in ein Chart übersetzt - schließlich war klar, dass ich mit ganz anderen Maschenzahlen arbeiten würde. Außerdem finde ich Strickschriften für Muster immer einfacher.
Im ersten Anlauf hatte ich - im Versuch, komplett aus dem Vorrat zu arbeiten - giftgrüne Sockenwolle (der inzwischen geribbelten Smaragdpantoffeln) und graue Cool Wool Extra Fine (wie hier verwendet) versucht, aber das ging in die Hose - der Kontrast war nicht stark genug, und die Sockenwolle zu dünn. Die Cool Wool war von der Stärke aber ok, und zwei Knäuel hellgrau und  Knäuel grün später war ich auf einem guten Weg.
Schnell war mir aber wieder klar, warum ich normalerweise mehrfarbige Muster in rechts-Runden stricke um potentielle Armlöcher später aufzuschneiden - ausnahmsweise hatte ich nämlich anleitungsgemäß hin-und-her gestrickt, Vorder- und Rückenteil getrennt bearbeitet. AAAAAAAAAAAAAargh. Siebzehn (17!) Reihen Mustersatz haben jeweils einen kompletten Abend länger gedauert als der Rest des Pullunders, und die Fadenspannung war unter aller Sau. Auch spannen unter Dampf hat da nicht alles retten können...
Fadenspannung im Muster? - da ist noch Luft nach oben
Trotzdem: rechtzeitig zu meiner ersten Arbeitswoche zum Ausbruch des Frühlings in Norddeutschland konnte ich das gute Stück probetragen - die Schultern hatten einen 3-needle-bind-off bekommen, die Blenden hatte ich in fröhlichem Streifenmuster gehalten.
Allerdings hätten die Armlöcher ein bisschen tiefer sein können. *Seufz*. Die Information hätte ich eigentlich auch aus Audrey's engen Armen ableiten können, aber nun ja. So ist es nun mal. Ergebnis:
Die Armlochblenden kniffen unter den Armen und rollten sich hoch.
Blenden im ersten Anlauf

Außerdem gefiel mir der Halsausschnitt gar nicht: die knit-up-and-pick-Erste Reihe in grün sah doof aus, die Blende leierte... beser neu machen.
Aber nur die Blenden - für mehr hatte ich keinen Nerv. Also habe ich an den Armen die Streifen mit verkürzten Reihen so gearbeitet, dass unter dem Arm nur die Aufnahme - und die Abkettrunde entlangführt - das schafft die nötigen 2 cm, wobei es auch immer noch mehr hätte sein dürfen - immerhin kneift es nicht mehr.

Sitzt besser - sieht ja keiner. Und wenn: das soll so!
Die Halsblende in zweifarbigem Rippenmuster ist super geworden - man kann sie sogar zweifarbig abketten. Dazu strickt man die Abkettmasche immer in der "falschen" Farbe, beim Abketten legt sie sich dann auf den nächsten Streifen und das Muster geht auf.
Kontrastfarbe:links, Hauptfarbe: rechts Blende: bildschön!

Natürlich musste ich das auch mehrfach machen, bis ich es nicht nur kapiert habe, sondern auch über den Kopf ziehen konnte. JSSBO...

Also - Fazit:
Das Muster:
Eine Kombination aus den Zahlen von Audrey in Unst und dem Einstrickmuster desFair-Isle Twin Set Jumper by Marriner Yarns, frei adaptiert und zusammengeführt von mir.
Technik:
Der Pullunder ist von unten bis zu den Armlöchern in Runden gestrickt, Vorder-und Rückenteil wurden getrennt beendet, das Einstrickmuster in Hin-und Rückreihen (würg) bewältigt. Armlochblenden in Streifen mit verkürzten Reihen, um die nötige Breite zu erreichen ohne unter den Achseln zu kneifen. Die Halsblende in zweifarbigen 1x1 Rippen.
Die Wolle:
Verbraucht habe ich größtenteils Wolle aus dem Stash - zum einen erneut die Konenwolle der Hamburger Wollfabrik, die ich schon bei Audrey verwendet habe, zum anderen die wunderbare Cool Wool Merinowolle, die sich zu einem vielseitigen Dauerbrenner für meine Strickprojekten entwickelt.
Änderungen:
Von der Vintage-Anleitung habe ich nur das Battmuster inklusive Farbaufteilung übernommen, von Audrey die Zahlen für den Körper, dafür Lochmuster und Ärmel weggelassen, Körper 50 Runden verlängert und Ausschnitt 10 Reihen höher angesetzt.

Die harten Fakten:
Fair-Isle Twin Set Jumper by Marriner Yarns
und
Audrey In Unst by Gudrun Johnston
angefangen: 12. März 2013
fertiggestellt: 13. April 2013
Wolle:  
Hamburger Wollfabrik (Wolle-Kaschmir-Nylon) in anthrazit oder schwarz oder was-es-auch-sein-mag
in grün und hellgrau
verbraucht: ? g grau, ?g grün, ? g schwarz. 
Größe/Maße: passt mir (ca Gr. 48)
Nadeln: Chiaogoo Rundstricknadeln Nr. 3 (einfarbig) und 3,25 (mehrfarbig)
weiteres Material: Stopfnadel/dicke Sticknadel zum Vernähen
Kosten: ???

Kommentare:

  1. Ich kenne diese Kombinationen (unterer Teil dunkel, Blumenmotiv, oberer Teil hell) aus den 80ern, sie waren besonders bei Anny Blatt sehr beliebt, und ich fand damals schon, dass sie einfach jeder Frau schmeicheln und viel "Weichheit" in den Look bringen. Ich kann gut verstehen, dass Du mit dem Ergebnis glücklich bist :-)

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  2. die farbkombination ist super. genau mein fall. dieses grün! sehr schön! gut gelungen =)

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  3. Liebe Frau P.,
    ich mag sie einfach, Deine hinreißende und launige Art Projekte auf Deinem Blog "aufzuarbeiten".
    Danke dafür und Willkommen im Arbeitsalltag ;-)
    Liebste Grüße
    Tine

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  4. Danke Ihr Lieben - schön, nicht so ins Nichts hineinzuschreiben...
    Genau, ich wollte nicht so viel Schwarz am Gesicht, den Kontrast abmildern aber nicht bunt werden. Und das Grün - ich brauche dringend einen komplett grünen Pullover. Das übernächste Projekt...
    Am Schreiben kann ich übrigens am ehesten sehen, wie es mir geht. Also, schreiben - nicht nur aufschreiben - das ging ja die letzten Monate kaum. Langsam läuft das Hirn wieder an, und das muss es auch. Es wird nämlich gebraucht!

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  5. ... und darüber freue ich mich ungemein.
    LG Tine

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