Dienstag, 25. August 2015

FO und Fazit: Rowley. Ein sehr großes Schaltuch.

Nachdem ich von Miss Dashwood's geringer Größe doch ein wenig enttäuscht war, habe ich die kühlen Sommertage dafür genutzt, einen neuen Versuch zu starten - denn ich wollte ja immer noch ein Tuch, das so groß ist, dass ich mich komplett hineinhüllen kann.
Das kann doch so schwer nicht sein!
Bewaffnet mit der in Dänemark erworbenen Wolle, und angespornt durch das denkbar schlechte Wetter, ging das Stricken gut voran - obwohl ich diesmal mit dünnerer Wolle (Sockenwolle) ein noch größeres Stück stricken wollte.


Das Muster:
Ich hatte ich für das Muster "Rowley" von Melissa Schaschwary entschieden, dass ich dank Ravelry download auch spontan in einem Kopenhager Garngeschäft erstehen konnte. Es weißt eine ähnliche Form auf wie Miss Dashwood, nämlich halbrund mit breiter Spitzenborte und schlichtem Hauptstück, ist aber zweifarbig und eignet sich meiner Meinung nach besonders für eine kontrastarme Ton-in-Ton-Farbgebung, wie ich sie gerne habe.
Technik:
 Der Körper besteht aus kraus-rechten Reihen mit einer einfachen Lochkante an der Anschlagkante. Daran wird eine breite Spitzenborte angestrickt, die ebenfalls kraus rechte Elemente aufweist. 
Die Wolle:
Verlangt wird Sockenwolle, und so habe ich mich ausnahmsweise auch einmal daran gehalten. Die Onion Knit Nettle Sock Yarn enthält anders als die meisten Sockengarne keinerlei Kunstfaser, statt der üblichen 25% Polyester ist die gleiche Menge eines pflanzlichen Garns auf Nesselbasis eingearbeitet. Es ist sehr reißfest und stabil, und die Farben - für meine verhältnisse ziemlich gedämpfte Lila-Töne, die mich an getrockneten Lavendel errinnern - haben mir sofort gefallen. Leider enthält es sehr viele Knoten (sicher einer pro Knäuel), von denen mir auch prompt einer mitten im Lace-Muster aufgegangen ist. Ich habe es wieder zusammengepfuscht, aber das war schon ärgerlich - besser Knoten aufmachen, neue machen, gut vernähen. Manchmal erscheinen kleine weiße Wollflusen im Garn, die nicht ordentlich versponnen sind, aber das kann man entweder vorsichtig auszupfen oder überstricken und stört nicht weiter. Alles in allem ein schönes Garn, dass ich wieder kaufen würde, und nach dem Waschen auch nicht zu kratzig (wobei ich recht unempfindlich bin).
Änderungen:
Ich habe wie bei Miss Dashwood mit der Borte angefangen, von der ich die vorgegebenen 62 Mustersätze gestrickt habe - schon nach wenigen Rapporten konnte ich das Muster auswendig. Danach ging es deutlich schneller. Statt einer Picot-Kante habe ich eine Muschelkante angestrickt, wobei ich wohl etwas fest abgekettet habe. Grr. 
Dann habe ich die Körpermaschen einmal entlang der Borte aufgenommen (pick up and knit) und ausgehend von den mittleren 7 Maschen verkürzte Reihen zu arbeiten. Dabei habe ich in jeder Reihe über drei weitere Maschen gearbeitet, was dem Zunahmetempo der Anleitung entspricht. In der letzten Rippe habe ich mit (k2tog, yo) eine Lochreihe gearbeitet und dann so locker ich kann abgekettet.
Das fertige Tuch habe ich dann gewaschen und mittels seines Eigengewichts geblockt. Ich wollte die schöne kraus-rechts-Struktur nicht ausleiern, und habe daher das Tuch einfach so auf dem Tisch platziert, das die Borte über die Tischkante hing. Hat gut funktioniert. 

Und es ist mit 2,60 m von Spitze zu Spitze wirklich riesig, wie es sein soll! Jetzt muss ich nur noch lernen, mich elegant hineinzuwursteln.
(Foto folgt)
Übrigens: Die Mengenangaben für den Garnbedarf in der Anleitung waren erfreulich genau - 5 Knäuel Borte, 4 Knäuel Körper, davon ist jeweils noch etwas übrig und ich hatte auch jeweils ein Ersatzknäuel bevorratet, da ich ja nicht wusste, ob ich das Garn in Deutschland nachkaufen können würde. So bleibt genug für passende Handschuhe und vielleicht sogar eine Mütze. Bleiben Sie dran!

Die harten Fakten:
Rowley von Melissa Schaschwary
angefangen: 25. Juli 2015
fertiggestellt:19. August 2015
in 1009 (dunkles flieder) und 1007 (helles Flieder)
verbraucht: etwa 8 Knäuele - 400 g schwer, davon 172g von dem dunkleren, 223 g von dem helleren Garn.
Größe/Maße: 260 cm lang, 52 cm (Mitte) bzw 37 cm (Spitzen) breit
Nadeln: Chiaogoo Lace Twist in Stärke 3,75 mm (Borte) und 4,5 mm (Körper)
Maschenprobe:
weiteres Material: Stopfnadel/dicke Sticknadel zum Vernähen
Kosten: Anleitung etwas 5,90 Euro, Wolle etwa 45 Euro (wenn ich richtig umgerechnet habe ca. 5,50 pro Knäuel, ca. 8 Knäuel verbraucht) macht etwa 50 Euro für einen Schal. Na gut.

Kommentare:

  1. Heijeijei, was für eine Fleissarbeit! Das Bortenmuster gefällt mir sehr gut, und für den kommenden Herbst und Winter ist das Tuch bestimmt gut geeignet!

    Ich habe übrigens Sockenwollgarn mit Leinen entdeckt (bzw von meiner Schwester geschenkt bekommen) - hergestellt wird es von der Wollmanufaktur Filges.

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    1. Liebe Cornelia, ich hoffe auch sehr, dass sich das Tuch bewähren wird... normalerweise bevorzuge ich sehr klare, kräftige "Bleistift"-Farben, die manchmal jedoch schwer zu kombinieren sind. Zumindest wenn man sich modemäßig nicht an einem Papagei orientieren möchte. Farblich ist das hier zwar lila, aber eben doch sehr gedämpft.
      Wolle mit Leinen klingt im Übrigen auch spannend, berichte doch mal, wenn Du es ausprobiert hast!

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  2. Liebe Frau P.,
    2,60 m reichen allemal. Bin sehr gespannt (Ha!) auf Tragefotos und die unterschiedlichen Tragemöglichkeiten. Tageslichtfotos bringen den Lavendeleffekt garantiert besser rüber.
    LG Tine

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    1. Ja, groß genug müsste es jetzt sein... Lila fotografieren ist allerdings die Hölle. Das Foto von den Garnknäuelen kommt der Farbe noch am Nächsten.
      Für Tragefotos brauche ich Wetter, Tageslicht und den Meinigen als Fotografen an einem Ort. Das kann noch etwas dauern... Handschuhe kann ich hingegen selbst modeln. :-)

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