Montag, 11. Juni 2012

Eine Frage der Moral...

... neulich bewunderte eine Kollegin meine "Taygete",* und wie wir so reden, und weil wir gerade online waren, habe ich ihr spontan die Anleitung ausgedruckt und geschenkt.

Und nun habe ich ein schlechtes Gewissen. Das war ja eine Kaufanleitung, von der die Designerin nun nicht profitiert. Ist das unfair?
Andererseits: hätte ich das Muster aus einer Zeitschrift, hätte ich es ihr wahrscheinlich ohne Skrupel einfach kopiert...

Was meint Ihr - was soll ich tun? Ich könnte ja die Anleitung einfach noch einmal kaufen... oder ist das albern/übermäßig sensibel/unnötig?

*und das traurige ist ja nicht, dass ich den Schal liebe und trage, sondern dass ich ihn im Juni liebe und trage...geliebter deutscher Sommer!

Kommentare:

  1. Different countries have different rules about this. In the US what you did would absolutely be considered copyright breach just like you making a copy from the magazine would also be considered copyright breach. In the Netherlands, this is very different. I am uncertain how this works exactly, but sometimes copies are okay there. I do know that there are quite a few German designers who will just about threaten you with a lawsuit (and some who will actually follow through) if they discover the exact thing you just did. Personally, just ones I would not worry about it, but I would not make a habit out of it. It is unfair to the designers, and patterns are often not very expensive. But, you need to do what you believe is right. A conscience can be a very problematic thing, but it is also a very, very priceless thing.

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  2. Zunächst sei vorausgestellt, dass alle Äußerungen von anderen, die veröffentlicht sind, grundsätzlich dem Urheberrecht unterliegen. Das muss nicht einmal gesondert gekennzeichnet sein, sondern ist per se so. Urheberrecht ist nicht gleich Copyright. Letzteres kommt ins Spiel, wenn man Kopiertes gegen Bezahlung weiter gibt.
    Bei Anleitungen kann das noch weiter gehen, indem auch nachgearbeitete Sachen nicht verkauft werden dürfen.
    Das deutsche Recht genehmigt derzeit noch bis zu sieben Privatkopien eines Druckwerks (nicht digital!), die innerhalb des Freundeskreises weiter gegeben werden dürfen. Mal sehen, wie lange das noch erlaubt ist.
    Rechtlich gesehen befindest du dich also noch im Grünen Bereich. Wenn du das Gefühl hast, du willst der Designerin ihren Obulus zukommen lassen, dann handle nach deinem Bauchgefühl.
    Übrigens gibt es eine schöne Abhandlung über das Thema hier
    http://www.medienrecht-urheberrecht.de/10-irrtuemer-im-internetrecht-und-urheberrecht

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  3. Schwierig. Rechtlich ist es mindestens strittig. Jedenfalls wenn die Designerin es nicht ausdrücklich gestattet.
    Ein Buch verleiht man jedoch auch, wenn jemand etwas daraus stricken will. Einen Ausdruck weiterzugeben ist auf jeden Fall besser als die Datei weiterzugeben. Wenn es im Rahmen passiert wie man Bücher verleiht, finde ich es legitim. Durch die Weitergabe bekommt Drine Kollegin vielleicht auch Lust auf mehr Anleitungen dieser Designerin und kauft selbst welche so dass die Designerin auch profitiert.
    Im Zweifelsfall: bring Deine Kollegin zu Ravelry und kauf&schenk ihr dort die Anleitung, wenn Dein Gerissen Dich quält.

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  4. Da schliesse ich mich den Vorrednerinnen an. ;) Ich mache in solchen Situationen auch den "Buchverleih-Tauglichkeitsstst" und frage mich: "Würde ich der betroffenen Person ein Buch leihen?" Ist die Antwort ja, gebe ich eine Kopie weiter, mit nicht allzu schlechtem Gewissen. Aber oft habe ich das noch nicht gemacht. Viel häufiger nutze ich die Geschenkfunktion auf Ravelry. Vielleicht auch, weil die meisten meiner strickenden Freundinnen nicht um die Ecke wohnen. So kommt man erst gar nicht in Versuchung. ;)

    (Übrigens verkaufe ich auch Strickmuster und wenn meine Kundinnen ähnlich denken, ist das für mich natürlich völlig ok.)

    Lieben Gruß,
    Jana

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  5. Ich würde nach der folgenden Überlegung gehen: Wenn Du ihr ganz spontan die Anleitung ausgedruckt hast, ohne daran bewusst zu denken, dass es eine Kaufanleitung war (weil Du es etwa selbst nicht mehr so genau wusstest und es Dir hinterher wieder eingefallen ist, zum Beispiel), war es eben ein Versehen, das kann passieren, und ich würde nichts weiter unternehmen - Du hast es in diesem Fall nicht mit Absicht getan.
    Wenn Du Dir in dem Moment sehr wohl dessen bewusst warst, dass es eine Kaufanleitung gewesen ist, dann würde ich sie an Deiner Stelle ganz einfach noch einmal kaufen - wie Du es mit einem Buch im Buchladen machen würdest, wenn Du Dein eigenes Exemplar aus dem Regal verschenkt hättest.
    Hm, weiß nicht, ob ich Dir damit eine Hilfe bin.
    Liebe Grüße
    Martine

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  6. Tja. Danke erstmal für Eure Kommentare - ich denke,wir sind uns alle einig, dass Designer nicht um ihre Mühen betrogen werden sollen. Tatsächlich hatte ich das auch nie vor - sonst würden wir das hier ja auch gar nicht diskutieren - vielmehr ist mir erst hinterher eingefallen, dass ich für die Anleitung bezahlt hatte (das tue ich sehr selten, es gibt so viele kostenlose Anleitungen im Netz).
    Offenbar bin ich nach deutschem Recht *legal* auf der sicheren Seite - einen Ausdruck weiterzugeben ist wohl erlaubt, wenn man Michaela glauben darf. Leider ist die Kollegin (noch!) nicht bei Ravelry, sodass das Weiterschenken gar nicht so einfach ist. Und momentan habe ich noch nicht herausgefunden, wie ich eine Anleitung mehrfach kaufen kann, wenn das System ja weiß, dass ich die Anleitung besitze - ich werde mal sehen, ob ich einen anderen Weg finde, der Designerin (monetäre) Anerkennung zukommen zu lassen. Schaffe ich das nicht, werde ich mir den Kopf aber nicht dicker machen als nötig - und lieber beim nächsten Mal vorher nachsehen, wie es mit den Rechten steht.

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