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Mittwoch, 21. März 2018

FO: Carpet Bag von Machwerk als Projekttasche

Der Meinige bemängelte glaubhaft und nachvollziehbar, dass allerlei angefangene Strickprojekte in alten Jutebeuteln an Stühlen, Sesseln und Haken im Wohnzimmer herumhängen. Das sieht nicht so schön aus. Ob man das nicht hübscher aufbewahren könne? Könnte man dafür nicht einmal eine Tasche nähen?
Man kann!
Tatsächlich hatte ich mir genau zu diesem Zwecke schon vor mehreren Monaten die Anleitung  für die Griselda "Machwerk" Carpet Bag besorgt. Die Öffnung dieser klassischen "Doktortasche" in vier Größen wird durch einen Metallrahmen aufgespannt, der im Handel nicht so einfach aufzutreiben ist. Ich habe daher zwei kleine und einen großen Rahmen mitbestellt um mittelfristig meinen in die Jahre gekommenen und nicht wirklich hübschen Strickkorb zu ersetzen und mit ein bis zwei kleineren Projekttaschen zu ergänzen. und zwischen den Jahren endlich Anlauf genommen für ein kleines Projekttäschchen.
Bei den Stoffen lag noch ein hübscher fester Möbelstoff von Ikea. Boden, Ecken und Dingens für den Rahmen sollten aus passendem roten Leder werden, das hier noch herumflog. Die Anleitung ist eigentlich gut beschrieben und einleuchtend, und wenn man sie vorher gut durchliest - denn ein oder zwei Schnitteile werden nur als Rechteck mit Maßangabe im Text erwähnt - dürften eigentlich keine Schwierigkeiten auftreten. 
Ich war allerdings unkonzentriert, dauererkältet und von einem lebhaften Kleinkind immer wieder abgelenkt. Das führte zu allerlei dummen Fehlern beim Zuschneiden, für die Griselda wirklich nichts kann. Nunja. Der petrolfarbene Streifen aus dem Futterstoff rettet den vermurksten Zuschnitt, aber ärgerlich ist das schon. 
Hier ein Teaserbild. Weitere Fotos folgen, sobald ich sie vom Handy auf den Rechner... (örks).


Freitag, 26. Januar 2018

FO: Schäfchen zählen.

Anfang Dezember gab es eine kleine Überraschung in der Kita. Im Postfach für die Eltern lag ein Zettel - in zwei Wochen spielt Junior im Krippenspiel ein Schaf!
Einerseits war ich überrascht - Es gibt ein Krippenspiel?!? - anderseits nicht.
Natürlich spielt er ein Schaf! was sollen 20 anderthalbjährige denn auch sonst spielen?

Für das Kostüm gab es keine Vorgaben. Weiße Bodies und Strumpfhosen (oder schwarze) sollten genügen.
Unter den Eltern brach dann doch schnell ein gewisser Ehrgeiz aus. Und bevor ich wusste, was ich da tue, habe ich vorgeschlagen, für 8 kleine Schäfchen die Kostüme zu nähen.
Für 12 Euro bekam man eine flauschige weiche Polyesterwohndecke im Kaufhaus - zwei Stück reichen gut für 8 Schafe in Größe 92.
Basis ist im weitesten Sinne der Jawepu, an die Kapuze kamen die Ohren von PurlSoho's Lamb Bonnet
Ich hatte noch genug Vichy-karo für 16 Ohren - na, dann haben eben vier Lämmlein blaue Ohren. Das soll so! 
Die Armausschnitte sind keine, sondern nur 20 cm lange Löcher in der Seitennaht. Der Halsausschnitt wird durch einen geraden Schnitt von ca. 5 cm entlang der vorderen Mitte erweitert. Eine Schleife dient als Verschluss und Zierde und passt zum Ohr.
 Die Lammschwänzchen sind etwa 15 cm lang, frei improvisiert und mit etwas Lammstoffrest gefüllt.
Ein bisschen Stoff war noch übrig. Das reichte noch für sieben kurze Hosen. Das achte Schaf bekam eine Hose aus Vlies von seiner eigenen Mama genäht.

Hier ein paar Eindrücke von der Anprobe - die Rasse ist offenbar eine blaubeinige Hanseschnucke.

Schnuckelig!
Und Karneval ist damit auch schon abgehakt. Hurra!

Montag, 18. Dezember 2017

Das Monsterbuch der Monster.

Mitte Oktober wurde Junior endlich getauft.
Je näher der Termin rückte, desto mehr Sorgen machten wir uns, ob er wohl stillsitzen würde.
Das ist ja der Vorteil, wenn man Säuglinge tauft - sie laufen nicht weg. Vielleicht weinen sie, aber sie sitzen, bzw. liegen, notgedrungen still.
Nun gibt es ja genau aus diesem Grund im amerikanischen Bible Belt fleißige und kluge Menschen, die sich ein faszinierendes und vor allem leises Spielzeug ausgedacht haben, mit denen kleine Menschen in großen Kirchen zu beschäftigen sind.
Spielbücher heißen im Original nicht umsonst "Quiet Books".
Und zum Glück gibt es allerlei Anleitungen im Internet, einige davon sogar kostenlos.
So wie bei Teenytinymom - danke!
Ich habe mich für das Monsterbuch entschieden. Das Format habe ich beherzt verkleinert. Reduktion aufs Wesentliche!





Außerdem kann Junior es leichter bedienen, wir können es leichter transportieren, und außerdem hatte ich noch diesen 2-Ring-Ordner hier...

Statt Filz habe ich Stoffreste und Leder genommen. Knöpfe, Hosenträgerverschlüsse, Reißverschlüsse flog hier alles noch herum - nur die Spiegelfolie musste ich kaufen.
Hier sind Augen und der Bauchnabel aus KamSnaps.
Die Seiten sind mit Vlieseline hinterlegt und mit Ösen versehen. So kann man sie einzeln herausnehmen und tauschen.
Leider gibt es bisher nur vier Monster.
Leider, denn das macht echt Spaß!
Zum Glück, denn das frisst echt viel Zeit alles.
:-)

Die Taufe verlief übrigens tadellos. Junior saß brav  auf der Kirchenbank, verfolgte das Geschehen mit großen Augen, und gab bei der Zeremonie keinen Mucks von sich.
Die Monster haben wir nicht einmal ausgepackt...
... aber er spielt natürlich trotzdem damit. Je öfter, desto lieber...
Und ich mache sicher noch mehr. Muss ja nicht immer ein Monster sein.
Und der Ordner braucht noch einen angemessenen Buchumschlag. Vielleicht aus dem roten Zottelflausch? Mit Zähnen?
Kommt Zeit, kommt Rat.

Samstag, 25. November 2017

Auch im Winter draußen sein 2. FO: Jawepu aus Softshell.

Eine winterwarme Matschhose haben wir, nun fehlte noch eine etwas wasserfestere Jacke. Nichts gegen den wunderbaren Tomten-Mantel - der zur Zeit noch etwa knielang ist - aber der ist nicht wirklich regenfest und durch den Schlamm geschleift möchte ich ihn eigentlich auch nicht sehen...

Also habe ich noch eine Softshell-Jacke genäht.
Der Stoff war ein online-Schnäppchen im Ausverkauf. Wenn er nass wird, kommt unter dem hellen Türkis ein etwas dunkleres Muster mit allerlei Piraten-Utensilien hervor.
Ist das cool, oder ist das cool? Junior weiß das leider noch gar nicht zu schätzen, aber hey, ich muss ja auch ein bißchen Spaß haben. Und aus dem gleichen Grund habe ich die Jacke auch gefüttert. Das ist bei Softshell eigentlich nicht nötig, da es ja innen schönen weichen Fleece hat. Aber ganz ehrlich - wer hätte da widerstehen können?
Möwen! Ich will auch eine Regenjacke mit Möwenfutter! Das ist eine ganz feine dünne Baumwolle, die ohne Richtung gemustert ist, perfekt für einen Futterstoff also.
Der Schnitt ist wieder ein kostenloses Schnittmuster von Schnabelina, Jawepu, in Größe 92. Auch hier wieder: einfach zu nähen, gut erklärt, guter Sitz. Ich habe alle Teilungsnähte mit Reflektorpaspel versehen, zum einen weil Paspeln super sind, und auch, weil man nicht genug Reflektor haben kann an einer Kinderjacke.
Deshalb ist auch Reflektorpaspel am Kapuzenrand, an den Taschen, und ein extrabreites, mit blauen Paspeln eingefasstes Reflektorband an den Ärmeln. (Es wäre besser gewesen, es mit dem gleichen Abtand zur Ärmelkante anzunähen, aber man kann offenbar nicht alles haben.)
Taschen, Kapuze und Bündchen sind mit blau-weißem Bündchenstoff eingefasst. Der Zwei-Wege-Reißverschluss ist dunkelblau und geht vom Bündchen bis zur Kapuze. Ich habe aus dem Futterstoff einen Untertritt mit Kinnschutz improvisiert - das war eine gute Idee!
Die Ärmel haben verdeckte Bündchen, dafür musste ich die Ärmel beim Zuschnitt um 3 cm verlängern. Das Bündchen an der Kapuze ist gut, weil es den Sitz etwas verbessert, aber das untere Bündchen würde ich in der Form nicht wieder annähen. Die Jacke ist auch etwas kurz. Und eigentlich taugt der Schnitt nicht für das etwas steife Softshell. Dafür war er auch nie gedacht, und deshalb sitzt die Kapuze ein bißchen komisch.
Wenn ich daher noch einmal einen Jawepu aus Softshell nähen wollen sollte, dann würde ich wahrscheinlich die Kapuze ändern, den Saum verlängern und kein Bündchen annähen. Andererseits entwickelt Schnabelina gerade einen eigenen Softshelljackenschnitt, und ich hoffe, dass er fertig ist, bis wir die nächste Größe brauchen. Vielleicht haben wir ja Glück.
Bis dahin funktioniert das aber schon ganz gut.

Donnerstag, 23. November 2017

Auch im Winter draußen sein. FO: Softshell-Hose nach Schnabelina.

Junior lernt laufen.
Junior will raus. Und laufen. Oder krabbeln. Oder im Dreck herumsitzen. 
Oder Bobbycar fahren. Was Kinder mit anderthalb so machen, auf dem Spielplatz. Das Novemberwetter interessiert ihn nicht.
Hier mit Tomten-Kurzmantel eingemummelt
Naja. So ganz stimmt das natürlich nicht. Kalte nasse Erde oder Steine an den Krabbelfingern findet er schon doof. Aber das hindert ihn nicht daran, draußen herumkrabbeln zu wollen oder sich beim Laufen üben immer wieder einmal abzulegen.
Und das ist ja auch alles gut und richtig und vor allem überhaupt kein Problem, wenn man eine Matschhose aus winterwarmen wasserabweisendem Softshell hat.
(Da die Hose quasi sofort und seitdem andauernd im Einsatz war bzw. ist, gibt es nur Bilder "in action". Sorry.)
 
Die Idee habe ich erstmals im Blog von Schnabelina aufgeschnappt und gleich nachgebaut.
Basis ist die Hose vom Jumpsuit (kostenloses Schnittmuster). Ich habe einen dunkelblauen Softshell in Jeans-Optik eine Nummer größer zugeschnitten (Größe 92) und an den äußeren Seitennähten je 3cm zugegeben. Das passt bequem über einen normale Hose. Außerdem habe ich am oberen Bund 2 cm zugegeben und ein extra-breites Bündchen angebracht - 15-20 cm sollten es schon sein, also 30-40 zuschneiden. Nach einigen Wochen im Dienst würde ich die Taille sogar noch höher machen - das Bündchen kann ruhig ganz unter den Achseln sitzen.
(Man kann natürlich auch einfach eine Latzhose nähen, aber das finde ich immer so umständlich beim An- und Ausziehen. Außerdem wollte ich das neue Material erst einmal mit einem kostenlosen Schnittmuster testen.)
 
Die Taschen sind eigentlich nur dekorativ, momentan benutzt er sie jedenfalls noch nicht. Ich habe sie mit weinrotem Bündchenstoff eingefasst und weinrot abgesteppt. Auch alle Nähte sind weinrot in der Nahtzugabe festgesteppt für einen rustikalen Jeanslook. 
Die Nähte sind nicht zusätzlich versiegelt, aber für unser Matschverhalten halten sie dennoch ausreichend dicht - vor einigen Tagen stand Junior in wirklich jeder Pfütze im Umkreis und kam dennoch mit trockenen Füßen heim.
Trockene Füße, da  ich auch hier wieder die Hosenbeine der (noch) zu langen Hose einfach unten zugenäht habe, um mir Schuhe oder Regenstiefel zu sparen. Er hasst Schuhe, und läuft noch nicht genug, um sie ihm aufzuzwingen, wenn er dann bei weiten Strecken ohnehin nur im Wagen sitzt.
 So trägt er Wollsocken oder Hausschuhe im zugenähten Hosenbein und kann gelegentlich wunderbar "barfuß" laufen üben - und hat trotzdem warme, trockene Füße. Perfekt.

Der gröbste Dreck wird nach der Heimkehr in der Badewanne von der Hose geduscht, bis zum nächsten Ausgang ist sie dann wieder trocken und einsatzfähig. Ab und zu kommt sie auch in die Waschmaschine und dort habe ich sie bisher einmal mit einem Spezial Imprägnierwaschmittel imprägniert. Bisher (nach 6 Wochen) ist sie trotz der extra Abnutzung an den Füßen immer noch dicht.
Bis die Hose in der Länge passt und gesäumt werden kann/muss, kann er dann hoffentlich auch gut genug laufen für richtige Regenschuhe...
Jedenfalls: Softshell-Hose? Würde ich wieder machen.

Dienstag, 21. November 2017

FO: Arya Tasche, die zweite.

Nachdem ich meine erste Arya ja verschenkt hatte, war die Schnabelina viel und gut im Gebrauch.
Allerdings ist sie von den Farben her eindeutig, wie soll ich sagen. Pink. Und passt nicht so gut zu meinem Wintermantel. Ich wollte noch eine Tasche in herbstlicheren Farben, und außerdem wollte ich eine eigene Arya.
Zum Glück gab es genau den gleichen Stoff, aus dem ich die erste Version genäht hatte, noch einmal in einem wunderschönen olivgrün. Da habe ich gleich mal zugeschlagen.
Dann hat es allerdings ganz schön lange gedauert, bis ich einen passenden Futter- und Kontraststoff dazu gefunden hatte. Und neue Eisenwaren, denn zu dieser Tasche wollte ich kein blankes Silber, sondern ein mattiertes Altmessing. 
Ein wunderbar rötlich-warmes Leder hatte ich noch - und irgendwann ging dann alles ganz schnell.
Tasche zuschneiden und mit dem bei der Schnabelina bewährten Polstervlies kaschieren - einfach an den Kanten (inkl. Nahtzugabe) mit Zickzack aneinandernähen - und dann "normal" weiterarbeiten.
Die Außentasche habe ich mit zwei Lederstückchen an den Reißverschlussenden verziert, 
die Innentasche ist diesmal auch eine Reißverschlusstasche, das finde ich praktischer.
 Der diagonale Verschluss hat diesmal zwei Reißverschlussfüßchen, sodass ich von der Mitte aus in beider Richtungen öffnen kann - das bewährt sich bereits.
Statt zweier kurzer Henkel gibt es einen langen Schultergurt. Der ist (noch) etwas suboptimal - am besten wäre es wohl gewesen, zwei lange Lederstreifen gegeneinanderzunähen, aber dafür hatte ich nicht genug von dem Leder -auch so ist der Streifen schon gestückelt. Also habe ich von dem 5 cm breiten Streifen bloß die Kanten nach innen genäht, um etwas mehr Stabilität zu erhalten. 
Das reicht aber noch nicht, noch ist der Gurt zu elastisch. Wenn die Tasche eingetragen und der Gurt ausgeleiert ist, werde ich ihn noch einmal kürzen. Und nochmal neue Nieten einschlagen, räusper. Und vielleicht kommen noch kurze Griffe dazu. Mal sehen.
Dazu gibt es noch einen dicke Troddel als Taschenbaumler für den RV außen, und eine zweite Troddel für einen neuen Schlüsselanhänger für mich.
Wenn ich den nicht in der Manteltasche habe oder in der Tasche vergrabe, dann kann ich ihn ebenfalls wie einen Baumler außen an einen der Ringe haken. Mal sehen, was sich im Alltag bewährt.
Ich bin jedenfalls sehr zufrieden mit meiner neuen Tasche! Es geht so unendlich viel rein, ohne dass sie vollgestopft aussieht. Die Farbe ist wunderschön, meine Reißverschlüsse werden immer besser, nur zu meinem -anders grünen- Wintermantel passt diese Tasche auch nicht optimal... Aber das lässt sich bestimmt ändern. Ich habe da schon etwas vorbereitet. 
Projekte, Projekte... sie gehen einem nicht aus.

Dienstag, 24. Oktober 2017

Laufen lernen. Leder nähen.

Ein Kind, das laufen lernt, braucht erstmal keine Schuhe.
Soweit sind sich alle einig: barfuß ist am besten!
Ab jetzt kommen die Ausnahmen, die in unserer modernen Welt so gelten -und die dem Schutz zarter Babyfüßchen vor Scherben, Unrat und allzu kalten Temperaturen dienen.
Dafür gibt es dann Lederpuschen.
Und dafür kann man in Windeseile wirklich erstaunlich viel Geld ausgeben.
Oder an die Kiste mit den Lederresten gehen und das Internet befragen.
Ich habe es, weil ich ja immer alles anders machen muss, mit einem etwas ungewöhnlichen Schnürstiefelprojekt versucht, nämlich den "Modern DIY Leather Baby Boy Boots" - einer kostenlosen Anleitung von Delia Creates.
Wobei Anleitung es natürlich nur so halb trifft - eher so Hinweise.
Ich habe bisher zwei Versionen genäht, die beide nur so halb super sind.
Bei der ersten Version in braun habe ich mich ganz genau an die Anleitung gehalten, aber es sieht merkwürdig aus, wenn die Naht außen liegt, das Füttern der Schuhe mit Filz/gefilzter Wolle war meines Erachtens auch nicht nötig und für die korrekte Platzierung der Ösen für die Schuhlöcher gibt es auch keine Markierung.
Bei der zweiten Version in blau musste ich zudem die Schuhgröße ändern. Ich habe dazu eine andere Puschenanleitung genommen und die Sohle in der richtigen Größe gewählt. Man kann natürlich auch einfach um einen ruhig stehenden (hahahahahah) Babyfuß herummalen. Und dann habe ich das zweite Schnittmusterteil in der Mitte auseinandergeschnitten und um ca 4 cm verlängert.
Auf der Sohle habe ich markiert: a) die vordere und hintere Mitte sowie b) den Beginn und die seitliche Mitte. Dann wird es beim dreidimensionalen Stecken und Nähen etwas einfacher.
Die rauhe Seite der Sohle soll aussen sein. Den Rest des Schuhes wollte ich in Glattleder. Man muss sich vorher merken, was jeweils die "rechte" und was die "linke" Seite werden soll - Hauptsache, man hat je zwei gegengleich Teile.
Leder kann man nicht gut mit Stecknadeln heften - zum einen ist das oft dick und mühsam, zum anderen bleiben die Löcher sichtbar. Besser sind solche Klammern. Wäscheklammern gehen auch.
Man beginnt am Start: Die Sohle hat auf der inneren Mitte eine Markierung, die der unteren Kante des "Hakens" entspricht. Dann einmal rundherum, bis der gerade Teil den Anfang um etwa 2 cm überlappt. Bei der Sohle liegt die rauhe Seite oben, beim zweiten Schnittteil auch.
Mit Ledernadel und Lederfüßchen einmal rundherum steppen. Langsam in den Kurven, dann wird das auch was. (Bei meinem linken Schuh ist die Ferse leider zu eng geworden. Das sitzt ganz schlecht.) Naht zurückschneiden und wenden.
Für den zweiten Fuß wiederholen und schon sehr zufrieden sein.  Allerdings klafft die Öffnung doch sehr auf, was dazu führt, dass der Schuh sofort vom Fuß rutscht (oder gezogen wird). Als Befestigung muss man sich irgendwie an den gegenüberligenden Fußrückenteilen zwei Punkte markieren und Ösen durchjagen.
Mein Schnürsenkel ist aus Elastikband und etwas frickelig am Anfang und Ende festgesteppt.
Mit diesem zweiten Paar bin ich schon relativ zufrieden. Wie gesagt, die linke Ferse ist zu schmal, der ganze Schuh ist dadurch zu eng und passt nicht gut - eigentlich müsste ich das nochmal machen.

Aber - natürlich trägt Junior ohnehin nie Schuhe. Im Haus maximal Stoppersocken (auch die sind eine Zumutung). Und für das reale Herbstwetter da draußen gab es neulich die ersten "richtigen" Lauflernschuhe. Mit Sohle und allem drum und dran.
Ich glaube, wir müssen bald einen Kredit aufnehmen.

Mittwoch, 20. September 2017

FO und Fazit: Zweimal Strampelina, Sommer und Herbst.

Während ich mich so durch die Schnittmuster von Schnabelina nähe, bin ich zunehmend begeistert von ihren detaillierten Anleitungen und den gut sitzenden Schnitten. Und da sie diese für ihre eigenen Kinder entwirft (2 Mädchen, 1 Junge), hat sie auch Schnittmuster für beiderlei Geschlechter. Oder es gibt es die Möglichkeit, selbst augenscheinlich "gegenderte" Schnitte in Unisex-Schnitte zu verwandeln, oder sie sonstwie für beide Geschlechter passend zu machen. (Womit ich sagen will: es gibt sehr viel weniger schöne Jungs-Schnitte. Aber so ist die Mode-Industrie, das gilt ja auch für die Großen.) Und dann auch noch alles kostenlos!

Nehmen wir "Strampelina", ein Strampelanzug/Einteiler, den sie für ihre jüngste Tochter entworfen hat. Wäre er zwei Jahre eher "auf dem Markt" gewesen, hätte ich ihn wahrscheinlich für Mini-Junior in den kleineren Größen auch schon genäht. So sind wir jetzt schon bei der letzten und größten Größe angelangt (von 56 bis 92). Das passt schon, denn irgendwann ist das Baby eben kein Baby mehr, sondern ein Kleinkind, und dann werden Einteiler zunehmend unpraktisch.

"Strampelina" hat einen hohen Rücken und Rundhalsausschnitt und wird mit Knöpfen oder Drückern nur an den Schultern geschlossen. An die Brustpasse ist eine weite, knielange Pumphose angesetzt, die gekräuselt, mit kurzem oder knöchellangem Bündchen gearbeitet werden kann. Sie kann (gerade in den kleinen Größen) aus elastischen Sweat- oder Jerseystoffen genäht werden, funktioniert aber (für Größere?) auch mit Webware - dann einfach eine Größe weiter nähen. Meine beiden Versionen sind jeweils in Größe 92, Junior trug sie im Sommer mit Größe 80 bzw. jetzt mit Größe 86.

Meine erste Version entstand als leichter Sommer-Spielanzug aus einem alten Herrenhemd, ein bewusstes upcyclen und integrieren von Elementen inklusive.
Die Hemdtasche wurde zur hinteren Hosentasche, 

die Knopfleiste findet sich an den Hosenbeinen

und im Verschluss.
Die Naht an der Passe war mir irgendwie mißglückt, daher habe ich ein Webband darüber genäht.
Die Beine habe ich einfach nur gesäumt. Sie sind sehr weit, aber da sie nur halblang sind, konnte er sich nicht allzusehr darin verheddern.

Die zweite Version ist für kühlere Temperaturen ausgelegt und aus dunkelblauem Feincord mit Stretchanteil. Hier habe ich für den rechten Knickerbockerlook mit schmalen, etwa 2,5cm breiten Bündchen abgeschlossen und sicherheitshalber eine Knopfleiste im Schritt eingebaut, aber eigentlich war das gar nicht nötig. Die Passe habe ich mit einem Ringeljersey gefüttert.
Der einzige Schmuck sind Aufnäher, die es letztes Jahr bei Tchibo gab: auf der Brust eine Piratenmöwe, am linken Knie ein Seepferdchen
und auf den -improvisierten- hinteren Po-Taschen
ein Wal und eine Krabbe. Erst aufgebügelt, dann angenäht - Zickzack auf 1,5mm, Stichlänge auf 0,2, und dann langsam, sehr langsam... Alle Nähte sind von rechts noch einmal füßchenbreit abgesteppt, die Knöpfe sind dunkelblaue Kamsnaps, die bombenfest sitzen.
Das ganze ist vielleicht etwas "babyhafter" als die Sachen, die ich sonst so nähe, aber wahnsinnig süß und vor allem bequem. Durch den leichten Stretch-Anteil geht auch das Ausziehen zum Wickeln schnell und gut. Mit Strumpfhosen und einem langärmligen Body - noch niedlicher finde ich etwas mit Kragen - ist das aktive (noch) Krabbelkind so auch in der kalten Jahreszeit gut angezogen, kann sich gut bewegen und behält warme Nieren, da nichts hochrutschen kann.
Ich denke, davon nähe ich noch eine zweite Version.

Sonntag, 20. August 2017

Tasche nähen. FO und Fazit: Schnabelina Bag.

Nachdem die graue Arya-Tasche recht bald schon weiterverschenkt war, dachte ich lange über eine Alternative nach. Nochmal nähen möchte ich sie schon, aber zweimal gleich ist doof. Außerdem ist der graue Stoff ausverkauft und nur noch in einem (tollen) gelbstichigen Grün da gewesen. Und dazu fehlt mir noch der passende Futterstoff. Das riecht alles farblich nach Herbst, das kann ich jetzt nicht. Das dauert noch.

Stattdessen habe ich mich an die unter der Nähnetzgemeinde schon bewährte Schnabelina Bag gemacht. Das Schnittmuster ist kostenlos, sehr gut und ausführlich bebildert und erklärt, und die Tasche gibt es in vier Größen von "normal" (xs) bis "Sommerurlaub" (xl). Ich habe mich für "Small" entschieden und bekomme problemlos einen DinA4-Block hinein, angeblich passt sogar ein Aktenordner. Die Tasche eignet sich gut für wilden Mustermix und Getüddel - aber das ist mir im Alltag einfach zu bunt. Ich bin ja keine vierzehn mehr. Daher überlegte ich lange hin und her, wie ich meine Stöffchen "zähmen" könnte.

Ich hatte nämlich - ursprünglich für ein ganz anderes Projekt und daher auch in viel zu geringen Mengen - jeweils 30 cm (statt der geforderten 60 cm) aus der Gütermann Serie Long Island (Rhomb blau und den mit den Vögeln und Insekten) hier liegen. Als Futterstoff erwarb ich noch einen Meter "Sterne" aus der gleichen Serie dazu. Und auf einmal hatte ich rosa Reißverschlüsse, pinkes Gurtband und war dabei, völlig gegen mein normales Farbschema auch noch rosa Paspelband zu nähen... Um etwas Ruhe hineinzubringen und die Tasche etwas eleganter zu machen, habe ich Flicken und Taschen aus dunkelblauem Wildleder hinzugefügt.

Was soll ich sagen - mir gefällt es! Auch wenn die Nähmaschine mit teils vier Lagen Leder doch ordentlich zu kämpfen hatte...
Ich habe den tollen "Zip-It"-Einsatz für das Seitenteil genäht, mit dem sich die ohnehin geräumige Tasche noch einmal vergrößern lässt,...
...und die beiden aufgesetzten Taschen außen.
Innen hat die Tasche nur eine große Reißverschlussinnentasche, das reicht, sonst verheddere ich mich bloß. Was fehlt ist eine Halterung für einen Kugelschreiber. Der wohnt jetzt in der Innentasche, aber nuja. Das ist ungewohnt und unpraktisch.
Den rosa Reißverschluss für Verschluss oben
(muss sein, wegen Taschendieben, neugierigen Babies und persönlicher Schusseligkeit - sonst fällt doch dauernd alles raus!) und Seitenteil hatte ich noch von der Taschennähaktion 2015 übrig. Die Paspel habe ich selbst genäht -ich liebe Paspeln ja. Wirkt gleich alles viel professioneller. Das Gurtband ist neu, und mit 75 cm pro Griff ebenfalls lang genug für bequemes Tragen und über den Kinderwagen hängen. Die Stoffe zu stückeln hat einige Nerven gekostet, aber es ist mir, finde ich, ganz gut geglückt.
Taschenfutter blitzt
hinter der Tasche noch eine Tasche. Sehr praktisch
Innenfutter, Innentasche und alle sichtbaren Taschenfutter sind aus dem Sternchenstoff - davon ist auch noch etwas da.
Der Meinige findet das alles zu mädchenhaft, zu pink und zu bunt. Ich weiß, was er meint, aber das ist mir egal.
Vielleicht mache ich sie noch mal ganz unbunt?

Übrigens habe ich für den Stand diesmal kein aufbügelbares Vlies genommen, sondern Polstervlies, genauer: 3mm starken kaschierten Schaumstoff mit Jersey, den ich aufgenäht statt aufgebügelt habe. Bei 160 cm Breite ist der Preis nicht zu toppen im Vergleich zum Bügelvlies, es ist unwahrscheinlich viel übrig und es gibt einen viel schöneren, festeren Stand. Wenn man kein Problem damit hat, dass das Vlies bis in die Nahtzugabe reicht, wo ich es mit Zickzack festgenäht habe, ist das jedenfalls eine tolle Alternative für alles, was ein bisschen Stand benötigt.

Ach ja, was ich noch sagen wollte: ich weiß, das ist schon die zweite Tasche mit Gütermann Stoffen. Ich kriege dafür nix geschenkt, ich habe die Stoffe gekauft, weil sie mir gefallen, und ich nenne die Marke hier, weil ich mich oft auf Bildern in Stoffe verliebe und dann nie weiß, was es ist und wo man das auch kaufen kann. Nix Werbung, nix affiliate, leider.