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Dienstag, 21. Februar 2017

FO: Blauer Tomten.

Wenn es im Winter kalt wird, werden den Eltern sehr kleiner Kinder Schneeanzüge verkauft.
Einerseits ist das nachvollziehbar: Die Kinder sind von Kopf (Kapuze) bis Fuß (abknöpfbare Schuhe) warm eingepackt, es kann nichts hoch oder runter rutschen, niemand friert.
Allerdings kann sich auch niemand bewegen. Die ohnehin grobmotorischen Babies sind dank dicker "Daunen"-(naja. Polyester)Füllung fast bewegungsunfähig und sehen aus wie ein Seestern - wenn man sich gerade daran gewöhnt hat, einigermaßen gezielt nach Dingen zu greifen, ist das ganz schön frustrierend...
Hinzu kommt, dass das Anziehen keinem der Beteiligten Freude macht. Die Beine sind eng, die Ärmel sind enger, die Kapuze ist zu eng oder zu weit, und überhaupt - Handschuhe! am besten noch angenäht, diese Ärmel zum Umklappen. Junior mag das gar nicht...
Da es hier im Norden ohnehin selten schneit, und selbst wenn Schnee läge, dieses Baby jedenfalls noch nicht durch den Schnee krabbeln würde, ist auch der Vorteil "wasserfest" für uns nicht gegeben. Schlimmstenfalls wandelt er sich in den Nachteil "nicht atmungsaktiv".
Aber bevor ich nun beim einschlägigen Öko-Kindermodehändler einen Schurwalkwolloverall bestelle, sehe ich meine Chance...
Challenge accepted!
Was wird gebraucht?
Da die Beine in einem Lammfellfußsack stecken, müssen sie nicht verhüllt werden. Notfalls haben wir genug Decken.
-Eine Jacke.
Warm, weich, atmungsaktiv.
-Wolle.
 Auch für kältere Temperaturen als alleinige Außenjacke warm genug?
-ok. Dicke Alpakawolle - bis zu 8x wärmer als Schafwolle. Noch dazu besonders kuschelig.
Leicht an-und auszuziehen. 
-Natürlich der wunderbare Tomten von Elizabeth Zimmermann - extragroße Armlöcher, gut sitzende und das Gesicht gut umschließende Kapuze, zeitlos kraus-rechts, Reißverschluss...

Meine erste Version war aus dünnerem Garn entstanden und daher recht klein ausgefallen. Junior trägt diesen Tomten als nunmehr drittes Baby mit etwa 7-9 Monaten als normale Strickjacke im Haus, und wird bald herausgewachsen sein.

Dieses Mal wollte ich dem Rat der Originalanleitung folgen - wenn man die Größe für ein etwa 2jähriges Kind stricke, so Frau Zimmermann, könne man im ersten Winter die Ärmel und ggf. die Kapuzevorne zubinden (Handschuhe!). Im zweiten Winter passt dann alles und im dritten - beginnt man mit einem neuen Kind von vorne... Letzteres ist schwer zu planen, aber die nächsten beiden Winter wollte ich gerüstet sein.


Das Muster:
sollte bekannt sein. Wer für Kinder strickt, sollte mindestens einen Tomten gestrickt haben. Sage ich jetzt mal so. Dies ist mein dritter und sicherlich nicht letzter. 
ist wie gesagt modular, d.h. eine Grundzahl - hier die sieben - kommt in allen relevanten Arbeitsschritten vor. X x 7 Maschen Anschlagen, kraus rechts bis zum Armloch, dort X x 7 Maschen abketten, X x 7 Rippen Armausschnitt etc. pp.
Technik:
Anfängertauglich! Kraus-rechts ist einfachstes-nebenbei-stricken, sieht immer gut aus und ist dehnbar - wächst also auch mit. Es ist allerdings auch ein echter Wollschlucker.
Die Wolle:
Weil ich eine warme Winterjacke wollte, habe ich mir zwei Konen Babyalpakawolle DK in dunkelblau-heather von Fairalpaka bestellt und diese doppelfädig verstrickt. Das ergibt in der Stärke ein "bulky" und mit Nadel 4,5mm erziele ich genau die von Frau Z. vorgeschlagene Maschenprobe (und damit hoffentlich auch die von ihr vorgeschlagene Reinwachs-Größe). Das Garn ist ein Traum - warm und weich und flauschig und das Blau leuchtet und steht Junior wahnsinnig gut. Die Maschenprobe trägt er ja in Form einer Mütze schon länger... Und die 500g Konen führen dazu, dass man endlich einmal in Ruhe ohne Knoten vor sich hin stricken kann. Herrlich!
Änderungen:
Dieses Mal habe ich die Saum-und Ärmelkanten im 2r2l-Rippenmuster gestrickt. I-Cord ist zwar todschick, aber nicht ganz so elastisch, und enge Kanten sind unpraktisch. Außerdem wird es so etwas... frischer? Moderner? Finde ich... 
Außerdem habe ich die Kapuze wieder etwas größer gestrickt (2 zusätzliche Zunahmereihen) und mit einem Kontrastgarn (fairalpaka weinrot-heather fingering - aber vierfädig = bulky) zusammengenäht und mit einer roten Quaste versehen.
Und entlang der vorderen Kante bis hoch zur Kapuze habe ich einen xoxo-Zopf eingestrickt. Der heißt auch "hugs und kisses", weil im (angelsächsisch-amerikanischen) Internet "x" für Kuss und "()" für Umarmung steht. Das perfekte Muster für mein Baby also, und außerdem ein bisschen Abwechslung in dem ganzen kraus-rechts. Zwar zeigt sich schnell und deutlich, dassAlpaka kein ideales Garn für Zopfmuster ist,  trotzdem, mir gefiel es so gut, dass ich den Zopf in einer schmaleren 4Maschenversion auch auf der Ärmelmitte angebracht habe. Die Ärmel-Abnahmen habe ich seitlich dieses Zopfes gemacht.
Außerdem wollte ich dieses Mal Taschen - im Moment kann Junior damit zwar noch nichts anfangen, aber ich nehme an, dass nächstes Jahr allerlei kleine Schätze herumgetragen werden müssen. 
Auch diese Taschen habe ich im weinroten Kontrastgarn gestrickt, allerdings nur doppelfädig (=DK), sodass die Taschenbeutel nicht zu sehr auftragen. Eingestrickt habe ich sie nach dem Prinzip der "Afterthought Pockets", das EZ ebenfalls in Knitting without Tears vorstellt.

Dazu wird ein Faden zerschnitten, vorsichtig gelöst und die gewünschte Zahl nun freier Maschen auf Nadeln gelegt. Die Tasche wird dann in Runden in der gewünschten Tiefe gestrickt. Ich habe die "Seitennaht"-Maschen links gestrickt, damit sich die Tasche flacher legt, und sie mit 3-Needle-Bindoff abgekettet, und dann die komplette Abkettkante an die Jacke genäht - so kann die Tasche nicht ausbeulen und durchhängen. Erst wollte ich noch eine Taschenblende anbringen, aber mir gefällt es ganz gut, wie das Futter "blitzt"- ich lasse es erstmal so. Am schwierigsten war es, die Tasche richtig zu platzieren - ich habe mich dafür entschieden, sie etwas tiefer als halbe Strecke zwischen Saum und Ärmelloch anzubringen (nach 18 Rippen). Sie ist 12 Maschen vom Reißverschluss entfernt und 14 Maschen breit - allerdings musste ich aufgrund des dünneren Taschenbeutelgarns in den ersten Runden aufs 2x29 Maschen (je 1 Falz-Masche) zunehmen, um den Unterschied in der Maschenprobe auszugleichen. Und wenn die Tasche innen etwas größer ist als von außen sichtbar, schadet das schließlich nichts.

Das schwierigste aber war das Einnähen des Reißverschlusses. Ich hatte bei Schneiderbedarf Werner einen 50 cm langen, teilbaren Zwei-Wege-Reißverschluss gekauft*, damit ich die Jacke von unten öffnen kann- wenn Junior im Wagen sitzt, kann er so leichter angeschnallt werden, und man kann bspw. im Supermarkt etwas "lüften" ohne die Jacke ausziehen zu müssen...
Um es kurz zu fassen: nach mehreren Fehlversuchen habe ich jede 10. Rippe mit einer Nadel markiert und dann den Reißverschluss mit Reihgarn so geheftet, dass 10 Rippen 6,5 cm entsprach. 

Dann mit der tollen neuen Nähmaschine und dem noch tolleren Reißverschlussfuß ganz knappkantig angenäht. Das hat endlich wunderbar funktioniert, ohne dass Jacke oder RV später Wellen schlugen. Allerdings hatte ich mich verrechnet- 10 Reihen hätten 7cm entsprechen müssen... So war mein Reißverschluss auf einmal ganze 5 cm länger - zu lang?
Der Vorteil ist, dass ich auf diese Weise das Kind gut verhüllen kann - die zur Zeit noch etwas große Kapuze schließt gut ab und ersetzt eine Mütze, und zukünftig muss man ja nicht bis oben hin zuziehen. 

Allerdings hat er dann eben immer Reißverschlusszacken im Gesicht, und auch wenn diese nicht aus spitzem, kalten Metall sind, sondern aus Kunststoff, so ist das wahrscheinlich nicht so bequem. Eine gutaussehende Lösung ist mir leider noch nicht eingefallen...
Auftrennen ist jedenfalls keine Option, denn ich habe bereits das Reißverschlussband innen mit einem Webband übernäht, um die Kanten aufzuhübschen und weiter zu stabilisieren - die Jacke wiegt etwa 600g und würde durch das Gewicht sehr ausleiern.
Außerdem - ist das nicht süß? Wale! Und die Farben passen perfekt!
Auf die ursprünglich geplante rote I-Cord-Einfassung entlang der vorderen Blende habe ich dann doch verzichtet - die kraus-rechte Kante sieht ordentlich aus, die Maschinennähte passen gut ins Muster, liegen genau neben dem Zopf und müssen nicht verdeckt werden...

...und die Kontrastfarbe sollte nur einen Akzent setzen, nicht zu dominant werden. Daher muss ich die etwas zu breit rot abgeketteten Ärmelbündchen wahrscheinlich noch einmal neu oder anders machen, aber zur Zeit ist die Jacke schon im Einsatz - und ich habe im Moment keine Lust...
Wie man sieht ist die Jacke tatsächlich im Moment noch etwas zu groß. Eher ein knielanger Kurzmantel. Das heißt aber nur, dass Junior im Wagen auch Po und Oberschenkel von der Jacke gewärmt bekommt. Mit langen Ärmeln gibt es warme Finger, aber sie lassen sich leicht hochgekrempeln und ermöglichen das Herumfingern mit dicken Babyfingern. Sehr wichtig.
Ich denke, ein zwei weitere Winter wird er die Jacke bestimmt noch tragen können. 
Misson erfüllt!


Anders als dieses Foto vermuten lässt, trägt er die Jacke übrigens sehr gerne und freut sich, wenn wir damit ankommen. Das Anziehen ist nun kein Kampf mehr, und ich finde ihn extra-niedlich - alle sind glücklich. :-D
Die harten Fakten:
 Tomten Jacket by Elizabeth Zimmermann 
Troddel: https://www.purlsoho.com/create/2013/07/18/tassel-tiny-attached-tassel/
angefangen: 2. Januar 2017
fertiggestellt: 13. Februar 2017
verbraucht: 596g in blau, 28g rot
Größe/Maße: "etwa 2 Jahre" - mit viel Weite zum Drüberziehen über normale Kleidung
 60 cm Unterbrustweite
30 cm Saum-Achsel 
49 cm Saum-Schulter
25 Ärmel (Saum-Achsel)
Nadeln: Chiaogoo 4,5mm für blau, 3mm für Taschen.
Maschenprobe: 18Mx34R in kraus-rechts
weiteres Material: Stopfnadel/dicke Sticknadel zum Vernähen, 50 cm langer 6mm breiter Zwei-Wege-Reißverschluss, etwa 1,5 m Webband.
Kosten: Garn anteilig etwa 50 EUR, RV 3,99 EUR, Webband... tja. 5 Euro? Zusammen etwa 68-69 Euro. Kein Schnäppchen, aber immer nicht teuerer als der einschlägige (und sehr geschätzte) Öko-Walkwollbabyshop...und etwas individueller. Und wahrscheinlich mit längerer Laufzeit.


*ich kriege nichts dafür, dass ich Namen oder Händler nenne. Aber ich habe dort gute Erfahrungen gemacht und will den Laden wiederfinden. Wenn er zwischenzeitlich nicht pleite geht, weil andere Kunden den Weg finden, ist auch das in meinem Interesse. Und ich fand großartig, dass ich den RV in zentimetergenauer Wunschlänge hätte bestellen können. Unschlagbar günstig war er ohnehin.

Samstag, 27. Oktober 2012

An apple a day. Teil 2: Apfelmus.

Wenn das Fallobst überhand nimmt, und ein Entsafter nicht zur Verfügung steht, dann hilft nur eins. Apfelmus!
Ich mache das normalerweise ganz pur und ungewürzt.

So geht's:
  • Äpfel waschen
  • braune Stellen, verfaulte Stellen und Kerngehäuse großzügig wegschneiden (Schale lasse ich dran - mein Baum wird nicht gespritzt)
  • den größten vorhandenen Topf (bei mir: 15 Liter) damit füllen
  • zwei Becher (ca. 400 ml) Wasser dazu (wer mag kann auch Schnapps, Zimt, Vanille oder andere spannende, apfeltaugliche Gewürze dazu tun, so wie hier. Muss aber nicht. Das gilt auch für Zucker - wir lassen ihn in der Regel weg, aber das hängt von Geschmack und Apfelsorte ab)
  • mit Deckel aufkochen und zerkochen lassen, bis die Stücke zerfallen
  • mit dem Zauberstab bearbeiten, bis die Schale Geschichte ist
  • in sterilisierte Gläser füllen
    12 Gläser gingen an die Nichte. Diverse wurden gegessen. 14 haben wir noch...
  • ein Glas sofort essen (z. B. mit Reibekuchen oder Pfannkuchen oder...), den Rest dem Bruder für die kleine Nichte ins Auto packen
  • im Garten weiteres Fallobst sammeln
  • am nächsten Tag von vorne beginnen, bis der Vorrat an Gläsern absolut aufgebraucht ist.

Die kleine Nichte brauchte bei der Erkundigung unseres Gartens dringend eine warme Jacke - wie praktisch, dass die Tomten-Jacke  gerade ganz hervorragend zu Wetter und Körpergröße passte. Und wo sie schon mal da war, haben wir den Nichten-Geburtstag einfach mal vorgezogen. Solange das Geschenk noch passt...
Die Kapuze könnte ein bisschen größer sein, sieht aber ganz süß koboldhaft aus...

Sonntag, 19. August 2012

FO: Tomten.

Liebe Frau Zimmermann,

sicherlich bin ich bei weitem nicht die erste, die findet, dass Ihre "applied I-Cord" eine der schönsten Kanten ist, die man einem Strickstück geben kann. Erstaunlich eigentlich, dass mir bisher kein deutscher Name dafür untergekommen ist - sollte sie wirklich in der Heimat der kraus-rechten-Janker-Jacken, nach deren Vorbild Sie ja schließlich auch "Tomten" entworfen  haben, strickhistorisch nicht verbürgt sein? In mein Repertoire ist sie jedenfalls fest aufgenommen.

Zugegeben, sie ist ein bisschen aufwendig zu stricken, aber keinesfalls schwierig, und es lohnt sich. Ich habe sie mit zwei Strumpfnadeln in Stärke 4 angestrickt, da die graue Karisma-Wolle ja bekanntlich etwas dicker ist als die dunkelgrüne Hauptwolle.Aufwärts war ein Rhythmus von 1 I-Cord pro Kraus-Rechts-Rippe passend, an der unteren Kante habe ich zugesehen, wie es sich ausging - aufgrund der unterschiedlichen Wollstärken habe ich ca. jede 3. oder 4. Masche ausgelassen. Das schwierigste war die Verknüpfung von Kanten-Anfang und -Ende. Zwar hatte ich mit einem provisorischen (Häkel-) Anschlag begonnen, aber da ich die Häkelmaschen nicht ordentlich aufribbeln konnte, ist das Zusammengrafting, nun ja, nicht sooo optimal geworden. Egal.
nicht so tolle Verbindungskante

Nach einem handwarmen Vollbad im Handwaschbecken war auch klar, dass
Mit etwas Wollwaschmittel/Haarshampoo einweichen lassen, gut ausdrücken...

1. die grüne Wolle ganz enorm ausfärbt. Wow. Gut, dass ich das jetzt weiß.
... in Form ziehen und flach trocknen lassen...
 2. die Jacke echt sehr sehr schön werden wird.

Ich musste nur noch den Reißverschluss einsetzen. Wenig überraschenderweise kostet so ein 30 cm Jackenreißverschluss mehr als die Wolle, aber das dunkelgrün passt perfekt, die I-Cord-Kante verdeckt ihn ganz professionell, und das zukünftige Trägerkind wird in Windeseile mollig warm eingepackt sein.Auch wenn man sich das bei den heutigen Sahara-Temperaturen gar nicht so recht vorstellen mag...
Oh my God! They killed Kenny!

Alles in allem: Ich bin begeistert!
Frau Zimmermann, bald stricke ich sicherlich wieder mit Ihnen. Bis dahin vielen Dank für Ihren Witz, Humor, common-sense und die Art, wie Sie mir beibringen, dass ich "the boss of my knitting" bin.
Herzliche Grüße,
Ihre Projektmanagerin

Hier das Fazit:



Das Muster:
Die Anleitung ist, wie meist bei Elizabeth Zimmermann, eher ein Rezept. Daher wurde die Jacke auch deutlich kleiner als erwartet, aber das macht nichts: Kinder kommen in allen Größen, und auf diese Weise wird die Jacke halt nicht von der Nichte an uns zurückvererbt werden, sondern den direkten Weg gehen. Auch nicht schlimm.
Das Muster ist modular aufgebaut, das heißt die Maschenzahl ist immer ein Vielfaches von - in diesem Fall - sieben. Wer zählen kann, hat daher schon halb gewonnen. Unzählige Variationen ergeben sich nicht nur aus Farbwahl, Wollstärke, Verschlussart, Blenden, sondern auch aus unterschiedlichen Kragen und/oder Kapuzenlösungen. Da ist für jeden was dabei! In diesem Fall: selbstentworfene Intarsienmuster, applied I-Cord, Kapuze.
Technik:
Wie gesagt: bis sieben zählen können hilft. Der Rest sind rechte Maschen. Zunahmen (für die Kapuze) habe ich mit tiefer gestochenen Maschen gemacht, Abnahmen (beim Anstricken der Ärmel) mittels k2tog. Keinerlei Hexenwerk so weit. Für mich neu war: Intarsien (vor allem über kraus rechts), und die I-Cords - sowohl applied als auch als bind-off. Aber das Internet ist voller Anleitungen, und die Technik hat ihren Namen nicht umsonst. ("I" steht, anders als nach heutigen Apple-Gewohnheiten zu vermuten, für "Idiot", also idiotensicher).
Die Wolle: ist für dieses Projekt super - ich denke bei der Jacke an eine reine Draußen-Drüber-Jacke für Spazierfahrten bspw, daher macht es nichts, dass weder die Karisma noch die Primavesi einen besonderen Kuschelfaktor aufweisen. Dennoch ist die Wolle beim Waschen etwas aufgeblüht.
Änderungen: Ich habe die Kapuze etwas größer gemacht, indem ich einfach einige Reihen mehr zugenommen habe. Hätte ich sie gezählt, könnte ich es jetzt genauer sagen. Sorry. Dass der eine Ärmel etwas größer ist als der andere war hingegen unabsichtlich. Wie gesagt: wer zählen kann, ist klar im Vorteil.
Die harten Fakten:
Tomten Jacket by Elizabeth Zimmermann
angefangen: 13. Juli 2012
fertiggestellt: 17. August 2012
Wolle: ca 4 Knäuel Energy Manifattura Primavesi in dunkelgrün, ein Rest Drops Karisma in grau (Stashabbau gelungen!)
verbraucht:: die Jacke wiegt inkl. Reißverschluss 220g. 
Größe/Maße: 34 cm hoch (von Schulter bis Saum), 24 cm breit (unter dem Arm), Ärmellänge ca. 20 cm, bei einer Maschenprobe von ca 24Mx48R=10 cm kraus-rechts
Nadeln: Rundstricknadel, 80 cm Seil in Stärke 3; 2 Strumpfnadeln in Stärke 4 für I-Cord 
weiteres Material: Stopfnadel/dicke Sticknadel zum Vernähen, 30 cm Jackenreißverschluss.
Kosten: Wolle: Tauschgeschäft bzw. Reste. Reißverschluss: 7,10 Euro

Samstag, 11. August 2012

Frau Zimmermanns Zwerge.

Die allseits geschätzte, teils sogar hochverehrte, Frau Zimmermann hat sich, das wurde auch hier schon berichtet, um die Strickwelt sehr verdient gemacht. Mein WIP-Tomten, von dem ich ebenfalls schon sprach, den ich aber noch nicht weiter vorgestellt hatte, zeigt einmal mehr eindrucksvoll, warum das so ist.
Tomten - schwedisch für "Zwerg" oder "Gnom" oder "Wichtel" - ist eine Strickjacke nach einem EZ-typischen, erfrischend einfachen Rezept. Eigentlich gehört er eher in die Alpen als nach Skandinavien, denn das kraus-rechts-Muster und die (von EZ empfohlenen) Farben erinnern eher an einen klassischen Trachtenjanker, aber wir wollen da mal nicht so streng sein. Schließlich machen wir ohnehin alle, was wir wollen, und das ist ja auch gut so.
Meine Version ist an sich ganz klassisch, tannengrün mit grau, deutlich kleiner als erwartet, und hat ein lustiges Detail in Form einer kraus-rechts-gestrickten Intarsienborte. Welcher Teufel mich da geritten hat, weiß ich nicht, aber trotz zahlreicher Fehler und Unregelmäßigkeiten sieht es eigentlich ganz niedlich aus.
Status: zweiter Ärmel in Arbeit, I-Cord-Kante fehlt noch

Die Borte geht die ganze untere Jackenkante entlang und schlängelt sich dann an der Jackenöffnung hoch von wo es nahtlos in die Kapuze übergeht. Neben dem dekorativen Effekt verleiht sie den Kanten eine erfreuliche Stabilität.
 Eigentlich wollte ich auch am Ärmelbündchen eine anbringen, aber erstens ist mir nicht ganz klar geworden, wie lang so ein Tomten-Ärmel sein soll (Rezept statt Maßangaben), und zweitens krempelt man Ärmel ja vielleicht auch mal um, und dann wäre das nicht so schön. Also habe ich den Ärmel einfach nur mit einem grauen I-Cord-Bind-off versehen. (Wie das geht hat Tichiro hier perfekt erklärt, aber vergesst nicht, VOR dem abketten drei neue Maschen anzustricken, damit der Übergang funktioniert!).
I-Cord-Bind-Off: Wieder was gelernt, und der Aufwand lohnt sich für die hübsche Kante
Das Ergebnis ist sehr schön, und daher soll auch der Rest der Jacke komplett an allen Rändern mit einem Applied-I-Cord versehen werden.

Danach ist, glaube ich, ein Reißverschluss angebracht, aber das gucke ich mir gleich nochmal bei Ravelry an. Sonst mache ich beidseitige I-Cord-Buttonholes, die je nach drinsteckendem Kind mit Knöpfen links oder rechts versehen werden. Ich denke da an klassische Münz-Zinn-Knöpfe.
Der Meinige schlug außerdem Taschen vor - das könnte niedlich sein, nötig ist es in der Größe noch nicht. Mal schauen. EZ hat ein Rezept für Nachträgliche Taschen (Afterthought Pockets), die man hier gut ausprobieren könnte, aber je nachdem, wie lange der I-Cord-Marathon dauert... Die Jacke soll ja auch mal fertig werden. Und ja, der Ärmel muss unten noch zusammengenäht werden.

Tomten ist aber nicht die einzige Kinderjacke, die EZ entworfen hat.Deutlich bekannter und auch beliebter - mit bis heute über 18090 (registrierten) Projekten - ist ihre Baby Surprise Jacke, ebenfalls eine ingeniöse Konstruktion in kraus rechts. Und sehr, sehr niedlich.
Überraschung!
Diese Version hat ihrem Namen alle Ehre gemacht, als ich sie letzten Montag beim Stricktreffen überreicht bekam. Das Garn ist eine Viskosemischung, also etwas leichter als die Wolljacken, die ich bisher gestrickt habe, und da wir heutzutage ja alle Zentralheizung haben, passt das auch für Herbst-Winter-Kinder super! Nochmals DANKE, Chra!

Dienstag, 31. Juli 2012

Tomten

Ich sitze also neulich im Zug, eine lange Fahrt steht mir bevor. Einmal vom Norden bis ganz in den Süden - wie gut, dass ich stricken kann!
Kopfhörer und Hörbuch schirmen mich von der gutgelaunten Gruppe Justizvollzugsbeamtinnen auf Betriebsausflug ab, die nicht begreifen können, dass wir ihren Spaß nicht alle gleichermaßen teilen können oder wollen.
Ich greife nach Wolle und Nadeln und schlage 112 Maschen für einen Tomten an.
Nach sechs Reihen beginne ich, auf einem Stück kariertem Papier ein einfaches  Bordürenmuster zu skizzieren - ein bißchen Intarsie kann das kraus rechts ja nur auflockern und zugleich die Kanten stabilisieren, dachte ich mir. Das Muster geht nicht auf.
Nun ist ja bekannt, dass ich nicht zählen kann. Ein Verdächtiger ist also schnell ausgemacht - ich habe tatsächlich 10 Maschen zu viel aufgeschlagen. Kein Problem, der Weg ist noch weit.  Ich ribbele alles auf und fange von vorne an. So hat man länger was vom Hobby.
Eine halbe Stunde später bin ich wieder da, wo ich eben schon mal war - diesmal mit der korrekten Maschenanzahl, einem halbwegs funktionierenden Mustersatz, und immer noch dem spannenden Hörbuch auf den Ohren.
Da rüttelt jemand an meinem Arm. Eine der Betriebsausflüglerinnen hat mir dringend etwas zu sagen. Ich schalte hektisch das Hörbuch aus, nehme den Kopfhörer ab und erfahren:
"Seit  Hannover beobachte ich Sie! Sie kommen ja überhaupt nicht voran! Ich seh' das ganz genau, das Stück ist überhaupt nicht gewachsen!"
Vorgetragen mit einem Unterton leichter Empörung.
Ich war so verstört, ich wusste überhaupt nicht, wie ich reagieren sollte.
Ich meine, geht's noch?
1. wollte ich offensichtlich meine Ruhe (Kopfhörer etc)
2. was geht es diese wildfremde Frau an, ob und wie schnell ich stricke?
3. ich habe noch nie erlebt, dass jemand mir das Taschenbuch oder die Zeitung aus der Hand gerissen hätte mit dem Hinweis, ich hätte nun schon so lange nichts umgeblättert, ob und was ich überhaupt da lesen würde.

Warum passiert sowas immer mir?

Mittwoch, 18. Juli 2012

*Sendepause*

Die Verlängerungsstücke für das Jodeldiplom sind fertig.
Ich habe einen Tomten angeschlagen und bin sogar schon ziemlich weit gekommen - was daran liegt, dass er deutlich kleiner wird als gedacht. Der Nichte wird er jedenfalls nicht mehr passen... Egal.
All das erzähle ich Euch genauer, wenn ich die Doktorarbeit verteidigt habe.
Und das passiert nächsten Dienstag.
Ihr dürft gerne die Daumen drücken (nachmittags) - ich bin erstmal offline...