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Samstag, 28. September 2013

FO und Fazit. Lopi-Jacke. Meckern geht immer.

Die Lopi-Jacke ist fertig und wird bereits viel getragen. Sie ist fast genauso geworden, wie ich mir das vorgestellt hatte - aber eben leider nur fast. Dennoch behalten wir im Hinterkopf: Die folgenden Absätze beinhalten teilweise Gejammere auf hohem Niveau.
Geplant war eine lange Jacke in kraus-rechts, ein bisschen wie ein Janker, aber durch andere Farben und Wolle nicht ganz so trachtig. Ihr Zweck: an kühlen Abenden auf der Terrasse oder Herbsttagen im Garten oder am winterlich-unheizbaren Büroarbeitsplatz schnell übergeworfen die ganze, stets frierende Projektmanagerin warmzuhalten.
All dies ist gelungen: Die Jacke ist weit genug um auch über einem Pullover getragen zu werden, sie ist lang genug um auch Nieren und Hüften zu wärmen, und die Farbe ist auch super. Ganz besonders freut mich aber, dass die geplanten kontrastfarbenen Details im Großen und Ganzen genauso geworden sind, wie in meinem Kopf - und ich finde sie fantastisch!
Die Kordeln entlang der falschen Prinzessnähte hatte ich ja schon mehrfach erwähnt.
 
Dazu kommen die geschlitzten Manschetten mit stilisierter Rankenintarsie (nach einem kostenlosen Ravelry-Muster)

und der  hohe Stehkragen mit einer Abwandlung der Ranke über weniger Reihen.

Kragen und Manschetten sind vom "Körpergestrick" mit einer Biese über 4 Reihen in Kontrastfarbe getrennt und dann mit kraus-rechten Intarsien hochgestrickt. Zum Schluss wurde alles mit einer I-Cord-Einfassung im gleichen dunkleren Petrol-Ton eingefasst. Das ist super geworden, gefällt mir prima, und ich bin ein bisschen stolz darauf.
ABER.
(Ab jetzt kommt das Gemecker.)
Trotz Maschenprobe, Rechnerei, Trennerei und diversen Neustarts sitzt die Jacke nicht so gut, wie sie könnte. Okay, aber nicht perfekt. (Und den Anspruch auf "perfekten" Sitz habe ich bei Selbstgestricktem oder -genähtem eigentlich immer, auch wenn ich ihn so gut wie nie erfülle...)
Man sieht das besonders gut in der Rücken- und Seitenansicht, zwei Blickwinkel, die mein Spiegel mir bei den diversen Zwischenanproben nur bedingt eingeräumt hat.
Vielleicht liegt es aber auch nicht an der Jacke, sondern an dem Körper in der Jacke, mit dem ich ja nun schon länger hadere.
Unabhängig davon sieht man aber, dass die hintere Prinzesskordelnaht nicht ganz an der richtigen Stelle verläuft. Zwei Dinge sind dabei schief gegangen:
1. Ich hatte geplant, sie gespiegelt zur Vorderseite anzubringen und hatte mich -wie berichtet- beim Setzen der Marker verzählt oder rechte bzw. linke Seite verwechselt oder mich sonstwie unkonzentriert verbaselt. Das ist nicht schlimm, aber eben auch nicht ideal - sie sollten ja auch den Rücken optisch schmaler machen - das wäre ohne diesen Positionierungsfehler noch etwas besser gelungen. Immerhin, kein Fehler in der (ausgedachten) Anleitung, sondern "nur" in der Ausführung.
2. Leider folgt daraus eben auch, dass die Rückenkordeln, die ja zum Armloch hin verzopft wurden, viel früher am Armloch ankamen als die entsprechenden Vorderteilkordeln - sie mussten ja über weniger Maschen wandern. Das sieht ein bisschen komisch aus.
Verstärkt wird dieser Effekt natürlich noch dadurch, dass ich das Armlochproblem zwar irgendwie hingebogen, aber nicht korrekt gelöst habe.
Damit wären wir beim 3. Meckerpunkt: Die Ärmel sind noch immer zu weit. Man sieht das im Foto sehr gut, wie viel extra-Material für einen noch kräftigeren Bizeps zur Verfügung stünde. Nicht zuletzt aufgrund des Gewichts - die Lopi-Wolle wiegt ja auch ein bisschen was - beult das ganz schön und sieht unschön aus. Ich hatte das Ärmelloch zwar verkleinert, aber eben nur "grad genug" und nicht so viel, wie es nötig gewesen wäre.
Sonst wären die Kordeln, die ja eigentlich in der Mitte des Armlochs enden sollten, nicht nur ins untere Drittel desselben gerutscht, sondern an die untere Kante - und ich war schlichtweg zu faul zu genervt, sowohl Vorder-als auch Rückenteile wieder bis zur Taille aufzuribbeln und zur Hälfte neu zu machen. Dies ist also ein Designfehler: Das Armloch wäre mit max. 20 cm Höhe völlig ausreichend gewesen, hätte also mindestens 10 cm später anfangen müssen, und die Kordel-Krümmung hätte entsprechend später einsätzen müssen. Dann hätte sich auch das Einstricken des Ärmels als deutlich einfacher erwiesen.
Und möglicherweise hätte sich damit auch der 4. Meckerpunkt erledigt, oder zumindest verbessert:
der Verlauf der Ärmelkordel. Geplant war, auch mit dieser Kordel eine Naht zu simulieren, und zwar die Naht, die bei einem geteillten Jackett-Ärmel vom Rückenteil zum Ärmelschlitz führt.
Im Prinzip fange ich richtig an, nämlich an der Rückenkordel, die ja - wie in Punkt 3 geschildert - eigentlich viel höher hätte ansetzen sollen. Ich höre auch richtig auf, die Kordel führt also tatsächlich bis zum Manschettenschlitz, so wie das auch geplant war.
Leider sitzt der Schlitz nicht an der Außenkante des Handgelenks, sondern an der Innenkante. Ich dachte, wenn ich die Ärmelabnahmen immer an den Seitenrändern mache (die Ärmel sind kraus-rechts in Reihen gestrickt und erst am Schluss zusammengenäht), wandert die Ärmelnaht langsam an die richtige Stelle. Tut sie auch, oder besser: täte sie (wahrscheinlich), wenn der Ausgangspunkt (Rückenkordel: Hälfte oder oberes Drittel der Armkugel) korrekt gewesen wäre (was er nicht ist). Weil die Kordel mehr in der Mitte des rückwärtigen Ärmels begonnen hätte, hätten die Abnahmen sie nicht bis an die Kante des Ärmels (=die Ärmelnaht) geführt, sie hätte den Ärmel an der richtigen Stelle optisch geteilt, und im Endeffekt hätte ich auch den Schlitz an der richtigen Stelle (Handkante statt Daumen).
"Hätte, hätte, Fahrradkette!" - so wird man nicht gewählt. Ob die Maschenverschiebung sich genau ausgegangen wäre, kann ich nicht sagen. Ich kann mit dem Ergebnis leben, für eine Anleitung würde ich alles umrechnen, ändern, teststricken lassen.

Der 5. und 6. Meckerpunkt betrifft die I-Cord-Einfassung, mit der ich die gesamte Jackenkante eingerahmt habe. Im Prinzip alles richtig und super - aber ich finde, ich hätte besser eine 4-Maschen-Kordel machen sollen statt eine 3-Maschen-Kordel - sie ist mir optisch ein bisschen zu dünn im Vergleich zum Rest der Jacke. 
 Vielleicht hätte man auch zuerst eine Runde Pick-up-and-knit-Maschen stricken sollen? Ich habe nämlich auch I-Cord-Knopflöcher gestrickt, die jetzt ein bisschen schwer auffindbar sind.

Das geht so: An der Stelle, wo das Knopfloch sein soll, strickt man die I-Cord nicht fest (zusammenstricken mit Randmasche Körper), sondern strickt 1, 2 oder 3 mal (abhängig von der Knopfgröße) eine Kordel "in der Luft" und erst danach wieder mit der Körpermasche zusammen. Die entstandene Lücke ist das Knoploch - einfach, stabil, leicht anzuordnen.
Bei kraus-rechts reicht es, jede zweite Rippe (also z.B. alle Linksreihen/"purl bumps") aufzunehmen, um sie mit der I-Cord zusammenzustricken, und das habe ich auch so gemacht. Nimmt man vorher eine Reihe/Runde Maschen auf, die dann mit der I-Cord sozusagen wieder abgekettet würden, muss man diese aufgenommenen Maschen an den Knopflochstellen entsprechend abketteln. (pick-up and knit, pick-up and knit, Knopfloch: pick-up and knit, pick-up and knit and cast-off 1,2 oder 3x; pick-up and knit... Die puak-Maschen bleiben auf dem langen Seil, zwischendrin sind Lücken für Knopflöcher, sie werden mit i-cord-bind off abgekettelt und an den Knopflochlücken gibt es i-cord-Luftmaschen. Die Knopflächer sind an beiden Seiten mit Kontrastfarbmaschen eingefasst und noch stabiler.)
Warum habe ich das nicht gemacht? Ich wollte nicht die gesamte Jacke auf ein Nadelseil legen.
Was hätte man tun können? Man hätte mit zwei Fäden arbeiten können: ein Knäuel, um bspw. 50 Maschen aufzunehmen (oder jeweils eine Kante, oder bis das Seil "voll" ist), dann innehalten und mit einem zweiten Knäuel von hinten die eben aufgenommenen Maschen wieder per I-Cord-Kante abzuketten.  
(Jetzt weiß ich das auch, danke. Wieder was gelernt fürs nächste Mal...)

Womit wir beim 7. Meckerpunkt wären: Knöpfe.
Ich glaube, die Knöpfe sind zu klein. Ich mag sie, sie passen zur Jacke, aber sie haben nur 18mm Durchmesser, und 20 mm oder gar 22 mm wäre besser gewesen.
Das ist übrigens auch für die etwas ungewöhnliche Doppelgruppierung der Knöpfe, die mir zwar gut gefällt, aber im Endeffekt nicht ausreicht, die falschen Proportionen zwischen Knopfgröße und Jackengröße auszugleichen.
Ihr kennt das ja: es musste schnell gehen, und bei Audrey sind mir die Knöpfe eigentlich zu groß, und vielleicht kaufe ich ja irgendwann mal größere Knöpfe und tausche sie aus... wer weiß.

So. Genug gemeckert. Ich trage die Jacke gerne. Sie ist warm, wenn auch nicht kuschelig, und sitzt bei allem Verbesserungspotential besser als alles anderen Jacken in meinem Schrank, inklusive Audrey (leider. Sie ist einfach eine Nummer zu klein. Oder zwei.)


Die harten Fakten:
Dies ist mein eigener Entwurf, Alphaphase, unveröffentlicht. 
Manschettenranke: Detail aus Telemark
angefangen: 21. April 2013
fertiggestellt: 25. August 2013
Wolle: Ístex Létt-Lopi in türkis (1404) und petrol (9423)
verbraucht: ich hatte 16 Knäuele in türkis und noch 1 + 35 g übrig und zwei in petrol und noch 33 g übrig = ergo ca. 780g
Größe/Maße: meine. Ungefähr.
Nadeln: Chiaogoo Lace Twist 4,5 mm mit 80 und 100 cm Seil, 1 DPN 4mm für die I-Cords
weiteres Material: Stopfnadel/dicke Sticknadel zum Vernähen, 10 Knöpfe
Kosten: Wolle: ca 45 Euro; Knöpfe: (von Stoff&Stil, 18mm, und es gab sie auch größer. grmpf) 6 Stk à 4,65,-: 7,75. Insgesamt: Ca. 53 Euro. Nicht schlecht.
Und der (Ravelry-Projekt-Link).

Montag, 19. August 2013

WIP: Lopi-Jacke. Endlich Ärmel.

Es hat ungefähr sechs Anläufe gebraucht, und einen Monat schmollen/nicht anrühren, dann ist der Knoten geplatzt.
Die Lopi-Jacke hat jetzt Ärmel!
Der Durchbruch war, endlich einmal ernst zu nehmen, was ich schon wusste: das Armloch war viel zu groß.
Lösung: unten eine Art Zwickel einstricken, bzw. das Armloch kleiner zu stricken. Das ist in der Achsel, da wird schon keiner so genau hinschauen. 10 Reihen über 12 Maschen habe ich hinzugefügt, gleichzeitig für den Erhalt der Schrägung an der Seitennahtkante und die 12./13. M. jeweils rechts zusammengestrickt.

Nachteil: die Prinzesszöpfe sollten eigentlich in der Mitte des Armlochs enden, und nicht im unteren Viertel... aber was solls.
Außerdem ist kraus-rechts eben doch dehnbarer als man meint. Mit dem normalerweise nötigen Drittel der Maschen für die Armkugel wurde meine Schulterkugel immer zu weit und zu eckig.
Lösung: weniger Maschen (tadaa!). Mit 22 Startmaschen für die verkürzten Reihen habe ich ein Viertel der anvisierten 88 Endmaschen auf den Nadeln, und das kam wunderbar hin. Allerdings musste ich nach wie vor (weil: Armloch viel zu groß!) in jeder zweiten Reihe die Ärmelmasche mit der Rand-Körper-Masche zusammenstricken - also nur in jeder zweiten Reihe eine Masche dazugewinnen. Kam hin.

Der Ärmel passt prima, mit 14 Abnahmen bis zur Manschette (60 M) passt immer noch ein leichter Pullover unter die Jacke und trotzdem schlabbert nichts. Der Zopf am Ärmel wandert bis zur Manschette, ein bisschen wie bei einem Jackett mit Ärmelschlitz, durch die Abnahmen passiert das automatisch.

Und der Clou: das hübsche Rankenmuster  (Telemark, kostenlos bei Ravelry) in der Manschette mit Schlitz - ein Detail, das ich bei Timpani sehr mochte und hier abgewandelt habe. Die Ranke passt perfekt (Musterrapport = 20 M), Intarsien in kraus-rechts habe ich ja schon bei Tomten geübt, und der I-Cord-Abschluss macht das ganze rund. Und wenn ich die Jacke erstmal gewaschen und gespannt habe, ist die Manschette vielleicht nicht mehr soviel enger als der Ärmel - zweifarbig gestrickt halt, das zieht sich etwas zusammen. Schlimmstenfalls wird mir der Wind nicht die Ärmel hineinfahren... :-)

Ohohoh. Das wird so schön!
Wird aber auch langsam mal Zeit!

Montag, 29. Juli 2013

Sommerloch. Nähen aus Notwehr.

Momentan geht - wie offenbar jeden Sommer - die Blograte enorm runter. Wer hat schon Zeit, am Rechner zu sitzen, wenn draußen der Sommer lacht? Und wer hält eine dicke schwere Lopi-Jacke auf den Knien, wenn die Temperaturen sich um die dreißig Grad einpendeln?
Ich offenbar nicht...
Dennoch habe ich jetzt eine Lösung für die Lopi-Ärmel gefunden, mit der ich erstmal leben kann.
Fakt ist: die Armlöcher waren einfach viel viel zu groß, also zu früh angesetzt. mit einem Umfang von 60 cm hätten sogar meine Beine hindurchgepasst. Also, glaube ich. Ihr wisst schon. 40 cm hätten jedenfalls völlig gereicht, und für meine "Anleitung" merke ich mir das natürlich auch.
Meine Lösung ist nicht perfekt, aber ich kann damit leben, und sobald ich einen Ärmel soweit habe, dass ich zeigen kann, was das Problem war und was ich gemacht habe (und der Meinige als Fotograf zur Verfügung steht), erzähle ich Euch auch davon.

In der Zwischenzeit habe ich allerdings vor allen Dingen Nähprojekte angefangen.
Fakt ist - ich erwähnte es - ich habe in den letzten Jahren enorm viel zugenommen.
Einkaufen macht in den großen Größen einfach keinen Spaß. Von den fünf Hosen, die der Versandhändler mir neulich zugeschickt hat, hat genau eine gepasst. Eine Schlafanzughose.
Die Jeans ist durchgewetzt. Die Cordhose ist durchgewetzt. Die schwarze Chino ist fast durchgewetzt. Mehr Hosen besitze ich nicht. Nackend auf die Straße gehen ist allerdings auch keine Lösung. Eine Lösung, vielmehr, ist meine altbewährte Nähmaschine. Näh ich mir halt was, das passt.
Ergebnis:
Ein Jersey-Kleid.
Ein zweites Jersey-Kleid.
Beide super - einfach über den Kopf ziehen wie ein T-Shirt, genauso bequem, aber "richtig" angezogen.
Ein Rock - schön, aber etwas zu sehr auf der Hüfte.
Ein zweiter Rock - mit kleiner Rüsche. Und Gummizug.
Alle Schnitte altbewährt und erfolgreich "vergrößert".
Damit kann -im Moment zumindest - wenigstens gesittet vor die Tür gehen. Es ist ein Ding, ob man zu Hause den ganzen Tag in Pyjama-Hosen herumläuft, aber im Büro? Ich bin nicht Cindy aus Mahrzahn, auch wenn ich ihr immer ähnlicher werde. (Muss nur noch ihr Gehalt erreichen...)
In Arbeit ist ein bürotaugliches Kleid für kühleres Wetter, ein Woll-Polyester-Gemisch, in einem wundervollen Blau (gestreift) und dank der Materialmischung absolut knitterfrei.
Sobald ich hier herausgefunden habe, in welcher Größe ich welches Schnittmusterteil zuschneiden muss/welche Änderungen nötig sind für einen guten Sitz, liegt noch ein zweiter Stoff bereit - gleiches Material, völlig andere Farben und Muster.
Geplant ist dann auch eine Blogparade mit Fotos - aber die müssen noch gemacht werden.
Zuerst einmal muss ich allerdings blaues Nähgarn kaufen. Das ging gestern mitten im Nähen zu Ende. Grmpf.

Und bevor Ihr etwas falsches denkt: ich nähe gerne, aber immer nur phasenweise. Und eigentlich immer aus "Notwehr". Und zwar völlig unabhängig von der Kleidergröße! Die gleiche Motivation - Mode von der Stange passt nicht, sitzt nicht, es gibt nicht das, was ich mir vorstelle - hatte ich auch schon vor 20 Jahren, als ich mit dem Nähen anfing und man alle meine Rippen ohne Röngtenapparat zählen konnte.
Auch damals war ich unzufrieden mit meiner Figur. Erlerntes Verhalten. Aber schon damals habe ich gelernt: was nicht passt, wird passend gemacht (Rocksaum). Denn wenn die Kleidung mir nicht passt, dann ist es deutlich einfacher - und seelisch gesünder - die Kleidung zu ändern als mich und meine Figur... Wie heißt es so schön: 8 Milliarden Frauen wollen aussehen wie Supermodels. 8 Frauen gelingt es.
Liebe Designer: es ist keine Herausforderung, normierte Kleidung für normierte Körper zu entwerfen! Langweilt Euch das nicht? Nehmt die Herausforderung ruhig an!
So.
Ich kaufe jetzt Nähgarn.
Und irgendwann zeige ich Euch, was ich genäht habe.
Bis dahin - genießt den Sommer! Draußen!

Donnerstag, 11. Juli 2013

WIP: Lopi-Jacke. Die Ärmel - in der Theorie.

Der Ärmel wuchs und wurde geribbelt, wuchs erneut und wurde erneut geribbelt - es war zum Mäusemelken.
Eigentlich wusste ich genau, was ich zu tun hatte. Ich hatte ähnliches schon getan: sowohl bei Tomten wurde ein Ärmel eingestrickt (sogar kraus-rechts) als auch bei Audrey.
Außerdem hatte ich mir das schlaue Video angesehen, das auch Erika in ihrem Kommentar erwähnt hat. So wusste ich, dass ich ein Drittel der Maschen für die Armkugel brauchen würde.
Der erste Versuch hatte mich gelehrt, dass "pick-up-and-knit" für meine kraus-rechte Jacke die falsche Technik war.
Also habe ich die Maschen "normal" aufgenommen: Unter dem Arm habe ich die 2x13 abgeketteten Maschen wieder aufgenommen, und den Rest, indem ich eine dünne Stricknadel (3mm statt 4,5) eine Masche vom Rand entfernt durch die Linksrippen gezogen habe.
Dann konnte ich die aufzunehmenden Maschen ganz einfach auf die richtige Nadel stricken. Insgesamt kam ich auf 105 Maschen, beginnend und endend an der Seitennaht. Nun geht die erste Runde von innen am Rückenteil entlang wieder gen Schulternaht und darüber hinaus - das ergibt von außen gesehen eine Linksreihe, wie auch Tine empfohlen hat.
Ein Drittel für die Schulterkugel macht 35 Maschen. Man müsste also in der Theorie ca 17 Maschen über die Schulternaht hinaus stricken und dann verkürzte Reihen beginnen - immer hin und her und jede Reihe eine Masche mehr abstricken... Hat man nun ein wohlsitzendes Armloch, strickt man nun fröhlich vor sich hin bis alle Maschen auf der Nadel sind. Wenn man bei den Achselmaschen angekommen ist, geht es immer lustig in der Runde weiter. So war es zumindest bei Audrey. So kann es aber hier nicht gehen.

Zum einen werde ich den Teufel tun und kraus-rechts in Runden stricken. Soo schlimm ist das Nähen einer Naht nämlich gar nicht - es geht also bis zur Seitennaht und dann wieder zurückt. Abnahmen kann ich dann entlang der Randmaschen platzieren.
Viel schwieriger ist aber, dass 105 Maschen im Umfang nämlich entweder einen schicken Puffärmel gibt, oder großen Frust - weil der Ärmel zu weit würde und überall Falten würfe. Ideal wäre wahrscheinlich eine Maschenanzahl von ca. 80 Maschen Dazu müsste man nicht "wrappen und turnen", sondern ganz banal die jeweils letzte gestrickte Masche mit der nächsten am Ärmelrand aufgenommenen Masche  zusammenstricken (und dann wenden usw.) - wie bei der Tomten-Jacke. Allerdings hat die nicht wirklich eine ausgeformte Schulterkugel. Irgendwie muss ich also die Ratio von verkürzten Reihen (um auf die erforderlichen Maschen und eine wohl geformte Schulterkugel zu kommen) und zusammenstricken (um faktisch Maschen abzunehmen oder zumindest nicht weiter zuzunehmen) austüfteln.
Mein momentaner Stand sind zwei weitere Fehlversuche.
An dieser Stelle unterbreche ich das Projekt, bevor ich es vor lauter Frust auf den Grill werfe, und wende mich schnellen kleinen Erfolgserlebnissen zu.
Morgen nämlich ist die Schwägerin ausgezählt, eine weitere Nichte ist geplant.
Und obwohl es mir anfangs schwer fiel, wegen des ganzen emotionalen Ballasts, sind diese kleinen Schuhe schon fertig:
wie immer: Saartje Booties in der nahtlosen Version von Fleegle
Und mindestens ein Paar habe ich noch versprochen. Die ziehe ich jetzt vor. Da weiß ich auch, wie es geht.

Freitag, 5. Juli 2013

WIP: Lopi-Jacke. Schulterbeschwerden.

Die Lopi-Jacke ist noch immer - oder soll ich sagen: schon wieder? - eine Lopi-Weste.
Zwar hatte ich frohgemut angefangen, den ersten Ärmel einzustricken, rund um das Ärmelloch Maschen aufgenommen und munter eine Schulterkugel gestrickt. Aber je länger ich mir das betrachtet habe, desto weniger freute mich der Anblick. Und wenn man etwas erschafft, dann sollte man sehen, dass es gut ist, oder es wieder auftrennen.
Ich zeige Euch mal was ich meine. Der Meinige hat sich freundlicherweise als Schneiderpuppe zur Verfügung gestellt.
Seht Ihr schon? Gleich mehrere, also zwei verschiedene und voneinander unabhängige Häßlichkeiten springen mir ins Auge.Hier nochmal ein Detail:
Zum einen ist die Schulternaht nicht geraten. Ich habe einen 3-needle-bindoff gemacht, aber irgendwie sind da zuviele Rechtsreihen aufeinandergetroffen. So geht das eigentlich nicht.
Zum anderen ist das Einstricken der Ärmelmaschen nicht schön. Ich habe -wie bei Audrey- "pick up and knit" betrieben (von Seitennaht bis Schulternaht jeweils 66 Maschen, für die Schulterkugel ergo links und rechts der Schulternaht je 22 Maschen) aber die Maschen sind sehr locker geraten.
Hier sieht man es gut. So sieht es von außen aus, und so
von innen. Das kann man so keinesfalls lassen, und deshalb habe ich alles wieder aufgetrennt. Sehr weit war der Ärmel ja zum Glück noch nicht gediehen.Ich werde es jetzt mal mit Aufnehmen von links versuchen, sodass ich mit einer Linksreihe starte.Oder so.
Auf der anderen Seite war zwar die Schulternaht ordentlich,
wie man hier gut erkennen kann, aber dafür hat sich beim Neu-Ansetzen des Fadens zur Fertigstellung der rechten Schulter ein Fehler eingeschlichen: zwei Rechts-Reihen übereinander. Das muss auch nochmal neu gemacht werden. Immerhin zeigt sich hier, dass und wie man eine kraus-rechte Schulternaht gut verstecken kann. Dafür müssen Vorderteil und Rückenteil nämlich auf zwei unterschiedlichen Reihen enden, also z.B. Rückenteil mit einer Hinreihe, Vorderteil mit einer Rückreihe - oder umgekehrt. Nach dem Zusammenstricken hängen dann alle Restfäden, so wie hier, auf der gleichen Seite. Wenn das einmal -zufällig- funktioniert hat, dann wird es doch hoffentlich beim zweiten Versuch erneut gelingen?
Wommadommasehn.
Ich geh dann mal ribbeln.

Donnerstag, 20. Juni 2013

WIP: Lopi-Weste.

Die Operation ist gelungen. Der Patient lebt.
Das Kürzen der Schulterpartie inklusive der Ausschnitte um jeweils fünf Zentimeter vorne und hinten hat den Sitz der Lopi-Jacke wie geplant verbessert.
Die Taille sitzt wieder in der Taille.
Die weiteste Stelle sitzt wieder über der weitesten Stelle.
schließen kann man sie auch ohne großes Geziehe
Das Armloch ist nicht mehr ganz so absurd groß wie noch letzte Woche und das Material um das Armloch herum schlägt auch keine Wellen mehr.
Großzügige Armlöcher. Aber nicht auf Taillenhöhe.

So weit, so gut.
Die Prinzesskordeln auf der Rückseite sind allerdings immer noch -im Vergleich zum Vorderteil- nach außen verschoben. Ich finds nicht ideal, aber auch nicht schlimm genug um das Rückenteil komplett neu zu machen.

wird schon gehen.
Das lasse ich also einfach so wie es ist.
Ich finde, man bekommt schon einen ganz guten Eindruck vom angestrebten Ergebnis. Es fehlen - außer Ärmeln - "nur" noch ein hoher Stehkragen und die abschließende Einfassung mit I-Cord, die auch als Knopflochleiste dienen wird.
Ick freu mir schon!
Nächster Punkt: Ärmel.
Ich will sie direkt einstricken, mit einer Mischung aus der Technik von Audrey (verkürzte Reihen=Armkugel) und Tomten (kraus-rechts eingestrickte Ärmel). Die momentane Hitzewelle kann den Fortschritt allerdings noch etwas hinauszögern...

Montag, 10. Juni 2013

WIP: Lopi-Jacke. Ohne Fotos.

Es fällt mir schwer, Fotos von mir selbst zu machen, auf denen man sehen kann, wie schlecht die Jacke sitzt. Deshalb heute keine Fotos. Glaubt mir einfach.
Als ich am Sonntag abend (vor einer Woche) die Schulternähte fertig zusammengehäkelt hatte, habe ich fast geweint vor Enttäuschung. Da sitzt aber auch gar nichts, wie es soll. Zum Glück hat der Meinige mich getröstet. Der kennt mich schon, der weiß, ich will immer zu viel, zu schnell. Mein erster, komplett ganz eigener Entwurf - da muss es doch eine Lernkurve geben!
Jetzt, eine Woche später. Die Abende sind immer noch frisch, ich brauche immer noch eine Jacke. Ich habe das Lopi-Ding ein bisschen probegetragen, als Weste quasi, und versucht herauszufinden, was genau nicht passt, und ob man das ändern kann. Die zuletzt beklagten verschobenen Rückenkordeln stellen dabei übrigens kein großes Problem dar. Soweit ich das sehen kann. Was nicht ganz einfach ist wenn ich das Ding anhabe.
Jedenfalls habe ich folgende Punkte identifiziert:
1. Wahrscheinlich habe ich es mit den Taillenabnahmen übertrieben. In meinem Kopf habe ich immer noch eine Sanduhrfigur. Fakt ist, das stimmt zur Zeit nicht. ABER auch wenn er Sitz der Jacke nicht so wird, wie ich mir das wünsche (was weniger an der Jacke als an meinem Körper liegt) - so ist hier (noch) nichts verloren. Wolle dehnt sich. Blenden fehlen noch. Die Jacke wird sich definitiv schließen lassen.
2. Die Armlöcher sind riesig! Viel zu groß. Ich weiß, ich wollte deutlich größere Armlöcher, aber das - absurd. Meine Beine würden durch die Armlöcher passen. Argh. Sie sind sogar nochmal 5 cm größer als die sehr zu großen geplanten Armlöcher. Immerhin - meine Berechnungen stimmen. Ich nehme an, dass das Eigengewicht der Jacke hier einen Einfluss auf die Länge hat, etwas was durch Ärmel bspw. wieder mitbeeinflusst würde. hmm.
3. Der Rücken ist zu lang. Ich weiß nicht warum, aber der Rücken ist zu lang. Eigentlich ist er genauso lang - von der Reihenanzahl - wie das Vorderteil, aber der Rücken ist definitiv zu lang. Und zwar ziemlich genau um die 5 cm, die auch am Vorderteil zuviel sind.

Der Plan:
1. Schulternähte trennen.
2. Maschen sichern.
3. Rückenteil und Vorderteile um 5 cm kürzen.

Man könnte natürlich auch bis zum Armloch zurückgehen (bei allen drei Teilen) und es 5 cm höher ansetzen, aber eigentlich ist das schon richtig wie es ist, also im Verhältnis zu Taille und so. Ich muss also einfach nur die Halsausschnitte nach unten verschieben, damit die Schulterpartie früher aufhören kann.
Ergibt das Sinn? Drücke ich mich verständlich aus? (Dies ist ja eigentlich ein Selbstgespräch. Lies daher: Hast Du verstanden, Projektmanagerin, was du zu tun hast? Dann hör endlich auf zu Jammern und mach Dich an die Arbeit! Mir ist kalt!)

Samstag, 1. Juni 2013

WIP: Lopi-Jacke. Knoten im Hirn. Rücken verrückt.

Die gute Nachricht ist: das Rückenteil ist so gut wie fertig.
Seht ihr? Unten liegt das Rückenteil, und in Relation zum Vorderteil (oben) ist es nicht mehr weit bis zur Schulter.
Die schlechte Nachricht ist: das stimmt doch was nicht. Könnt ihr das auch sehen?
Finde den Fehler!
Hinweis:
Seht ihr das?

Wenn man die Teile Seitennaht auf Seitennaht aufeinander legt, dann ist die Prinzessnahtkordel beim Rückenteil um einige Maschen nach außen verschoben.
Hier sieht man das gut. Beim Vorderteil (links) ist der Abstand von Prinzessnaht zur Seitennaht (oben) 36 Maschen, beim Rückenteil (rechts) sind es zur Seitennaht (oben) nur 29 Maschen.
Das wiederum entspricht dem Abstand von der Prinesskordelnaht im Vorderteil (links) zur vorderen Mitte (unten).
Geplant war eigentlich, die Abstände identisch zum Vorderteil zu haben.
Und jetzt?
Tatsächlich bin ich gar nicht mal so sicher, ob das schlimm ist. Ich habe keine Ahnung von Schnittmusterlehre, aber irgendein Instinkt und mehrere strategisch aufgestellte Spiegel sagen mir, dass ich im Rücken anders gewölbt bin als an meiner Vorderseite. Tiefer, vor allem, also mit einer großen Ausbeulung in der Hüftgegend, während an der Vorderseite die Kurve eher etwas höher angelegt ist.
Also ist es möglicherweise sogar von Vorteil, wenn am Rückenteil die Prinzessnähte anders verlaufen als am Vorderteil - etwas weiter außen, und nicht ganz so hoch. Am Rückenteil enden sie im unteren Drittel des Armlochs statt auf der Hälfte wie am Vorderteil.

Bisher ist also das einzig wirklich Traurige, dass ich so einen doofen Denkfehler gemacht habe, beim Rückenteil den Seitennaht-Abstand zur Kordel mit dem Mitte-Abstand zur Kordel zu verwechseln. Und noch trauriger, dass mir das erst beim Abschluss der Kordel aufgefallen ist. Und am allertraurigsten, dass ich drei Tage gebraucht habe, um zu verstehen, was ich eigentlich falsch anders gemacht hatte als geplant.

Ich stricke das jetzt erstmal so fertig. Dann kann ich Schultern und Seitennähte (provisorisch) schließen und sehen, wie es sitzt.Vielleicht ist das ja alles gar nicht so schlimm.

Sonntag, 26. Mai 2013

WIP: Lopi-Jacke. Es geht voran.

Das Stricken von kraus-rechts in großen Flächen ist unterschiedlich beliebt. Während Frau Zimmermann ganze Bücher zu dem Thema geschrieben hätte (hier hat ihre Tochter eins zusammengestellt), langweilen sich manche Menschen schon beim bloßen Gedanken.
Nachdem ich nun inzwischen drei Vorderteile für meine geplante Jacke fertiggestellt und das Rückenteil - Champions League Finale sei Dank! - um eine erfreuliche Reihenzahl vorangetrieben habe, kann ich für mich sagen: Nö, doch. Kann man machen.
Immer schön stumpf hin und her, nicht groß nachdenken, und am Schluss ein Stück warmer Wirkware, dessen grobe Optik gut zur ebenso groben Haptik der Lopi-Wolle passt. Noch dazu geht es wirklich recht schnell voran.
Trotzdem bin ich echt froh, ab und zu mal aus dem Stumpfsinn gerissen zu werden, also immer dann, wenn es gilt, falsche Rückennaht und Prinzesskordelintarsien zu stricken. Sonst wäre ich sicher schon längst eingeschlafen.
So sieht das übrigens aus:
Lopi-Jacke Fortschrittsbeweisfoto.
Zwei Vorderteile, sogar ordentlich gespiegelt, also eins links, eins rechts.
CHECK.
Prinzessnaht in Kontrastfarbe.
CHECK.
Ziemlich ähnlich in Größe und Format. (ungeblockt)
CHECK.
leichte Taillierung erkennbar.
CHECK.
erstaunlich tiefe Armlöcher versprechen endlich mal einfache Passform
NA, das sehen wir dann ja noch...

Hach, ick freu mir schon!
Irgendetwas Positives muss der verfrühte Herbst da draußen ja haben...

Dienstag, 21. Mai 2013

Meilensteine.

Kurze Zwischenmeldung:
zwei (verschiedene!) Vorderteile fertiggestellt.
Rückenteil steht bei Reihe 44 - das heißt, Taillenabnahmen stehen kurz bevor.
Fotos folgen - am Ende der Arbeitswoche.

Donnerstag, 16. Mai 2013

WIP: Lopi-Jacke.

Worte! Worte! keine Taten!
Niemals Fleisch, geliebte Puppe,
Immer Geist und keinen Braten,
Keine Knödel in der Suppe!

So schrieb einst Heine, und so denkt auch Ihr.
Völlig zu recht übrigens, schließlich habt Ihr ausser ein paar Wollknäuelen und einem schlecht beleuchteten Musterlappen noch nichts von meiner neuen Jacke gesehen. Nicht einmal etwas ähnliches könnt Ihr anklicken, z. B. in einer Produktgalerie bei Ravelry, weil es das Muster ja gar nicht gibt, außerhalb meines Kopfes, und ich den Prototyp gerade erst erstelle!
Entschuldigt!
Diesen Prototyp stricke ich übrigens mal nicht an einem Stück, obwohl das sicherlich ginge.
Zum einen, weil ich die am Ende zu erwartenden 900g Wolle nicht zugleich auf meinen Nadeln haben möchte. Ich fand Audrey schon schwer genug, das ging ganz schön auf die Handgelenke.
Zum zweiten, weil mir das Argument "Nähte stärken die Struktur" ganz einleuchtet, und ich keinen leiernden Sack am Leibe tragen möchte, nur weil ich zu faul zum Nähen war.
Zum dritten, weil ich das Nähen auch gar nicht schlimm finde.
Und viertens, weil ich meinen Prototyp ja noch ausprobieren möchte, und wer weiß, ob alles so klappt wie gedacht. Wenn ich ribbeln muss, ribbele ich lieber erstmal nur ein Vorderteil, als gleich das ganze Stück.
So wie hier:
linkes Vorderteil, Version 1, von rechts

Das war das Vorderteil, erste Version. Die Prinzessnaht läuft von der Saumkante bis zum Armloch. Die Taillierung verläuft mit Ab- und Zunahmen beidseitig der Prinzessnaht, die zugleich mit einem Vier-Maschen-Zopf (links, zwei-Maschen-Kordel, links) betont wird. Trotz Musterswatch kam ich erst beim Stricken drauf, dass die Kordel besser wirkt, wenn man in den Rückreihen die Maschen abhebt,
linkes Vorderteil, Version 1, von links - der Zopf verschwindet

aber dass dies zugleich bedeutet, dass man durch das Abheben faktisch eine Art verdrehte I-Cord einfügt, denn von links verschwindet die Kordel fast völlig im Gestrick. Und wenn ich die Jacke ja ohnehin am Ende komplett mit der etwas dunkleren Wolle mit I-Cord fassen will, dann könnte ich doch auch schon die Prinzess-i-cord  farblich abheben?
linkes Vorderteil, Version 2, von links - I-Cord-Zopf in Kontrastfarbe

Ja. Gefällt mir sehr gut! Wollverbrauch für andersfarbige I-cord-Prinzessnaht in Intarsientechnik: 5g pro Naht. Der Effekt rechtfertigt  den Aufwand. Und die erste Version wird neu geribbelt und gestrickt. Es eilt ja nicht...

Montag, 13. Mai 2013

Lopi-Jacke. Was war denn nun der Plan?

Es gibt einen Plan für die Lopi-Wolle, und der Plan nimmt Gestalt an.
Dass er sich dabei immer mehr verändert hat, liegt offenbar in der Natur der Sache.
So ist das halt - spontane Mutation ist die Grundlage der Evolution.
Der ursprüngliche Plan war erst einmal nur eine Idee.
Oder noch ursprünglicher: ein Bedarf.
Ich brauche eine Jacke, denn ich friere leicht, die man abends im Garten/auf der Terrasse mal schnell überwerfen kann. Robust und alltagstauglich wie meine alte (inzwischen zu kleine) Vliesjacke, aber ein bisschen "angezogener" - nicht ganz so outdoormäßig.
Ich dachte an eine Kapuzenjacke mit Reißverschluss.
Dann dachte ich an meinen Schwager, der in letzter Zeit immer häufiger mit einem klassischen, kraus-rechts gestrickten Trachtenjanker (dunkelgrau mit grüner Kante) gesichtet wurde.

Abbildung ähnlich
Das kann man m.E. machen, wenn man a) einheimischer Süddeutscher/Österreicher ist oder b) als Hipster durch Berlin streift (dann gerne mit löchrigen Jeans). Mein Schwager würde sicherlich ungern als Hipster identifiziert werden, aber die zweite Kategorie trifft eher zu als die erste. Trotz dieser meiner Vorbehalte bezüglich der Einschränkungen beim modischen Decorum hatte ich schon immer eine Schwäche für unaufdringlich trachtiges - und man könnte ja einzelne Elemente übernehmen und mit den Anspielungen flirten, ohne gleich eine Trachtenjacke zu stricken.
Dachte ich so. Bestärkt von Elizabeth Zimmermann, die lange im Alpenraum gelebt und eine lebenslange Vorliebe für "garter stitch" von dort beibehalten hat, dachte ich an folgendes: andere Farben als grau/flaschengrün -- schön sind wir weg von Trachten und eher bei "modischer Landhausstil". Das klingt nicht unbedingt besser, sieht aber schon besser aus. Außerdem muss meine Jacke lang sein, und darf auch bei Bückarbeiten nicht Nieren oder gar Bauarbeiter-Dekolletée freilegen. Zugleich muss sie mit Taillierung gearbeitet sein, denn zwischen meinem Hüftumfang und meinem Brustumfang liegen 30 cm, und weder möchte ich ein A-förmiges Zelt in eher-nicht-so-weichfließender-Lopi-Wolle um mich herumstellen, noch in einem zu großen Kasten stehen. Prinzessnähte! Das streckt optisch, und man kann sie betonen, mit einem kleinen Zopf oder so. Als Maßgrundlage dient die ungeliebte (weil an der Brust viel zu weite) Kostümjacke aus der Maßkonfektion (die nur für kleine Größen gut arbeiten, und auch nur, wenn man im Business-Look herumlaufen möchte. Ich bestelle da so schnell nicht wieder. Aber um zu sehen, wo die Prinzessnaht sein müsste, reicht es alllemal.)
3. Reinzeichnung
Ungefähr so könnte das aussehen.
Und da ich diesmal nicht nur eine Maschenprobe gemacht, sondern diese sogar gewaschen habe, musste ich jetzt nur noch ein bisschen rechnen...(unten links im Bild)
Kann ja alles nicht so schwierig sein.

Freitag, 10. Mai 2013

Zeitverschiebung.

Ach, was war das schön!
Der Mai hat ja was herrliches - andauernd Feiertage mitten in der Woche. Es schreit geradezu nach Brückentagen und Kurzurlauben und spontanen Touren an irgendein Meer, um die Tage mit der Suche nach und dem Verzehr von Fischbrötchen zu verbringen.
Der Fressfeind
 Daher hier auch die unerwartet lange Funkstille.
Und daher wiederum die zeitversetzte Bloggerei.
Habe ich ursprünglich dieses Blog als eine Art gleichzeitiges "Lerntagebuch" begonnen, stelle ich gerade fest, dass inzwischen häufiger ein etwas zeitversetztes "Ergebnisprotokoll" abliefere. Ich werte das als Zeichen des Fortschritts, offenbar muss ich mich nicht mehr über jeden Schritt vergewissern, und/oder mir das zustimmend-wohlwollende Abnicken der Netzgemeinde holen. Prima!
Auch die strickende Kollegin hat das neulich bemerkt. Als sie mich mit meinen vierfarbig-zweihändigen Kniestrümpfen sah fragte sie leicht überrascht: "Hast du nicht gesagt, du seist Anfängerin?"
Selbsteinschätzung, Fremdwahrnehmung. Manchmal gehen sie weiter auseinander, als man so meint.
Sicherlich bin ich weit davon entfernt, eine Meisterin im Stricken zu sein, aber es gibt nicht (mehr) viel, vor dem ich mich fürchte - wobei "fürchten" ohnehin das falsche Wort ist.
Wenn ich mir ein Projekt vornehme, dass ich technisch noch nicht meistern kann, kann mir schließlich nichts passieren. Selbst wenn ich das Teil in die Ecke hauen würde -- nu mal ehrlich: es handelt sich um Wolle! Da geht nicht einmal etwas kaputt!
In diesem Sinne wird die neue Lopi-Jacke ein Gesellenstück.
Eigener Entwurf, komplett aus meinem Kopf heraus.
Eigene Berechnungen.
Eigene Umsetzung.
Eigene Markenzeichen (heißt: "unnötige" Komplikationen eingebaut...warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?)
Und es entwickelt sich prima!
Wenn ich nur endlich Zeit finden würde, ein paar ordentliche Bilder zu machen!

Samstag, 27. April 2013

Frühling lässt sein blaues Garn...

...aus dem Laden direkt in meinen Stash wandern.
Wirklich!
Ich konnte überhaupt nichts dafür - die Sonne schien, und ich hatte mich vor einigen Tagen mit einer Kollegin über die Verdienste isländischer Lopi-Wolle unterhalten. Selbige ist ja viel gerühmt und wird auch schon lange in den unterschiedlichen Blogs besungen (hier oder hier oder hier), sodass ich schon länger neugierig war.
Und dann schien die Sonne, und ich war in der Stadt, saß in einem Café und trank die dortige neueste "Kaffeespezialität" (Kondensmilch!!!, Espresso, Milchschaum) und gegenüber war ein Wollgeschäft.
Weil eine Wolke vorbeizog, der Kaffee ausgetrunken war und der Laden gerade für das Nachmittagsgeschäft öffnete, bin ich hinein.
Und trat kurz darauf mit 18 Knäueln (900g) Létt-Lopi wieder vor die Tür.
16xAqua
2xPetrol

Kurzum, es schien die Sonne.
Der Frühling liegt in der Luft - und mit ihm der Gedanke an blaue Bänder...
Und ich stricke offenbar eine sehr warme Jacke.
Es gibt einen Plan.
Es gibt sogar schon eine Maschenprobe.
Jetzt muss ich mich nur noch etwas zurückziehen, mit einem Bleistift, Block und eventuell Frau Zimmermann.
Das kann etwas dauern.