Posts mit dem Label knitting sheath werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label knitting sheath werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 8. Juni 2012

FO und Fazit: Ribbeck


Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland
 - wie wir alle wissen -
ein Birnbaum in seinem Garten stand
und kam die goldene Herbsteszeit
- also die Zeit ca 3 Monate nachdem ich dieses Projekt begonnen habe -
da leuchteten die Birnen weit und breit
- und ich habe tatsächlich einen Nachmittag in Ribbeck verbracht. Eigentlich wollte ich Kraniche gucken, hatte auch ein Fernglas dabei. Fand mich dann aber überraschenderweise in einem Kleinflugzeug bei meiner ersten offiziell bestätigten Flugstunde wieder. Niemand hat sich mehr gewundert als ich selbst. Eine Runde über Ribbeck gedreht, und dann den Fluglehrer wieder landen lassen -
Da stopfte wenns mittags vom Turme scholl
der von Ribbeck sich beide Taschen voll ...


Taschen hat mein schöner Pullunder ja nun keine. Ansonsten aber, muss ich wirklich sagen, bin ich sehr zufrieden mit meinem ersten eigenen Design ohne Anleitung und Hilfestellung.
Ok ok. Ich wäre sicher noch zufriedener, wenn das mit der passenden Größe auch nur annähernd hingehauen hätte - 6 Kleidergrößen abzuweichen lässt sich auch nicht mehr mit einer Matheschwäche erklären, da steckt schon ein größerer Denkfehler oder ein sehr sehr gestörtes Körpergefühl dahinter - aber ich finde, der Freundin steht der Pullunder ausgesprochen gut. 
Und gefreut hat sie sich auch. Sie hat ihn als Dauerleihgabe in Besitz genommen und versprochen, ihn gut zu pflegen und nicht im Schleudergang zu waschen. Was kann man sich mehr wünschen?
Das Trennen und Arm-und Halsausschnitt vergrößern und neue Blenden stricken hat sich jedenfalls gelohnt - so kann ich "Ribbeck" guten Gewissens aus dem Haus geben!

So spendet Segen noch immer die Hand
des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

Nur irgendwie doch schade, nach all der Arbeit, dass ich ihn nicht selber tragen kann...
Aber nochmal stricken - dazu habe ich keine Lust.
Und die hochtrabenden, geheim-unausgesprochenen Pläne eine Anleitung zu schreiben spare ich mir nun auch. Ja, wenn da draußen ein Tech-Editor wäre, der Lust hat meine (vorhandenen) Notizen und Charts in Form zu klopfen, und in verschieden Größen umzurechnen... aber ich bezweifle, dass irgendjemand sich die Arbeit machen will. (Weil, natürlich, zahlen könnte ich das nicht...) Falls doch: einfach Kommentar hinterlassen!

Ein Fazit muss nun aber doch sein:


Das Muster:
"Ribbeck" ist ein Pullunder, in der Runde von unten nach oben in mehreren Techniken mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad gestrickt. Der zweifarbige obere Teil ist ebenfalls in Runden gestrickt und dann "gesteekt" - also Armlöcher und Halsausschnitt mittels Nähmaschinennaht gesichtert und dann aufgeschnitten. Das Design habe ich komplett selbst entworfen, LeserInnen können den kompletten Designprozess hier im Blog nachlesen.

Technik:
In Runden stricken. Es beginnt mit ganz banalem rechts-links Rippen ("Baumstämme"), knapp über der Taille befindet sich ein Zopfmuster ("Geäst"), dann folgt ein zweifarbiges, stilisiertes Blattdesign. Für mehr Weite im Brustbereich habe ich mit verkürzten Reihen etwas mehr Platz geschaffen - hierzu habe ich gelernt, wie man von links nach rechts "rückwärts" strickt, damit ich weiterhin das Muster von der rechten Seite aus verfolgen konnte. Ist tatsächlich gar nicht so schwer wie man meinen könnte, und hat super geklappt! Arme und Halsausschnitt werden gesteekt, die schmalen Blenden sind glatt rechts und werden zum Versäubern der Steek-Kante nach innen umgenäht. Mit etwas Erfahrung ist das - vielleicht bis auf die Brust"abnäher" - alles kein Hexenwerk.
Das habe ich gelernt:  
Dass ich einen Pullunder entwerfen kann. Short-row bust-darts. "Rückwärts" stricken von links nach rechts. Arbeiten mit dem "Strickköcher"/knitting sheath, auch wenn das vielleicht unnötige Liebesmüh war. Dass ich nicht rechnen kann und/oder mich für kleiner halte als ich bin.
Die Wolle:
Der gesamte Pullunder ist aus Sockenwolle entstanden - die dunkelbraune Wolle ist Meilenweit Merino, die ist ok, besser als die von mir inzwischen verhasste R*gia, aber lange nicht so toll wie die wundervolle Zauberwolle in waldgrün-bunt, die ich fürs Blattwerk mitverstrickt habe... Hmmm. Der Kaschmiranteil macht's wohl. Bin gespannt, wie sich beide beim Waschen und Tragen verhalten.

Die harten Fakten:
angefangen: 1. August 2011
fertiggestellt: 28. Mai 2012
verbraucht:: hmm. ca.220g braun und ca. 50 g grün-bunt
Größe/Maße: hab nicht gemessen, ca. Größe 36
Nadeln: Rundstricknadeln Nr. 2,5 (KnitPicks, Holz - zerbrochen; dann Chiaogoo Red Lace - love!) für die braunen Rippen, dann 3er Nadelspiel in 40 cm Länge und ein knitting sheath aus Fimo...
weiteres Material: Stopfnadel/dicke Sticknadel zum Vernähen
Kosten: hmmm. ca 20 Euro Wollwert? Über Nadeln und Nerven möchte ich nicht nachdenken...

Und bei Ravelry.


Donnerstag, 19. April 2012

WIP Ribbeck: Schultern und Steeks

Manchmal geht ja dann alles sehr schnell.
Die Schultern habe ich nach Plan gestrickt, dabei die letzten Blattspitzen "auslaufen" lassen.
Dann habe ich -wie gewohnt mit der Nähmaschine- die Steeks vorbereitet
Beidseitig der zu schneidenden Stelle mit nicht zu großem Zickzackstich absteppen

ich orientiere mich an den Steekstreifen (braun, grün, braun, grün, braun, grün braun) Geschnitten wird mitten durch die mittlere grüne Masche, genäht über die angrenzenden braunen und grünen Streifen, bleibt eine braune Randmasche zum Aufnehmen neuer Maschen für die Blenden

und dann geschnitten.
Schnipp-schnapp! Geht inzwischen auch ohne Gin&Tonic... :-)

Jetzt sieht es schon viel mehr nach einem Kleidungsstück aus!
Und kann sich auch von links sehen lassen - die engen Farbabstände führen zu einem sehr gleichmäßigen, dichten Gestrick.

Und das sind die "Reste":

2 g braun (vom 2. 100g Knäuel)
und 54 g grün-bunt (das heißt, ich habe noch 150 g übrig... und ich hatte Angst, die Farbe reicht nicht!)
Dann also Endspurt: ich möchte nur ganz schmale, dunkelbraune Blenden - drei Reihen rechts, eine Wendereihe links, 3 Reihen plus Abkettreihe rechts zum Umnähen, damit die Steekschnitte versäubert werden. Könnte diese Woche also fertig werden...nach 9 Monaten. Aber solange braucht ein "Baby" ja angeblich...

Montag, 16. April 2012

Meilenstein! (WIP: Pullunderprojekt)

Liebes Internet,
wie geht es Dir? Mir geht es gut. Entschuldige, dass ich so lange nicht geschrieben habe.
Hier regnet es viel, und manchmal ist mir langweilig. Nicht, weil ich nichts zu tun hätte. Ich habe nur keine Lust, das zu tun, was ich tun soll. Du kennst das vielleicht auch.
Immerhin habe ich jetzt den Inhalt meiner Doktorarbeit fertig. Und ein Fazit. Und sogar eine Einleitung! Jetzt kommen eben nur noch die drögen Aufgaben: Verzeichnisse, Formatierungen, Korrekturen... Manchmal hätte ich gerne eine Hilfskraft. Aber: Ich sehe ein Licht am Ende des Tunnels, und es scheint kein entgegenkommender Zug zu sein. (Haha!)

Weil ich manchmal auch etwas handfestes arbeiten muss, bei dem man einen Fortschritt sieht, habe ich mich nach Feierabend mit Hochdruck dem Pullunder gewidmet.
Er gefällt mir immer noch gut - guck mal, er ist sogar fast fertig!
fast fertiger Pullunder
 Weil er mich so an Herbst erinnert, und wegen der vielen Rippen, habe ich ihn übrigens "Ribbeck" genannt. Du kennst doch das Gedicht? Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland... Ich habe sogar extra eine Birne in den Baum gehängt!
Albern? Nicht mehr als ein Reiterlein oder Krokodil. Hoffe ich...

Jetzt muss ich nur noch die Schultern stricken.
Pro Schulterpartie habe ich 30 Maschen ausgerechnet, für die Schulterschrägung möchte ich mit verkürzten Reihen 5x5 Maschen abstufen. Hoffentlich wird das nicht zu steil?
Hier sieht man gut den Extra-Platz für mehr Oberweite.

So. Für heute muss ich schon wieder Schluss machen. Der Schreibtisch ruft.
Bis bald!
Viele Grüße,
Deine Projektmanagerin

Sonntag, 4. März 2012

Projektrekapitulation und -fortschritt: Pullunder-Steeks

Die Socken machen mir zur Zeit keinen Spass.
Dafür habe ich mir den Pullunder endlich wieder einmal vorgenommen. Aus Euren Kommentaren schließe ich, dass Euch sein Fortschritt brennend interessiert. Weil es aber so lange her ist, starte ich mit der Zusammenfassung: was bisher geschah...

Ich hatte mit grüner Wolle auf einer 2,5mm Rundstricknadel 300 M angeschlagen
und dann in dunkelbraun 90 R 3r/3l Rippen gestrickt.
Der Pullunder soll sehr stramm sitzen, mit den Rippen als deutliches Muster - und zur Verbesserung der Passform

Dann über 15 R ein neckisches Zopf-Geäst eingefügt, wo später hoffentlich meine Taille betont werden kann
Blattkrone "wächst" aus "Geäst"

Dann, nach einigen Fehlstarts, für den Beginn des Fair-Isle-Blättermusters auf ein 40 cm langes Nadelspiel in Stärke 3 mm gewechselt und zugleich verteilt 28 M zugenommen = 328M Gesamtumfang.
Nun kam auch für das Muster in der rechten Hand die Kontrastfarbe in grünbunt dazu - die linke Hand hält weiterhin den braunen Faden.
Der Fair-Isle Teil wird ab hier auf dem Nadelspiel mit Hilfe eines aus Fimo gefertigten Strickköchers (knitting sheath) gestrickt - hatte ich Euch den eigentlich gezeigt? Hier ist er:
Strickköcher/knitting sheath aus Fimo, maßgefertigt für meine Nadeln
 Der Köcher wird über der rechten Hüfte in den Gürtel oder Hosenbund gesteckt und die fünfte Nadel darin verankert. Da ich die beidhändige Fair-Isle-Technik verwende, also mit der rechten Hand den Faden "werfe", kann ich die rechte Nadel nun einfach loslassen. Außerdem entsteht durch die Führung über den Körper eine leichte Spannung auf der Nadel, so dass sie fast von alleine aus der abzustrickenden Masche gleitet - die Handgelenke werden entlastet und es ist leichter, eine gleichmäßige Fadenspannung zu halten. Klingt kompliziert, ist es aber gar nicht. Tatsächlich gewöhnt man sich recht schnell daran. Wer mit einem Nadelspiel stricken kann, kann auch -und evtl. sogar besser- mit einem Köcher arbeiten.

Ab hier wird's neu:
Nach 4 vollständigen "Blättern" (=2,5 Mustersätze) = 30 Runden habe ich für eine hoffentlich bessere Passform short-row-bust-darts, also "Abnäher" mit verkürzten Reihen eingefügt. Dazu habe ich an der Vorderseite über 24 Reihen verkürzte Reihen eingefügt. Im Muster konnte ich bleiben , weil ich die Rückreihen von links nach rechts "zurückgestrickt" habe. (Die famose Elizzza hat die Technik mal für lochfreie Bumerangfersen erklärt.) Dann habe ich noch einmal 24 Runden "normal" weitergestrickt.

So weit war ich also bis November gekommen.
zusätzliche Maschen zur Bedeckung des Brustumfangs in der rechten Bildhälfte erkennbar
 An dieser Stelle sollten Armlöcher und V-Ausschnitt eingefügt werden und zwar mittels Steeks, die später aufgeschnitten werden, sodass ich weiterhin in Runden arbeiten kann.Und da hatte mich im November der Mut verlassen. Aber es hilft ja nichts: Ein Ende ist schließlich absehbar!
Also habe ich ein bisschen geknobelt und gerechnet. Der Vorteil ist ja, dass ich inzwischen eine verlässliche fair-isle Maschenprobe habe, und es gibt ja allerlei Muster im Netz, die einem Hinweise darauf geben, wieviele Zentimeter groß und tief so ein Ausschnitt denn günstigerweise sein soll.
Dann habe ich mutig, mutig an jeder der imaginären Seitennähte 28 M abgekettelt, und zugleich für den Halsausschnitt die zentralen 5 Maschen der Vorderseite. In der nächsten Runde habe ich für die Steeks jeweils 7 M neu angeschlagen. Dabei hat sich für mich das Muster b/g/b/g/b/g/b bewährt, die Streifen bieten später beim Schneiden Orientierung, zugleich werden die Maschen für die Kanten aus der jeweils äußersten Masche aufgenommen, also aus der (braunen) Hauptfarbe.
Strickte man in Reihen, würde man an diesen Kanten weitere Maschen abketteln oder - noch wahrscheinlicher - 2 Maschen vom Rand entfernt abnehmen. Hier in Runden möchte ich, dass die Abnahmen von den Steekmaschen "geschluckt" werden, sodass das Muster möglichst nicht beeinträchtigt wird. Also muss jeweils die letzte Mustermasche mit der ersten Steekmasche, bzw die letze Steekmasche mit der ersten Mustermasche zusammengestrickt werden. Nach einigen Runden habe ich dann auch kapiert, wie man das am hübschesten macht:

Lernkurve: Abnahmen am Steek
Leuchtet ein, oder?
VOR dem Steek: k2tog, NACH dem Steek: ssk = Steekmaschen schlucken Abnahmen.
Leider muss ich immer erst mal ein paar Runden stricken, bis ich es kapiere - mir fehlen noch immer die Erfahrungswerte, um mir die Effekte vorher im Kopfe vorzustellen. Trotzdem ist es als Fehler meiner Meinung nicht wichtig genug um ein Ribbeln zu rechtfertigen.
Nun geht es lustig in Runden weiter. Meine Hoffnung ist, dass ich in Runde 55 genug Höhe gewonnen habe, um die Schulterschrägungen zu beginnen... Bei meiner Rechenschwäche besteht ein gewisses Risiko, und Anprobieren ist mit Steeks natürlich nicht... Also haltet mir die Daumen!



Mittwoch, 29. Februar 2012

Jaja. Manchmal stricke ich auch.

(Vorgefertigter Post)
Zwar verbringe ich momentan den größten Teil meines zur Zeit nicht so aufregenden Lebens am Computer, aber eben nicht zum Bloggen. Genau genommen habe ich mir sogar einige Internet-Sperren auferlegt. In zwei Monaten muss die Doktorarbeit fertig sein - das wäre alles nicht so schlimm, wenn ich nicht IMMER NOCH an tatsächlichen Inhalten arbeiten würde... seufz. Die gute Nachricht ist: Alles, was ich habe, gefällt mir gut. Leider habe ich eben noch nicht alles.

Genug gejammert.
Manchmal finde ich dann doch auch noch etwas Zeit zum Stricken.
Zum Beispiel habe ich  meiner großfüßigen Nichte ja neue warme Füße versprochen... schon an Weihnachten! Wenn man bedenkt, wie schnell die Saartje-Booties gestrickt sind, hat das doch erstaunlich lange gedauert, aber voilà:
passend zum restlichen Outfit

Zum Vergleich: der ganz grüne Schuh ist die "normale" Größe, der grün-weiße die XL-Version.
Morgen gehen die Schuhe in die Post. Hoffentlich passen sie diesmal... :-)
ziemlich große Füße

Die Smaragdpantoffeln musste ich ja schon mehrfach ribbeln und reparieren - zuletzt war ein Fehler im Flechtmuster zu beseitigen, der mich viel Nerven und Mühe gekostet hat.
rechts sieht man noch die Reparaturmarken

Unten rechts kann man es noch sehen - hoffentlich geht das beim blocken und spannen weg!
Das Muster erfordert viel Konzentration, ich habe daher in letzter Zeit wenig Fortschritte gemacht, aber die Hälfte vom Bein habe ich ja schon. Die Farbe ist toll, die Wolle ist ein gutes Match fürs Muster. Sollten die Socken je fertig werden, werden es sicher Lieblingssocken...

Und dann habe ich auch den namenlosen Pullunder wieder hervorgeholt. Zuletzt gesehen habt Ihr ihn hier. Ich hatte an dem Punkt aufgehört, an dem die short-row-bust-darts beendet waren, und zögerte lange, die Ärmellöcher und den V-Ausschnitt anzufangen. Ich will ja mit Steeks arbeiten, und wenn da nicht alles stimmt, ist ja schnell alles zu spät. Also wenn man erstmal geschnitten hat...
weiter geht's...
 Jedenfalls habe ich mich neulich endlich aufgerafft, auszurechnen, wie viele Abnahmen an den Ärmellöchern und für den Ausschnitt über welche Höhe notwendig sind. Ich habe, wie ich finde völlig berechtigt, so gut wie kein Vertrauen in irgendeine meiner Berechnungen, aber hey - es muss ja weiter gehen. Haltet mir einfach die Daumen... Ich bin jetzt über die Steekmaschen drüber und mache die Abnahmen in die jeweils erste bzw. letzte Steekmasche, sodass sie hoffentlich ziemlich verschwinden und das Muster nicht stören.
Detail vom Blattwerk/Maschenbild
 Das einzige, was mich momentan etwas nervt, ist die etwas aufwendige Strickerei mit dem Nadelspiel und dem Köcher. Das lässt sich nämlich besser vom unbequemen Stuhl aus handhaben, als vom bequemen Sofaplatz... grins. Und ich muss mich wieder an die vielen Nadeln gewöhnen, aber das wird schon. Immerhin ist das Maschenwerk sehr schön gleichmäßig...Also, auch hier: Endspurt!

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Knitting sheath - zur Ansicht.

Wenn ich solche Fotos sehe
http://www.amazon.de/gp/product/images/1579902537/ref=dp_image_0?ie=UTF8&n=52044011&s=books-intl-de
(Buch ist leider vergriffen) fange ich sofort an, im Kopf die Maschen zu zählen - so klein - so viele - so detaillierte Muster möglich!
Und dann frage ich mich - wie haben die das gemacht/machen die das?
Klar: dünnere Wolle und dünnere Nadeln... aber auch dieses Buch weist wieder auf knitting sheaths bzw. knitting belts hin...

Aaron hat auf seinem Blog zwei Videos (ok. vier Videos) eingestellt, auf denen er das Stricken mit seinen sheaths demonstriert. Einmal mit kurzen "normalen" Stahlnadeln, einmal mit sehr langen, sehr flexiblen Gansey-Nadeln. Die Technik ist jedesmal ähnlich, aber dann doch unterschiedlich, denn bei den langen Ganseynadeln
a) ist der Köcher viel weiter hinten angebracht - mehr über der Pobacke als über der Hüfte
b) wird die Nadel deutlich nach vorne gebogen
c) liegt der rechte Arm auf der Nadel auf und wird von ihr gestützt

Gemeinsam ist den Techniken
a) dass die Nadel, weil flexibel, selbst einen Teil der Bewegung ausführt - wenn man den Faden um die Spitze gewickelt hat, biegt sie sich zurück, aus der Masche heraus
b) ein sehr gleichmäßiges und gleichmäßig festes Maschenbild leichter herzustellen ist
c) die Technik aber offenbar nur mit "throwing" richtig gut zu funktionieren scheint - hier entlastet die fixierte rechte Nadel die rechte Hand, die ja mit Faden"werfen" beschäftigt ist. Beim Kontinentalen Stricken (mit Faden links) bringt das Fixieren weniger, denn die Nadel soll sich ja eigentlich bewegen können. Vielleicht müsste man dafür die linke Nadel fixieren?

Hier sind die Videos.

http://gansey.blogspot.com/2008/03/video-clip-of-better-way-to-knit.html

http://gansey.blogspot.com/2008/03/video-of-gansey-needles-with-knitting.html

Und die Handschuhe aus dem Buch sind sicher mollig warm...

Dienstag, 4. Oktober 2011

Nadelspielerei? Vom Sinn und Nutzen der Knitting Sheaths

Habt Ihr schon einmal von einem "knitting sheath" gehört?
Ich bin seit letztem Jahr immer wieder darauf gestoßen.
http://www.pinnantiques.com/USERIMAGES/knit1%281%29.JPG

Bei diesen "Nadelköchern" handelt es sich - wenn ich das richtig verstanden habe - um ein Werkzeug, mit dem die professionellen Strickerinnen des 18. und 19. Jahrhunderts
  • gleichmäßig und schnell stricken
  • ihre Handgelenke entlasten
  • im Laufen stricken
  • einhändig stricken
konnten.
In Großbritannien sind die Museen offenbar voll mit "knitting sticks" (es gibt auch "knitting belts", die Konstruktion ist etwas anders, aber das Prinzip ist ähnlich), hier in Deutschland habe ich davon allerdings noch nie gehört - nicht, dass das was heißt. Ich habe auch nicht gesucht. Aber auch das deutschsprachige Internet schweigt.
Es sieht so aus, als würden nur noch wenige Stricker_innen diese Technik nutzen - auf den Orkneys, in Großbritannien, und ein einsamer Stricker in Kalifornien.(http://gansey.blogspot.com)

Aaron wollte wissen, wie sich die englische Fischerei und Seefahrt entwickeln konnte, mit wochenlangen Aufenthalten auf See, zu einer Zeit, als "Funktionskleidung" mit der handgesponnenen Schurwolle und einem Satz Stricknadeln gefertigt wurde... Moderne "Fischerpullover" halten jedenfalls weder Wasser ab noch wärmen sie genug, um als alleiniger Schutz einen Mann auf See am Leben zu halten. Daraus schloß er, dass erstens die Wolle für die damaligen Fischerpullover (er meint Ganseys) damals anders, womöglich fester versponnen wurde und aus mehr, aber dafür dünneren Fäden  zusammengesetzt war, und zweitens, dass die Nadeln dünner und die Maschen kleiner und fester waren - etwas was nur mit knitting sheaths zu bewerkstelligen war.
Also fing Aaron an, solche Köcher  herzustellen. Und die Nadeln auch. Inzwischen spinnt er auch die Wolle, die er braucht. Und er versucht, (wissenschaftlich) zu erklären, wie diese alte Technik funktioniert. Ich bin nicht sicher, ob ich das richtig verstanden haben, aber ich glaube, es ist ungefähr so:

Man strickt mit einem Nadelspiel - für Pullover mit ziemlich langen Nadeln, Socken und Handschuhe "normal" kurz. Aaron schwört auf Metallnadeln (Stahl bzw. Klavierdraht), da sie etwas elastisch sein müssen ohne gleich zu brechen (wie Holznadeln).
Die Nadel, mit der die Maschen abgestrickt werden (rechts) wird im Köcher verankert. Der Köcher ist fest am Gürtel/Schürzenband/Hosenbund verankert, je nach Nadellänge über der rechten Hüfte oder sogar noch weiter hinten.
Die Nadel gewinnt durch die Verankerung und die Führung um den Körper herum eine gewisse Spannung, die man sich nun zunutze machen kann. Man drückt die Nadel in die abzustrickende Masche der linken Nadel, und die Köchernadel federt wieder heraus. Der Köcher nimmt auch das Gewicht des Strickstücks auf. Insgesamt kommt die Bewegung weniger aus dem Handgelenk und mehr aus dem Oberarm-Muskel - der Finger kann sich auf eine feste Fadenspannung konzentrieren, weil er nicht mehr das gesamte Gewicht halten, Nadeln bewegen und Spannung erzeugen muss, und so werden auch die Handgelenke entlastet.
Hier hat Aaron einige Videos eingestellt, in denen er versucht, das Prinzip zu erklären:
http://gansey.blogspot.com/2008/03/video-of-gansey-needles-with-knitting.html


So weit leuchtet mir die Theorie ein. 
Das einhändige-Stricken und das im-Laufen-Stricken habe ich allerdings noch nicht ganz verstanden - vielleicht funktioniert das nur, wenn man den Faden in der rechten Hand hält (english style, throwing the yarn).
Ich würde das wahnsinnig gerne mal probieren, allerdings fehlt mir der Köcher. Auch wenn Aaron meint, man könne die wahnsinnig schnell selbst schnitzen, ein passendes Loch in einem Kochlöffelstiel würde reichen, so fehlt mir Holz und Werkzeug dafür. Bin halt ein Stadtmädchen...