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Freitag, 15. Dezember 2017

FO: Copycat

Einer meiner besten Freunde hat einen Lieblingspullover.
Ein Pullover, den er wahrscheinlich besitzt, seitdem ich ihn kenne - zumindest fühlt es sich so an.
Ein grob gestricktes, inzwischen recht ausgeleiertes Lieblingsteil mit Kuschelkragen und in einer nichtssagenden, schlammgrauen Farbe, die zu allem passt.
Und so langsam fällt er auseinander.
Und ja, natürlich kann man den nochmal nachstricken.
Vor allem, wenn man dem wirklich sehr guten Freund damit eine Freude machen kann, denn das kann er - wie jeder von uns - brauchen.
Hier ist das gute Stück.
Merkmale:
Auffälliger wandernder Zopf auf kraus-linkem Hintergrund über echt sehr viele sehr dicke Maschen.
Keine Bündchen.
Relativ kastig geschnitten.
Hoher, vorne offener, geknöpfter Kragen.
30%Wolle, 70% Acryl.
Ich nehme den Pullover mit ins Garn-Geschäft. Ein hoher Acrylanteil ist in mehrfacher Hinsicht sinnvoll: einerseits würde der Pullover aus reiner Wolle (in superbulky) nicht nur wahnsinnig schwer, sondern auch unglaublich warm. Andererseits verträgt der Freund keine reine Wolle.
Ich kaufe 16 Knäuel Lana Grossa Mille II in (gewünschtem) dunkelblau - genau das gleiche Garn in derselben Farbe habe ich für "Borowski" verwendet. (Schade, es gab auch ein wunderbares weinrot ...) Das waren, wie ich jetzt weiß, natürlich 2 Knäuel zu wenig, aber das ist ja immer so.

Der Rest ist im Endeffekt reine Abzählerei - wieviele Maschen pro Reihe, wieviele Reihen, wer zopft sich wann nach wo? Die Zöpfe müssen aufgrund der Dicke auch mit gerichteten Zu-und Abnahmen bewegt werden, einige Male ist mir dabei eine Masche verloren gegangen, aber ich hoffe, das fällt nicht auf.
Das Rückenteil ging schnell. Das Vorderteil zog sich unendlich lange hin. Die dicken Nadeln! So unförmig, so belastend für die Handgelenke! Dieser ent.setz.lich.e Zopf! 8 über 8 in superbulky!
Die Schultern habe ich zusammengehäkelt. Der Kragen war einfach. Die Ärmel habe ich von oben eingestrickt, wenn auch mit sehr flacher Armkugel, weil ich nicht so dicke Nähte wollte. Daher habe ich die Nähte nach dem Waschen und Blocken auch einfach -wie im Original- mit der Nähmaschine genäht. Und dann flach gedämpft.
Er ist mit Absicht etwa 10 Reihen länger als das Original, wirkt aber etwas schmaler - wohl weil er noch nicht getragen und geleiert wurde - und ist deutlich schwerer - die Mille II hat eben einen Wollanteil von 50% statt nur 30%.

Ansonsten bin ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Die Knöpfe für den Kragen muss der Freund selber aussuchen, aber das schafft er. Hoffentlich passt alles. Hoffentlich verträgt er das Garn. Hoffentlich fragt er mich nie wieder nach so etwas.
Frohe Weihnachten!

Die harten Fakten:
Copycat kopiert den vorliegenden Pullover
angefangen:  17. November 2017
fertiggestellt:  03. Dezember 2017
Garn: Lana Grossa Mille II (nachtblau 012)
verbraucht: fast 18 Knäuel
Größe/Maße: wie Vorlage (XL)

Montag, 27. November 2017

Kopieren geht über Studieren. FO: Master Charles für Junior

Früher(TM) habe ich sehr eng an Anleitungen gehangen. Grenzenlos die Bewunderung für Menschen, die eigene Pullover entwerfen konnten! Das  muss doch wahnsinnig schwierig sein! Und wenn man schon nicht selber eine so grundlegende Vorstellung von davon hat, was man produzieren möchte, dass man es aus dem Nichts und etwas Wolle entwerfen könnte - dann wenigstens etwas sehen, was einem gefällt, und das einfach nachstricken können... Traumhaft!
Stellt sich raus, nach nur wenigen Jahren - in meinem Fall etwa 10 - regelmäßigen Strickens ist das gar nicht mehr soo schwierig. Zumindest ist es kein Hexenwerk. Ein aktuelles Beispiel ist Juniors neuester Pullover, den er zu seiner grenzenlosen Freude Gleichgültigkeit zu Weihnachten bekommen wird. (Das Kind ist anderthalb. Papier und Schleife werden in deutlich mehr interessieren.)

Jedenfalls hatte ich schon seit Urzeiten (etwa Juli 2011!) den "Master Charles Sweater" in meiner Zu-Stricken-Liste bei Ravelry. So ein hübscher, klassischer Zopfpullover! Mit Lederflicken! Und dieses Grün! Und zufällig hatte ich von dem grün-braunen Laurits noch 4,5 Knäuel grüne Wolle übrig. Sollte das reichen?
Ich hab's einfach mal ausprobiert.
Allerdings hatte ich keine Lust, die Anleitung zu kaufen - die Zöpfe waren so kompliziert nicht, und für mein dünneres Garn hätte ich ohnehin alles umrechnen müssen. Mit den Erfahrungen von Lavandin - es zahlt sich aus, immer dasselbe Garn zu verstricken -  frisch im Kopf machte ich mich ans Werk. Erstmal studierte ich die Notizen bei Ravelry, wo ich lernte, dass die Passform der Anleitung wohl ohnehin nicht so fantastisch sei - zu kurz, und die Ärmel zu eng.
Ich beschloss, mich einfach an die bei Lavandin verwendeten Zahlen zu halten, um einen diese Saison passenden Pullover zu erhalten. Dann, beginnend mit dem Rückenteil, zählte ich mehr oder weniger ab, wo die Zöpfe anzusiedeln wären, damit sie auf der Schulter enden, und strickte fröhlich darauf los.
glatt links ist auch nicht langweiliger als glatt rechts... mal was anderes.
Unterwegs kam mir die Idee, einmal einen neue Lösung für den dicken Babykopf zu finden - Knöpfe auf der Schulter sind umständlich zu öffnen und zu schließen und auch nicht immer schön. Ich beschloss, den von Baby-Bodies bekannten "amerikanischen" Ausschnitt für die Pulloverstrickerei zu adaptieren.

Dafür druckte ich das entsprechende Musterteil von Schnabelinas Regenbodenbody aus und verwendete das als Vorlage.
Auflegen und vergleichen. 
Wie genau steht in meinen Ravelry-Notizen, aber im Endeffekt liegt das Geheimnis in einer Kombination aus verkürzten Reihen und sehr sorgfältigem Abketten.
Das hat gut funktioniert. Für das Vorderteil musste ich eine kleine Maschenprobe machen um herauszufinden, wieviele Zusatzmaschen ich brauchen würde - das Zopfpaneel würde das Pulloverteil sonst viel zu schmal machen (plus 12 Maschen). Dann einfach Zöpfe über drei Maschen und 8 Reihen stricken, das ging sich wunderbar aus mit den kleineren flankierenden Seilzöpfen (über 2 Maschen und 4 Reihen).
Vorder- und Rückenteil mussten dann gemäß der Markierungen auf dem Schnittmuster so aneinandergenäht werden, dass das Rückenteil die vordere Schulter überlappt, und dann konnte ich die Armkugeln von oben einstricken - 64 Maschen - und ab Achsel alle 8 Reihen 2 abnehmen, 80 Reihen, 44 Maschen.
10 Reihen Bündchen und Seitennähte schließen - Maschenstich für linke Maschen dauert ewig - und dann: fertig! (Ironischerweise ist dieser Pullover, basierend auf den Erfahrungen des Vorgängermodells, sowohl etwas schmaler - wohl durch die Zöpfe - als auch kürzer. Dafür hat er längere Ärmel. Aber das passt ganz gut so.)

Naja, noch nicht ganz fertig, denn es fehlte noch das Tüpfelchen auf dem "I" - Lederflicken! Allerdings hat mich eine dieser hier erwähnten Hosen gelehrt, dass echtes Leder bei häufig gewaschener Kinderkleidung keine gute Idee ist. Im Falle der Hose war es brüchig geworden und hing in Fetzen. Ich entschied mich dafür für synthetische, maschinenwaschbare Bügelflicken aus Velours, die ich etwa hälftig teilte und auf ein Oval mit ca. 8x6cm Größe zurechtschnitt - perfekt! (und einer übrig für ein zweites, ähnliches Projekt!)
Eine kurze Internetrecherche ergab Hinweise zur perfekten Platzierung, nämlich (in diesem Fall) etwa 8 cm vom Ärmelsaum und um 2/3 von der Mitte nach hinten (also Ärmelrückseite) versetzt. Der Flicken soll ja schließlich am Ellbogen sein, und der winkelt sich nach hinten ab. Unter einem Tuch liegend aufgebügelt und anschließend mit der Maschine festgesteppt sollte das eigentlich halten. Jetzt Ärmelnähte schließen und fertig!
Ich bin sehr zufrieden.Tragebilder gibt es dann nach Weihnachten.

Die harten Fakten:
Inspiriert von
Master Charles Sweater by Kate Oates
und meinem Vorgängermodell "Lavandin".
angefangen:  20. September 2017
fertiggestellt:  14. November 2017
Garn:  fairAlpaka Baby Merino 120 Superwash  (grün heather)
verbraucht: 225 g
Größe/Maße:
Brustweite:  28 cm
Saum bis Achsel:  23 cm
Saum bis Schulter: 36 cm
Halsweite:  13-15 cm
Ärmel bis Achsel: 25 cm

Eine erste Anprobe zeigt - das sitzt gut, Ärmel noch etwas lang. Wahrscheinlich eine 92, vielleicht sogar 98.

Donnerstag, 5. Oktober 2017

FO und Fazit: Lavandin Pullover in petrol.

Ein Pullover ist fertig geworden, ganz neu und frisch von den Nadeln...
Mit Einbruch des Herbstes, also irgendwann Anfang August, fiel mir wieder einmal auf, dass Junior wächst wie Unkraut, der Sommer wohl dieses Jahr nicht mehr kommen würde, und das arme Kind nur einen einzigen warmen Wollpullover im Schrank hat. Skandal!
Gut, da sind noch einige Pullunder, und Genscher passt auch noch sehr gut, aber der warme Winterpullunder wird eindeutig zu kurz, und man braucht ja auch was mit Ärmeln.
selbst wenn das Bündchen nicht hochklappen würde (grrr), wäre das zu kurz
Der rote Laurits war zu diesem Zeitpunkt der einzige Wollpullover. Inzwischen ist ja auch der grüne Laurits hier wieder angekommen, und wird fleißig getragen. Aber das wusste ich Anfang August noch nicht, und so entschloss ich mich zur Adaption eines hübschen, klassischen Pullovers aus meiner geschätzten Bouton d'Or No 14. Auch wenn diese Zeitschrift inzwischen gute 10-12 Jahre alt ist, sind die meisten Modelle so klassisch, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes zeitlos sind.
Hier jedenfalls wollte ich mich an einem einfachen Zopfpullover des Themas "Lavandin" versuchen.
Und natürlich alles Klimbim weglassen - was soll das mit den drei Farben? Kann man machen, wenn einem das Garn ausgeht, sieht dann aber nicht besser aus.
Als Garn wollte ich wieder die Merinowolle von Fairalpaka verwenden, ein wirklich schönes Garn, weich und günstig. Zufällig *hust* hatte ich 300g in "Deep Ocean" - einem dunklen, leuchtenden Petrol - im Stash.
Da dieses Garn etwas dünner ist als das Original, musste ich umrechnen, aber glücklicherweise lagen ja dank der Lauritse genügend aussagekräftige Maschenproben vor. Und auch für die anderen geplanten Änderungen fühlte ich mich inzwischen erfahren genug. Es konnte also losgehen.
Das Muster:
Der Pullover "Lavandin" ist ein klassischer Aran-Pullover - Rundhals, mit einem schönen, keltischem Zopf auf der Brust und eingesetzten Ärmeln.
Wenn das Muster einmal richtig aufgesetzt ist, ist das nicht schwer, ein:e Anfänger:in kann das als erstes Zopfprojekt gut nehmen. Der Pullover wird flach in Teilen gestrickt und am Schluss zusammengenäht, was ich nicht schlimm finde (es gibt ja Menschen, die das hassen). Mich stören die Nähte nicht, und bei Zöpfen mag ich es, dass die Rückreihen in der Regel dumpfes Strick-was-kommt Reihen sind.
Technik:
Der Großteil des Pullovers ist glatt rechts, aber natürlich gibt es gerichtete Abnahmen und einfache Zöpfe. Es hilft, wenn man ohne Zopfnadel zopfen kann, das ist nicht schwer und wird in zahlreichen Videotutorials erklärt.
Die Wolle:
Das fairalpaka Merino-Garn gibt es bisher nur in der Stärke DK, also etwa 120m/50g. Die Farben sind alle babysicher mit ÖkoTex 100 zertifiziert und garantiert mulesing-free (also ohne Tierquälerei). Es wird nur online im 300g Gebinde verkauft, aber das passt für einen Kinderpullover ja ganz gut, und die Reste kann man bei Ravelry oder Facebook tauschen. Dafür ist der Preis unglaublich günstig. Die Farbe kommt übrigens auf keinem der Fotos auch nur annähernd rüber. Sorry. Glaubt mir, dass sie wunderbar leuchtet.
Änderungen:
Da mein Garn aber dünner war als vorgesehen, musste ich mehr Maschen aufnehmen und brauchte etwas, um den Zopf schön zu zentrieren. Im Nachhinein hätte ich die zu verzopfenden Rippen wahrscheinlich auch 3M breit machen sollen, damit das Muster weiterhin etwa ein Drittel der Fläche einnimmt - bei mir sind es höchstens 25% - aber hey - irgendwas ist ja immer.
Ich habe die linke Schulternaht offen gelassen, falls der Kinderkopf zu dick ist, und mit einem einfachen Jersey-Druckknopf verschlossen.
Die Ärmel sind von oben eingestrickt, weil ich mir die Umrechnerei mit der Armkugel nicht antun wollte, und weil es immer besser ist, wenn man (wie auch hier geschehen) doch noch ein paar Zentimeter Ärmellänge anstricken will.
Dazu merken: rund um das Armloch nur jede zweite Masche aufnehmen, und dann mit short rows bis zur Achsel die Armkugel einstricken. Dann entweder in Runden, oder wie ich in Reihen fertig stricken (Nahtmaschen nicht vergessen). 
Mit der nachträglichen Verlängerung der Ärmel bin ich richtig unzufrieden, und vielleicht ändere ich das auch noch einmal. Tatsächlich habe ich meinen eigenen Berechnungen nicht geglaubt, sonst hätte ich von vorneherein 10 Bündchenreihen mehr gestrickt. Grmpf. Wenn man keine Lust hat, die Abkettkante wieder ordentlich aufzudröseln, dann sieht das halt sch...lecht aus.
Naja. Umgeklappt geht's halbwegs, und am Kind sieht es ohnehin keiner. Dazu müsste er ja stillsitzen. Merkste selbst.
Schön finde ich, wie das Muster aus den Rippen wächst, auch wenn das heißt, dass man schon beim Aufsetzen des Rippenmusters höllisch aufpassen muss. Leider habe ich beim ersten Mustersatz die Strickschrift falsch gelesen, und zwei Reihen zu spät verzopft, aber das habe ich jetzt als Designelement akzeptiert.

Was mir bei der Anleitung nicht so gut gefallen hat, waren die Abnahmen an den Armlöchern. Drei Maschen vom Rand entfernt ist vielleicht doch etwas übertrieben, das würde ich nicht wieder machen. Und vielleicht liegt es an meiner Umrechnerei, aber nächstes Mal würde ich die Abnahmen über mehr Reihen strecken, statt 3 zusammenzustricken. Das sieht knubbelig aus.
Und mein Halsauschnitt ist zu weit abgekettet und sieht ausgeleiert aus. Aber von diesen Kleinigkeiten mal abgesehen - ein sehr schöner Pullover, der hoffentlich zwei Winter (und den Sommer dazwischen, wenn das so bleibt) gute Dienste leisten wird. 
Junior kann sehr wohl stillsitzen. Dann werden bloß die Fotos nicht schön..

Die harten Fakten:
"Pullover Lavandin" aus der Bouton d'Or No14 (vergriffen)
angefangen:  11. August 2017
fertiggestellt:  19. September 2017
Garn:  fairAlpaka Baby Merino 120 Superwash  (deep ocean heather)
verbraucht: 247 g
Größe/Maße:
Brustweite:  34 cm
Saum bis Achsel:  24 cm
Saum bis Schulter: 39 cm
Halsweite:  13 cm
Ärmel bis Achsel: 22 cm
 Laut Anleitung soll das einem vierjährigen Kind passen. Meinem anderthalbjährigen ist es zwar noch etwas zu groß, aber nun ja. Ich schätze das Ergebnis auf eine bequem-weite 98.
Passt schon, und hoffentlich noch länger
Nadeln: fest gestrickt mit 3mm Chiaogoo Lace Nadeln. 
Maschenprobe:
etwa 27 M auf 40 R = 10x10 cm
weiteres Material: Stopfnadel/dicke Sticknadel zum Vernähen, ein Jerseydruckknopf
Kosten: etwa 3,60 Euro pro Knäuel Wolle - ca. 18 Euro







Sonntag, 6. August 2017

FO und Fazit: Drei kleine Bären von Little Cotton Rabbit.

Julie Williams hat Bären herausgebracht!
Okay, wer ihrem Blog folgt oder sich in der "Little Cotton Rabbit" Gruppe bei Ravelry herumtreibt, wusste das schon länger. Ich auch. Aber man kommt ja bekanntlich zu nix, und so hänge ich, was das Stricken anderer, nicht-hasiger Tiere angeht, noch um einige Spezies hinterher.
Hasen, ja, Hasen! Auch Elephanten - alles schon gemacht, und das mit großer Freude. Tatsächlich nimmt der Spaß mit jedem weiteren Tier zu, denn auch hier macht Übung den Meister, alles geht beim wiederholten Stricken schneller von der Hand und dabei wird es - das ist das Wundersame - überhaupt nicht langweilig. Im Gegenteil!
Suchtgefahr!
Nun also Bären.
Einen Panda und einen Braunbären habe ich Euch ja schon vorgestellt. Sie sind sofort nach Süddeutschland gezogen, wo sie hoffentlich den Kindern eines sehr alten langjährigen Freundes Freude bereiten. Ich habe noch nichts gehört, aber ich hoffe, das Päckchen kam gut an.
Dann fiel mir auf, dass der arme Junior selber noch kein einziges LCR-Tier hat. Sein Vetter hatte einen Elefanten bekommen,
Bildunterschrift hinzufügen

und seine Cousine einen Hasen

- beide fahren die Ballonlampen im jeweiligen Kinderzimmer (hat meine Schwägerin gleich bei uns kopiert :-D) - und irgendwie sind alle fertigen Tiere immer sofort ausgezogen. Sogar unsere Eierwärmerhasen sind neulich weitergewandert!
Kurzum: es musste noch ein Bär her.
Hier ist er:


Björn ist ein sehr sportlicher Bär und trägt rote Shorts und ein weißes Polo-Shirt zu rot-weißen Sneakern. Er ist freundlich und wurde von Junior schon mehrfach sehr liebevoll in die Nase gebissen.

Einen Hasen brauchen wir natürlich auch... Mal sehen, was noch kommt.

Das Muster:
Ich kaufe nicht unbedingt alle Anleitungen von Julie - meist bringt sie die Tiere als Junge und Mädchen heraus, und die Unterschiede liegen hauptsächlich in den Füßen (Mädchen haben Schuhe und Strümpfe) und der Kleidung. Während ich bei den Hasen noch Junge und Mädchen gekauft habe - nicht zuletzt wegen der unterschiedlichen Fellflecken - wähle ich daher inzwischen hauptsächlich nach Kleidung aus. In diesem Fall habe ich also das Bären-Jungen-Muster genommen, denn ich fand den fair-isle Pullover hübsch. Björns Turnschuhe sind aus der Schuh-Anleitung, die es zum Bärenmuster als Promotion dazu gab. Holla die Waldfee- sieht super aus, aber fisselig beim Zusammennähen!
Für das Panda-Mädchen habe ich einfach die Beine vom Fuchs-Mädchen mit den kurzen Söckchen benutzt (ja, das liegt hier schon bereit. Ebenso wie das Lamm-Mädchen...). Als Kleid trägt sie das "Field-of-Flowers" aus der Kleidersammlung.
Bruno ist barfuß und trägt "normale" Shorts, wie eigentlich alle Jungs-Tiere von Julie. Allerdings hat er die rote Strickjacke aus der Pulloversammlung an, die eigentlich Aiweiwei zum Kleid tragen sollte - aber ich hatte schlicht keine Zeit mehr, ihm noch einen eigenen Pulli zu stricken und sie wäre damit "overdressed" gewesen...
Technik:
Wie immer keine schwierigen Techniken, aber kleine Teile zusammennähen - das darf einen nicht abschrecken. Ansonsten ist ja alles immer gut bebildert und erklärt, und Übung macht den Meister. Beim dritten Bären ging es alles schon ganz flott von der Hand.
Die Wolle: 
Anders als sonst habe ich alle Bären in meiner geliebten Cool Wool gestrickt. Da waren einfach alle Farben vorrätig, sie ist weich und als Superwash-Garn auch maschinenwaschbar. Perfekt!

Änderungen:
Alles streng nach Anleitung, nur das Poloshirt für Bruno habe ich improvisiert - aufbauend auf dem Top-Down-Cardigan. Alles in glatt rechts stricken, kurze Ärmel sind 5 Reihen lang, Kragen ebenfalls in Reihe 5 abgekettet. Das Hemd ist etwas groß, aber das trägt man jetzt so.

Die harten Fakten:
Boy bear by Julie Williams
angefangen: Bruno: 30. Mai; Aiweiwei: 13. Juni, Björn: 2. Juli
fertiggestellt: Bruno: 13. Juni; Aiweiwei 28. Juni; Björn: 4. August
Größe/Maße:  Bruno maß 16 cm von den Ohrenspitzen bis zu den Zehen, aber Aiweiwei und Björn sind 17 cm - könnte an den Schuhen liegen.
Nadeln: 2,75 mm
weiteres Material: Stopfnadel/dicke Sticknadel zum Vernähen, Füllwatte, Geduld und Spucke. 
Kosten: Resteverwertung


Freitag, 30. Juni 2017

Aiweiwei und Bruno.

Klick macht größer...

Sonntag, 11. Juni 2017

FO und Fazit: Childhood Memories.

Das fertige Tuch ist nun schon eine ganze Weile fertig.
Es ist gewaschen, geblockt und fotografiert.
Nur getragen ist es noch nicht - zum einen, weil es zur Zeit nicht wirklich Temperaturen sind, bei denen ich mit einem Schal/Tuch durch die Gegend laufe.
Und zum anderen, weil es dann doch, wieder einmal, kleiner war als erwartet.
Dabei strickt und strickt und strickt man endlose Reihen. Stundenlang. Tagelang. Wochenlang.
Und tatsächlich misst das Ding dann auch von Spitze zu Spitze etwa 2 Meter - aber in diesem Fall hier ist der Winkel des Dreiecks eben so flach, dass man sich in das Tuch nicht richtig einhüllen kann, wie ich dachte,
sondern es sich allenfalls wie ein warmes Bandana in den Mantelausschnitt stopfen kann.
Dabei wird es aber sicherlich eine gute Figur machen. Wahrscheinlich ist es sogar am besten so, denn so werde ich es auch am wahrscheinlichsten tragen und so wird es am besten wirken.
Aber irgendwie hatte ich nach etwa 8 Wochen Strickerei etwas Größeres erwartet. Warum eigentlich?
Das Muster jedenfalls gefällt mir immer noch sehr gut. Ein (flaches) Dreieckstuch, das im schrägen Musterlauf (on the bias) gestrickt wird und sich beliebig vergrößern oder verkleinern ließe, wenn man denn -on the bias- genug Geometriekenntnisse hat um unterwegs festzustellen, wie groß es denn wohl werden würde. Es gliedert sich in drei Teile. Teil eins ist kraus rechts mit einem hübschen und effektvollen Hebemaschenmuster. Teil 2 besteht aus einer klaren, geometrischen Partie mit gelochten Rauten aus verschränkten Maschen. Teil 3 ist eine Abschlußkante in kraus-rechts mit Picot-Abschluss. Mir gefällt die strenge, wenig romantisch-verspielte Optik, denn mit Accessoires aus blumigen Lacemustern kann ich im Alltag wenig anfangen. Die Anleitung ist als PDF-Dokument bei Ravelry erhältlich und kostet stattliche 5 Euro plus, ist aber gut beschrieben mit Text, Bildern und Grafiken. 
Die Technik ist vielleicht nicht unbedingt für blutige Anfänger, aber für ein Lace-Tuch durchaus auf der einfachen Seite. Kraus-rechts bzw. kraus-rechts mit Hebemaschen sollte jeder hinbekommen, der oder die zählen kann. Der eigentliche Musterteil erschließt sich recht bald auf der Nadel, verlangt aber auch nur ab und zu mal verschränkte Maschen und gerichtete Zu-und Abnahmen.
Die Formung der großen Löcher hätte vielleicht etwas intuitiver erklärt werden können - ein doppelter Umschlag wird fallen gelassen, und neue Maschen werden geholt - aber wenn man es einmal begriffen hat, geht es eigentlich. Allerdings sind auch die Rückreihen Musterreihen, also muss man schon ein bisschen aufpassen und mitdenken. Da ich entweder nicht aufgepasst habe oder die Anleitung einen Fehler enthielt, hat sich mir allerdings gleich zu Beginn ein Fehler eingeschlichen, den ich in den folgenden Reihen ausmerzen konnte (nicht im Bild) - nämlich bei der Kreuzung der "Karomaschen". Fällt unter "nur Gott ist perfekt" und wurde von mir nicht korrigiert. Der Picot-Abschluss ist hübsch und nützlich und für Menschen, die ihn noch nicht kennen, ordentlich erklärt.
Die Wolle ist von der Hamburger Wollfabrik und bereits seit 2011 hier wohnhaft. Ein Gemisch aus 50% Kaschmir, 35% Wolle und 15% Seide in einem leuchtenden Kirschrot, das ich lange vermieden habe. Jetzt geht es wieder. Es ist gefacht, d.h. drei einzelne Fäden sind unverzwirnt auf Konen gewickelt, so dass man beim Stricken etwas aufpassen muss, immer alle Fädchen zu erwischen, aber nach dem Waschen flufft es wunderbar auf und wird deutlich weicher und dicker. Der Seidenanteil sorgt dabei für genügend "Fall", dass das Muster sich nicht sofort wieder zusammenzieht. Daher hat das Blocken auch gar keinen so großen Unterschied gemacht. Es wäre sogar einfädig verstrickt warm genug für einen leichten Pullover. 
Änderungen habe ich eigentlich nicht vorgenommen. Uneigentlich habe ich allerdings den ersten Teil um 24 Reihen verlängert - zum Glück, sonst wäre das Tuch noch kleiner - und beim Rand habe ich das Hebemaschenmuster wieder aufgenommen. Das wars.

Die harten Fakten:
Childhood Memories by Lisa Hannes
angefangen: 17. März 2017
fertiggestellt: 25. Mai 2017
verbraucht: 163g
Größe/Maße: 206 x 51 cm
Nadeln: Chiaogoo Lace Twist 3,75mm
Maschenprobe: 23 M x 44 R (kraus) (vs. 20x40 in der Anleitung. Das erklärt ja einiges... Vielleicht doch mal eine Maschenprobe ausrechnen?)
weiteres Material: Stopfnadel/dicke Sticknadel zum Vernähen
Kosten: Dank günstigem Einkauf etwa 5,50 Euro für die Wolle und nochmal das Gleiche für die Anleitung.

Montag, 3. April 2017

One size fits all. WIP: Childhood Memories.

Du musst auch mal an Dich denken, schallt es mir aus der Kommentarsektion entgegen, und wo Ihr recht habt, habt Ihr recht.
Allerdings bin ich ja dabei, Rüstungen und Panzer abzulegen, und tatsächlich richtig viel abzunehmen. Wer hat da schon Lust, viel Zeit in eine "Zwischengröße" zu investieren? Schlimm genug, dass Junior ruckzuck aus allem rauswächst!
Also ein Tuch.
Das Garn gut abgelagert und rot! Eine Farbe, die ich mehr als vier Jahre gemieden habe. Wie bei der orangen Ärmelkante sitzt irgendwo ein Kunsttherapeut und ist stolz auf mich. (Wahrscheinlich. Wenn er davon wüsste...)
Es ist auch als tuch-tauglich erprobt und wird erwiesenermaßen nach dem Waschen aufflauschen.
Ich verarbeite es in Lace-Stärke mit 3,75 mm Nadeln und komme gut klar.
Die Anleitung gefällt mir auch gut, obwohl ich lange Zeit Vorbehalte gegen Dreieckstücher hatte. Hier nicht.
Das (bisherige) Muster ist simpel, aber effektiv. Ich stehe allerdings kurz vor dem Musterwechsel und freue mich auf die Abwechslung.

EDIT: einige Links ergänzt, Photos bearbeitet und richtig platziert.

Donnerstag, 16. März 2017

FO und Fazit: Laurits. 2 Versionen, Lessons Learned.

Silvester hatte ich frei. Ohne Baby - ganz alleine - bin ich nach Berlin gefahren und habe ins neue Jahr gefeiert. Statt die babyfreie Zeit "vernünftig" zu nutzen (also früh ins Bett zu gehen und mal richtig auszuschlafen), habe ich wie in der guten alten Zeit ein bißchen angeschwippst um vier Uhr früh den Heimweg angetreten und überhaupt wunderbar viel Zeit mit Erwachsenen verbracht.
Für die Zugfahrt wollte ich aber nicht die damals in Arbeit befindliche Tomtenjacke samt zwei großen Garnkonen einpacken, sondern habe stattdessen als leichtes Reisegestrick etwas Neues angeschlagen.
"Laurits v1"
Das Muster:
Ich entschied mich für den Pullover "Laurits". Die kostenlose Anleitung ist nur auf Englisch, und auch nur in einer Größe (12-18 Monate, ich schätze ihn auf 86-92) bei Ravelry zu finden, kann aber mit etwas Erfahrung leicht in der Größe angepasst werden. "Laurits" wird vom Hals abwärts in zwei Farben gestrickt. Die kraus-rechte Rundpasse in Farbe A lässt sich mit drei Knöpfen an der linken Raglannaht (wenn es eine gäbe...) öffnen. 
Perfekte Knöpfe!

Körper und Ärmel sind in Farbe B gestrickt und weisen krausrechte Streifen in der ersten Farbe auf. Alle Bündchen sind ebenfalls wieder kraus-rechts in der ersten Farbe. 
So weit, so schlicht, so klassisch. Besonders hübsch wirken die Pullover mMn mit einer helleren Farbe A, in jedem Fall sollte ein ausreichender Farbkontrast zwischen den beiden Farben herrschen.

Technik:
Der Pullover verlangt keine schwierigen Strickmanöver: Maschen anschlagen und abketten, Zunahmen (in der Rundpasse) und Abnahmen (am Ärmel). Merkwürdigerweise sollen die Ärmel zuerst gestrickt werden, und zwar flach und später zusammengenäht, obwohl der Rumpf später in Runden gearbeitet wird.
Die Wolle: 
Gestrickt habe ich "Laurits" in der neuen fairalpaka Merinowolle, die hoffentlich als neue "Brot-und-Butter-Wolle" meine geliebte Cool Wool ersetzen ergänzen kann. Ich habe vor, noch eine gesonderte Rezension zu schreiben, nur so viel: zu den testweise georderten Grundfarben grau, weiß und braun haben sich seither noch grün heather, weinrot heather und petrol (ocean) gesellt... alles herrlich leuchtende Farben und wunderbar weich nach dem Waschen.
Die Maschenprobe kam recht gut hin - auf 10 cm gabe es eine Abweichung um 4 Maschen (27 statt 23), aber in der Länge war es perfekt.

Änderungen: 
Ich habe den Pullover insgesamt zweimal gestrickt - einmal für den großen Vetter, der bald seinen ersten Geburtstag feiert, und einmal für Junior, da der Lieblingspullover - trotz Verlängerung - nicht mehr passt. Und auch  die meisten anderen im letzten Jahr vorgefertigten Strickwaren sind inzwischen zu klein... Sie werden so schnell groß! Tatsächlich passt zur Zeit nur noch die hübsche Jasperjacke, und einige Pullunder -was den heiß ersehnten Frühlingstemperaturen aber entgegenkommt.
Die erste Version für den großen Vetter habe ich in grün-heather mit braun gestrickt und bin genau der Anleitung gefolgt, auch wenn ich die Sache mit den flach gestrickten Ärmeln, die zudem vor dem Rumpf gefertigt werden, merkwürdig fand. Irgendwie sah das unter den Armen komisch aus.

Dabei zeigte sich dann auch nach dem Blocken die Abweichung in der Maschenprobe, was aber nur zu einem etwas schmaleren Pullover führt.
Für die zweite Version habe ich daher das Gelernte umgesetzt und folgendes geändert:
1. als Anpassung an die Maschenprobe insgesamt 2 weitere Zunahmerunden (à 16 Zusatzmaschen = +32 Maschen) gestrickt und diese in die letzten Runden der Passe eingefügt,
2. alle Zunahmen in die erste Runde des kraus-rechts-Streifens verlegt - leichter zu merken und unsichtbar
3. erst den Rumpf und dann die Ärmel gestrickt, dabei falsche Seitennähte mit abgehobenen Maschen, die auch den Farbwechsel gut kaschieren,
4. unter den Armen jeweils  8 Maschen angestrickt, 
5. die Ärmel in der Runde gestrickt und dabei in der ersten Ärmelrunde aus den neuen Achselmaschen neue Maschen aufgestrickt 
Die Ärmel sind nach der Trennung 12 Streifen lang (insgesamt 15), der Rumpf 13 (insgesamt 16). Ob das eine Änderung ist, weiß ich nicht, da die Gesamtlänge aus der Anleitung nicht wirklich hervorgeht - es schien mir aber sinnvoll, den Rumpf ein wenig länger zu machen als die Ärmel.
6. bei einem der Pullover habe ich die Knopflochleiste zudem mit Webband unterlegt und die Knopflöcher mit der Maschine genäht. Mir leiern die Knopflochleisten sonst sehr leicht aus, das mag ich nicht.
Mit Webband verstärkte Knopfleiste
Mal sehen, welche Variante sich besser bewährt.
Originalvariante
Dafür hat der andere Pullover ein kleines Stück Webband ums Bündchen genäht, weil es so schön passte und weil ich Möwen mag.

Insgesamt mag ich beide Pullover sehr, bin aber etwas unzufrieden mit der Konstruktion - irgendwie scheint mir die Rundpasse unter den Armen immer etwas enger zu sein als am Saum. Das hat sich durch Waschen und Blocken (und die Änderungen 4. & 5. für die zweite Version) zwar etwas gebessert, aber richtig glücklich bin ich damit trotzdem nicht. Dennoch ein hübscher Pullover, der sicher viel getragen wird.

Die harten Fakten: 
Laurits by Ulla Holst-O 
angefangen:
Version 1: 10.02. 2017
Version 2: 31.12. (bzw. 26.02. 2017)
fertiggestellt:
Version 1: 24.02. 2017
Version 2: 13.03. 2017
Garn:
in braun NFA06, grün heather HF285, weinrot heather HF179 und grau NFA11 
verbraucht:
Version 1: 160 g ( 64 grün, 88 braun, ein kleiner Rest rot für die Knopfleiste)
Version 2: 207 g (100g grau, 100 rot, ein kleiner Rest weiß für die Knopfleiste)
Größe/Maße:
Version 1:
Unterbrust : 26 cm
Saum-Achsel: 20 cm
Saum- Schulter: 32 cm
Ärmelsaum- Achsel: 20 cm
Ärmelsaum- Schulter: 32 cm
Version 2:
Unterbrust : 29-35 cm
Saum-Achsel: 20 cm
Saum- Schulter: 32 cm
Ärmelsaum- Achsel: 20 cm
Ärmelsaum- Schulter: 32 cm
Nadeln:
Chiaogoo Red Lace Twist 3mm und 3,5 mm
Maschenprobe:
27M x 42R = 10x10 cm
weiteres Material: Stopfnadel/dicke Sticknadel zum Vernähen, je 3 Knöpfe, Webband

Kosten
Die Wolle kostet etwa 3,50 EUR/Knäuel, das heißt zwischen 10 und 14 Euro Wollwert plus Knöpfe

Und der Ravelry-Projekt-Link für Version 1 und Version 2.

Dienstag, 21. Februar 2017

FO: Blauer Tomten.

Wenn es im Winter kalt wird, werden den Eltern sehr kleiner Kinder Schneeanzüge verkauft.
Einerseits ist das nachvollziehbar: Die Kinder sind von Kopf (Kapuze) bis Fuß (abknöpfbare Schuhe) warm eingepackt, es kann nichts hoch oder runter rutschen, niemand friert.
Allerdings kann sich auch niemand bewegen. Die ohnehin grobmotorischen Babies sind dank dicker "Daunen"-(naja. Polyester)Füllung fast bewegungsunfähig und sehen aus wie ein Seestern - wenn man sich gerade daran gewöhnt hat, einigermaßen gezielt nach Dingen zu greifen, ist das ganz schön frustrierend...
Hinzu kommt, dass das Anziehen keinem der Beteiligten Freude macht. Die Beine sind eng, die Ärmel sind enger, die Kapuze ist zu eng oder zu weit, und überhaupt - Handschuhe! am besten noch angenäht, diese Ärmel zum Umklappen. Junior mag das gar nicht...
Da es hier im Norden ohnehin selten schneit, und selbst wenn Schnee läge, dieses Baby jedenfalls noch nicht durch den Schnee krabbeln würde, ist auch der Vorteil "wasserfest" für uns nicht gegeben. Schlimmstenfalls wandelt er sich in den Nachteil "nicht atmungsaktiv".
Aber bevor ich nun beim einschlägigen Öko-Kindermodehändler einen Schurwalkwolloverall bestelle, sehe ich meine Chance...
Challenge accepted!
Was wird gebraucht?
Da die Beine in einem Lammfellfußsack stecken, müssen sie nicht verhüllt werden. Notfalls haben wir genug Decken.
-Eine Jacke.
Warm, weich, atmungsaktiv.
-Wolle.
 Auch für kältere Temperaturen als alleinige Außenjacke warm genug?
-ok. Dicke Alpakawolle - bis zu 8x wärmer als Schafwolle. Noch dazu besonders kuschelig.
Leicht an-und auszuziehen. 
-Natürlich der wunderbare Tomten von Elizabeth Zimmermann - extragroße Armlöcher, gut sitzende und das Gesicht gut umschließende Kapuze, zeitlos kraus-rechts, Reißverschluss...

Meine erste Version war aus dünnerem Garn entstanden und daher recht klein ausgefallen. Junior trägt diesen Tomten als nunmehr drittes Baby mit etwa 7-9 Monaten als normale Strickjacke im Haus, und wird bald herausgewachsen sein.

Dieses Mal wollte ich dem Rat der Originalanleitung folgen - wenn man die Größe für ein etwa 2jähriges Kind stricke, so Frau Zimmermann, könne man im ersten Winter die Ärmel und ggf. die Kapuzevorne zubinden (Handschuhe!). Im zweiten Winter passt dann alles und im dritten - beginnt man mit einem neuen Kind von vorne... Letzteres ist schwer zu planen, aber die nächsten beiden Winter wollte ich gerüstet sein.


Das Muster:
sollte bekannt sein. Wer für Kinder strickt, sollte mindestens einen Tomten gestrickt haben. Sage ich jetzt mal so. Dies ist mein dritter und sicherlich nicht letzter. 
ist wie gesagt modular, d.h. eine Grundzahl - hier die sieben - kommt in allen relevanten Arbeitsschritten vor. X x 7 Maschen Anschlagen, kraus rechts bis zum Armloch, dort X x 7 Maschen abketten, X x 7 Rippen Armausschnitt etc. pp.
Technik:
Anfängertauglich! Kraus-rechts ist einfachstes-nebenbei-stricken, sieht immer gut aus und ist dehnbar - wächst also auch mit. Es ist allerdings auch ein echter Wollschlucker.
Die Wolle:
Weil ich eine warme Winterjacke wollte, habe ich mir zwei Konen Babyalpakawolle DK in dunkelblau-heather von Fairalpaka bestellt und diese doppelfädig verstrickt. Das ergibt in der Stärke ein "bulky" und mit Nadel 4,5mm erziele ich genau die von Frau Z. vorgeschlagene Maschenprobe (und damit hoffentlich auch die von ihr vorgeschlagene Reinwachs-Größe). Das Garn ist ein Traum - warm und weich und flauschig und das Blau leuchtet und steht Junior wahnsinnig gut. Die Maschenprobe trägt er ja in Form einer Mütze schon länger... Und die 500g Konen führen dazu, dass man endlich einmal in Ruhe ohne Knoten vor sich hin stricken kann. Herrlich!
Änderungen:
Dieses Mal habe ich die Saum-und Ärmelkanten im 2r2l-Rippenmuster gestrickt. I-Cord ist zwar todschick, aber nicht ganz so elastisch, und enge Kanten sind unpraktisch. Außerdem wird es so etwas... frischer? Moderner? Finde ich... 
Außerdem habe ich die Kapuze wieder etwas größer gestrickt (2 zusätzliche Zunahmereihen) und mit einem Kontrastgarn (fairalpaka weinrot-heather fingering - aber vierfädig = bulky) zusammengenäht und mit einer roten Quaste versehen.
Und entlang der vorderen Kante bis hoch zur Kapuze habe ich einen xoxo-Zopf eingestrickt. Der heißt auch "hugs und kisses", weil im (angelsächsisch-amerikanischen) Internet "x" für Kuss und "()" für Umarmung steht. Das perfekte Muster für mein Baby also, und außerdem ein bisschen Abwechslung in dem ganzen kraus-rechts. Zwar zeigt sich schnell und deutlich, dassAlpaka kein ideales Garn für Zopfmuster ist,  trotzdem, mir gefiel es so gut, dass ich den Zopf in einer schmaleren 4Maschenversion auch auf der Ärmelmitte angebracht habe. Die Ärmel-Abnahmen habe ich seitlich dieses Zopfes gemacht.
Außerdem wollte ich dieses Mal Taschen - im Moment kann Junior damit zwar noch nichts anfangen, aber ich nehme an, dass nächstes Jahr allerlei kleine Schätze herumgetragen werden müssen. 
Auch diese Taschen habe ich im weinroten Kontrastgarn gestrickt, allerdings nur doppelfädig (=DK), sodass die Taschenbeutel nicht zu sehr auftragen. Eingestrickt habe ich sie nach dem Prinzip der "Afterthought Pockets", das EZ ebenfalls in Knitting without Tears vorstellt.

Dazu wird ein Faden zerschnitten, vorsichtig gelöst und die gewünschte Zahl nun freier Maschen auf Nadeln gelegt. Die Tasche wird dann in Runden in der gewünschten Tiefe gestrickt. Ich habe die "Seitennaht"-Maschen links gestrickt, damit sich die Tasche flacher legt, und sie mit 3-Needle-Bindoff abgekettet, und dann die komplette Abkettkante an die Jacke genäht - so kann die Tasche nicht ausbeulen und durchhängen. Erst wollte ich noch eine Taschenblende anbringen, aber mir gefällt es ganz gut, wie das Futter "blitzt"- ich lasse es erstmal so. Am schwierigsten war es, die Tasche richtig zu platzieren - ich habe mich dafür entschieden, sie etwas tiefer als halbe Strecke zwischen Saum und Ärmelloch anzubringen (nach 18 Rippen). Sie ist 12 Maschen vom Reißverschluss entfernt und 14 Maschen breit - allerdings musste ich aufgrund des dünneren Taschenbeutelgarns in den ersten Runden aufs 2x29 Maschen (je 1 Falz-Masche) zunehmen, um den Unterschied in der Maschenprobe auszugleichen. Und wenn die Tasche innen etwas größer ist als von außen sichtbar, schadet das schließlich nichts.

Das schwierigste aber war das Einnähen des Reißverschlusses. Ich hatte bei Schneiderbedarf Werner einen 50 cm langen, teilbaren Zwei-Wege-Reißverschluss gekauft*, damit ich die Jacke von unten öffnen kann- wenn Junior im Wagen sitzt, kann er so leichter angeschnallt werden, und man kann bspw. im Supermarkt etwas "lüften" ohne die Jacke ausziehen zu müssen...
Um es kurz zu fassen: nach mehreren Fehlversuchen habe ich jede 10. Rippe mit einer Nadel markiert und dann den Reißverschluss mit Reihgarn so geheftet, dass 10 Rippen 6,5 cm entsprach. 

Dann mit der tollen neuen Nähmaschine und dem noch tolleren Reißverschlussfuß ganz knappkantig angenäht. Das hat endlich wunderbar funktioniert, ohne dass Jacke oder RV später Wellen schlugen. Allerdings hatte ich mich verrechnet- 10 Reihen hätten 7cm entsprechen müssen... So war mein Reißverschluss auf einmal ganze 5 cm länger - zu lang?
Der Vorteil ist, dass ich auf diese Weise das Kind gut verhüllen kann - die zur Zeit noch etwas große Kapuze schließt gut ab und ersetzt eine Mütze, und zukünftig muss man ja nicht bis oben hin zuziehen. 

Allerdings hat er dann eben immer Reißverschlusszacken im Gesicht, und auch wenn diese nicht aus spitzem, kalten Metall sind, sondern aus Kunststoff, so ist das wahrscheinlich nicht so bequem. Eine gutaussehende Lösung ist mir leider noch nicht eingefallen...
Auftrennen ist jedenfalls keine Option, denn ich habe bereits das Reißverschlussband innen mit einem Webband übernäht, um die Kanten aufzuhübschen und weiter zu stabilisieren - die Jacke wiegt etwa 600g und würde durch das Gewicht sehr ausleiern.
Außerdem - ist das nicht süß? Wale! Und die Farben passen perfekt!
Auf die ursprünglich geplante rote I-Cord-Einfassung entlang der vorderen Blende habe ich dann doch verzichtet - die kraus-rechte Kante sieht ordentlich aus, die Maschinennähte passen gut ins Muster, liegen genau neben dem Zopf und müssen nicht verdeckt werden...

...und die Kontrastfarbe sollte nur einen Akzent setzen, nicht zu dominant werden. Daher muss ich die etwas zu breit rot abgeketteten Ärmelbündchen wahrscheinlich noch einmal neu oder anders machen, aber zur Zeit ist die Jacke schon im Einsatz - und ich habe im Moment keine Lust...
Wie man sieht ist die Jacke tatsächlich im Moment noch etwas zu groß. Eher ein knielanger Kurzmantel. Das heißt aber nur, dass Junior im Wagen auch Po und Oberschenkel von der Jacke gewärmt bekommt. Mit langen Ärmeln gibt es warme Finger, aber sie lassen sich leicht hochgekrempeln und ermöglichen das Herumfingern mit dicken Babyfingern. Sehr wichtig.
Ich denke, ein zwei weitere Winter wird er die Jacke bestimmt noch tragen können. 
Misson erfüllt!


Anders als dieses Foto vermuten lässt, trägt er die Jacke übrigens sehr gerne und freut sich, wenn wir damit ankommen. Das Anziehen ist nun kein Kampf mehr, und ich finde ihn extra-niedlich - alle sind glücklich. :-D
Die harten Fakten:
 Tomten Jacket by Elizabeth Zimmermann 
Troddel: https://www.purlsoho.com/create/2013/07/18/tassel-tiny-attached-tassel/
angefangen: 2. Januar 2017
fertiggestellt: 13. Februar 2017
verbraucht: 596g in blau, 28g rot
Größe/Maße: "etwa 2 Jahre" - mit viel Weite zum Drüberziehen über normale Kleidung
 60 cm Unterbrustweite
30 cm Saum-Achsel 
49 cm Saum-Schulter
25 Ärmel (Saum-Achsel)
Nadeln: Chiaogoo 4,5mm für blau, 3mm für Taschen.
Maschenprobe: 18Mx34R in kraus-rechts
weiteres Material: Stopfnadel/dicke Sticknadel zum Vernähen, 50 cm langer 6mm breiter Zwei-Wege-Reißverschluss, etwa 1,5 m Webband.
Kosten: Garn anteilig etwa 50 EUR, RV 3,99 EUR, Webband... tja. 5 Euro? Zusammen etwa 68-69 Euro. Kein Schnäppchen, aber immer nicht teuerer als der einschlägige (und sehr geschätzte) Öko-Walkwollbabyshop...und etwas individueller. Und wahrscheinlich mit längerer Laufzeit.


*ich kriege nichts dafür, dass ich Namen oder Händler nenne. Aber ich habe dort gute Erfahrungen gemacht und will den Laden wiederfinden. Wenn er zwischenzeitlich nicht pleite geht, weil andere Kunden den Weg finden, ist auch das in meinem Interesse. Und ich fand großartig, dass ich den RV in zentimetergenauer Wunschlänge hätte bestellen können. Unschlagbar günstig war er ohnehin.