Montag, 14. Mai 2018

DSGVO zum zweiten.

Noch habe ich ja nicht aufgegeben.
Allerdings sind die meisten frei verfügbaren Hilfestellungen, um mit der vermaledeiten Umstellung rechtssicher umzugehen, für Wordpress-Blogs optimiert.
Ich arbeite mich jetzt an der Checkliste von blogmojo ab, die versucht, das ganze für Blogspot-Blogs durchzuführen: https://www.blogmojo.de/blogspot-dsgvo/
Weitere nützliche Informationen gab es bei sunnysideoflife: https://www.sunnys-side-of-life.de/2018/04/dsgvo-blogspot-blogger.html
Wie immer, weder hier noch dort: blogs sind keine Rechtsberatung. Wir versuchen alle nur, es als Laien richtig zu machen. Selber recherchieren macht schlauer. 

Immerhin bietet mir die Orientierung an blogmojo ein erstes Gerüst, an dem ich mich entlanghangeln kann. Danke dafür!

Punkt 1: Umstellung auf https
-- habe ich schon länger erledigt, mehr aus Zufall, aber jetzt nochmal mit Absicht

Punkt 2: Externen Code anpassen oder entfernen
-- ist hoffentlich unter den Punkten 3, 4, und 9 geschehen...

Punkt 3: Google+
--hab ich nicht. will ich nicht. Daher war es unter Einstellungen/Kommentare schon immer deaktiviert. Jetzt habe ich zusätzlich auch die Navbar gelöscht und im Layout die Freigabeschaltflächen entfernt.
Trotzdem erkennt Ghostery noch einen Tracker. Keine Ahnung, wie man den loswerden kann.
Edit: 17.05.18:
So geht's:
Man muss im Dashboard unter Design im HTML-Quellcode  den schließenden body-Tag durch anderen Code ersetzen - vorher unbedingt Originalcode in einem Texteditor sichern!
und zwar diesen Tag
ersetzen durch <!----></body>via:
https://www.blogmojo.de/blogspot-dsgvo/#3_google
https://www.bloggerspice.com/2016/02/how-to-remove-widgets-and-Google-plus-script-to-make-blog-faster.html 
https://www.itslot.de/2018/05/blogspot-google-tracker-deaktivieren.html
Punkt 4: Google AdSense
--hab ich nicht. Trotzdem soll man die Navbar löschen, weil google doch evil ist und ungefragt ein Skript lädt. Siehe Punkt 3.

Punkt 5: Datenschutzerklärung
-- dasnuf verweist auf den Datenschutzerklärungsgenerator von Dr. Thomas Schwenke.
Das macht alles viel einfacher, auch wenn ich auch hier viele Fragen gar nicht richtig beantworten kann. Mein Verzeichnis ist daher bisher wahrscheinlich nicht gültig ausgefüllt, aber dafür kann Herr Schwenke nichts, und immerhin habe ich jetzt eins. Noch 10 Tage bis es gültig sein muss.
Im Übrigen wurde mehrfach angeraten, diese Seite nicht googlebar zu machen, damit die bocksfüßig-schwefelriechenden Abmahnanwälte sie schwerer finden können...(?) Geht, indem man Einstellungen/Sucheinstellungen die benutzerdefinierten Robot-Header-Tags aktiviert, und dann die Seite aufruft und dort das Häkchen bei "noindex" setzt. (siehe auch: https://www.sunnys-side-of-life.de/2018/04/dsgvo-blogspot-blogger-3.html)

Punkt 6: Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten
--Ist, wenn ich das richtig verstanden habe, Teil der Datenschutzerklärung? Und nur für Firmen mit mehr als 250 Mitarbeitern? Oder was?

Punkt 7: Cookie-Banner
--das automatische Cookie-Banner darf die Datenschutzerklärung nicht verdecken. Leuchtet ein. Auf allen installierten Browsern ausprobiert, scheint zu klappen.

Punkt 8: Statistiken
--die Blogger erstellt, mit automatisch gesammelten Daten -- wer wie oft von wo aus auf das Blog zugreift. Kann man nicht beeinflussen, bis Google offenlegt, was es da eigentlich tut. Warten auf den ADV-Vertrag.

Punkt 9: Gadgets
--sehr viele Gadgets/Widgets habe ich ohnehin nicht eingebunden. Kann man da ja auch gleich einmal aufräumen. Als erstes geht die Blogroll, die zu 95% aus Blogs bestand, die nicht mehr aktualisiert werden - oder so selten, dass es auch egal ist. Mein Lesefutter ist im Feedreader. Vielleicht kann man das später, wenn die Datenschutzverwirrnis sich gelichtet hat, neu und schön und aktuell wieder anlegen. Gleiches gilt für die Linkliste. Wo ich schon mal eingekauft habe, weiß ich auch so. Ihr müsst halt Eure eigenen Anbieter googeln. Die Anzeige der Follower scheint unproblematisch zu sein, aber was weiß ich schon. Ich schmeiße das "offizielle" Gadget raus - Euer Abo dürfte davon nicht betroffen sein, hoffe ich, und ersetze es durch die offenbar unproblematische Möglichkeit: einfach einen -ggf. hinter einem Bild versteckten - Link zur verfügung stellen. Dann die eigene blogID heraussuchen und an diese URL hängen: https://www.blogger.com/follow.g?view=FOLLOW&blogID=
Die Follower werden jetzt zwar nicht mehr angezeigt, aber folgen kann man mir immer noch. Nur eben anonym.
via:
https://niwibo.blogspot.de/2018/05/pimp-up-your-jacket-mit-kleinem.html
https://www.blogmojo.de/blogspot-dsgvo/#91_follower_google_follower_google_box_und_1_schaltflaeche
Das LinkWithin im Footer, das auf ähnliche Artikel verweist, ist nett, aber trackt irgendwas. Weg damit. Die Tags und die Suche beziehen sich auf mein eigenes Blog - sollte gehen. Bleibt der Besucherzähler. Ungelöst. Dient aber nur der Eitelkeit, also gelöscht. (Stand: 178386, so eitel bin ich...)

Punkt 10: Kommentarfunktion
-- das Kommentieren ist eine Krux, denn dafür müssen ja Daten erhoben werden. Zumindest, wenn man nicht von anonymen Trolls im eigenen Wohnzimmer verprügelt werden will.
Allerdings kommentieren hier im Schnitt genau zwei Personen (Ihr wisst, wer Ihr seid), der Rest liest, wenn überhaupt, still mit. (Vergleichsweise harmlose) Trolls hatte ich erst zweimal in über 10 Jahren Bloggen. (toitoitoi)
----also kann man auch anonyme Kommentare zulassen (Einstellung: wer darf kommentieren: jeder)
----dafür sollte man dann ALLE Kommentare moderieren (weil: Idioten gibt's eben doch)
----und die schöne anti-bot Captcha Anfrage muss wohl leider auch aus (Bot-Kommentare hatte ich schon deutlich mehr als Trolle), denn das Google captcha-dings übermittelt wohl auch wieder Daten (warum eigentlich?)
----bis es allerdings einen ADV-Vertrag mit Google gibt, der regelt, was mit den übermittelten Daten geschieht, versuche ich es mit: Kommentare abschalten. Sorry, das ist der Interaktion zwar nicht dienlich, schafft mir aber Zeit, eine bessere Lösung zu finden.

Punkt 11: ADV-Vertrag mit Google
----und hier scheitern alle Bemühungen, solange Google nicht in die Puschen kommt.

Und das war's erstmal.
Einige Lücken gibt's noch. Einige liegen bei mir (will ich meinen Namen und Adresse im Impressum lesen? Und warum eigentlich nicht?) - und sind leicht zu lösen. Einige muss ich recherchieren (Besucherzähler, Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten (per E-Mail?), weiterer externer Code? (per Ghostery-Plugin?)), einige hängen bei Google (ADV-Vertrag).
Noch 10 Tage...





Dienstag, 8. Mai 2018

DSGVO

Die DSGVO kommt, und Bloggersdorf ist in Aufruhr.
Zum Glück, denn sonst hätte ich vielleicht gar nicht mitbekommen, dass dieses kleine, nichtkommerzielle Nischenblog möglicherweise auch davon betroffen ist.
Bisher habe ich nur oberflächlich recherchiert, was an Änderungen ansteht, aber allgemein scheint die Verunsicherung groß zu sein.
Diese Strategien scheinen sich bei den Bloggern meiner Leseliste herauszukristallisieren:
1. Die "professionellen" Blogger, also alle, die regelmäßig schreiben, Affiliate Links setzen und/oder Werbung schalten, und im weitesten Sinne (frei-)beruflich bloggen oder irgendwie von ihrem Blog leben fuchsen sich richtig ein, setzen eine ellenlange Datenschutzverordnung auf, ändern Plug-Ins und machen allerlei in der Hoffnung, ein DSGVO-konformes Blog hinzusetzen.

2. Die Hobbyblogger, zu denen auch ich mich zähle, wählen idR eine von zwei anderen Optionen:
a) Sie stecken den Kopf in den Sand, blablabla, betrifft mich nicht, ich ignorier das einfach und mache weiter, wie bisher. (Wahlweise: sie bloggen so selten und so "unprofessionell"(=nur für sich), dass sie die Implikationen gar nicht mitbekommen haben.)
b) Sie nehmen ihr Blog vom Netz. Diese Option gibt es auch noch in der Geschmacksrichtun: Sie legen ihr Blog still, d.h. archivieren es, wie es ist - es bleibt lesbar, aber Kommentare und Plug-Ins sind abgeschaltet.

Die erste Option ist etwas riskant, denn bocksfüßige, nach Schwefel riechende Abmahnanwälte sitzen sicherlich schon in den Startlöchern.
Die zweite Option ist wahnsinnig traurig, denn sie zerstört eine reiche Kultur von kleinen Nischen, niedrigschwellig, meist sogar kostenlos, gemeinschaftsstiftend, informativ und häufig auch inklusiv - das beste, was das Web 2.0 zustande gebracht hat. Jede/r konnte beitragen, jede/r konnte gehört werden. Gerade zu einem Zeitpunkt, an dem auch große, einflussreiche Blogger sich das Internet von den großen Plattformen zurückerobern wollen und Facebook wieder verlassen, wird ihnen das Hosten eigener Inhalt mindestens mal erschwert. Wer will denn ein Jurastudium absolvieren, Rechtsberatung einholen, stunden- und wochenlang Zeit und/oder Geld investieren  -- nur um ein paar Sockenfotos ins Netz stellen zu dürfen? Zumal nicht jeder Bloghoster das Update unterstützt - bei Wordpress ist es offenbar einfacher als beispielsweise hier bei blogger, bestimmte Features ab- oder umzustellen.

Die DSGVO tritt am 25. Mai in Kraft. Mir bleiben also noch knapp zwei Wochen, über das Schicksal dieses Blogs zu entscheiden.
Wenn man die Blogfrequenz der letzten Wochen und Monate so betrachtet, scheint sich ein Einfuchsen in die neue Gesetzeslage mit den damit verbundenen Änderungen für mich nicht wirklich zu lohnen. Ich habe schlichtweg weder Zeit, noch Lust, noch Energie dazu. Ich neige daher zu Option 2:
Wenn ich kann, archiviere ich die Posts, denn es wäre schade, wenn bspw. die Links von Ravelry ins Leere liefen, und ich habe mir bei meinen Notizen zu den einzelnen Projekte viel Mühe und Gedanken gemacht, wie auch andere von meinen Erfahrungen profitieren können. In über 8 Jahren und 660 Posts ist doch auch einiges zusammengekommen an Gelerntem, aber auch an Erinnerungen, Bekanntschaften, Austausch. Ich möchte das nicht löschen, selbst wenn ich es (zur Zeit) nicht gut pflegen oder ergänzen kann.
Aber wenn es sein muss, wird auch das passieren. Das wäre schade.
Falls ich also bald weg sein sollte - danke! Fürs Lesen, fürs Kommentieren, fürs Mitmachen. Für die Anregungen, die Tipps, den Mut. Für das Gefühl, mit einem Tastendruck Teil einer flauschigen, wolligen Gemeinschaft zu sein. Schön war's!
Das kann man ja auch mal laut sagen.
Und falls ich einen anderen Weg finde, lasse ich es Euch wissen.


Mittwoch, 21. März 2018

FO: Carpet Bag von Machwerk als Projekttasche

Der Meinige bemängelte glaubhaft und nachvollziehbar, dass allerlei angefangene Strickprojekte in alten Jutebeuteln an Stühlen, Sesseln und Haken im Wohnzimmer herumhängen. Das sieht nicht so schön aus. Ob man das nicht hübscher aufbewahren könne? Könnte man dafür nicht einmal eine Tasche nähen?
Man kann!
Tatsächlich hatte ich mir genau zu diesem Zwecke schon vor mehreren Monaten die Anleitung  für die Griselda "Machwerk" Carpet Bag besorgt. Die Öffnung dieser klassischen "Doktortasche" in vier Größen wird durch einen Metallrahmen aufgespannt, der im Handel nicht so einfach aufzutreiben ist. Ich habe daher zwei kleine und einen großen Rahmen mitbestellt um mittelfristig meinen in die Jahre gekommenen und nicht wirklich hübschen Strickkorb zu ersetzen und mit ein bis zwei kleineren Projekttaschen zu ergänzen. und zwischen den Jahren endlich Anlauf genommen für ein kleines Projekttäschchen.
Bei den Stoffen lag noch ein hübscher fester Möbelstoff von Ikea. Boden, Ecken und Dingens für den Rahmen sollten aus passendem roten Leder werden, das hier noch herumflog. Die Anleitung ist eigentlich gut beschrieben und einleuchtend, und wenn man sie vorher gut durchliest - denn ein oder zwei Schnitteile werden nur als Rechteck mit Maßangabe im Text erwähnt - dürften eigentlich keine Schwierigkeiten auftreten. 
Ich war allerdings unkonzentriert, dauererkältet und von einem lebhaften Kleinkind immer wieder abgelenkt. Das führte zu allerlei dummen Fehlern beim Zuschneiden, für die Griselda wirklich nichts kann. Nunja. Der petrolfarbene Streifen aus dem Futterstoff rettet den vermurksten Zuschnitt, aber ärgerlich ist das schon. 
Hier ein Teaserbild. Weitere Fotos folgen, sobald ich sie vom Handy auf den Rechner... (örks).


Freitag, 26. Januar 2018

FO: Schäfchen zählen.

Anfang Dezember gab es eine kleine Überraschung in der Kita. Im Postfach für die Eltern lag ein Zettel - in zwei Wochen spielt Junior im Krippenspiel ein Schaf!
Einerseits war ich überrascht - Es gibt ein Krippenspiel?!? - anderseits nicht.
Natürlich spielt er ein Schaf! was sollen 20 anderthalbjährige denn auch sonst spielen?

Für das Kostüm gab es keine Vorgaben. Weiße Bodies und Strumpfhosen (oder schwarze) sollten genügen.
Unter den Eltern brach dann doch schnell ein gewisser Ehrgeiz aus. Und bevor ich wusste, was ich da tue, habe ich vorgeschlagen, für 8 kleine Schäfchen die Kostüme zu nähen.
Für 12 Euro bekam man eine flauschige weiche Polyesterwohndecke im Kaufhaus - zwei Stück reichen gut für 8 Schafe in Größe 92.
Basis ist im weitesten Sinne der Jawepu, an die Kapuze kamen die Ohren von PurlSoho's Lamb Bonnet
Ich hatte noch genug Vichy-karo für 16 Ohren - na, dann haben eben vier Lämmlein blaue Ohren. Das soll so! 
Die Armausschnitte sind keine, sondern nur 20 cm lange Löcher in der Seitennaht. Der Halsausschnitt wird durch einen geraden Schnitt von ca. 5 cm entlang der vorderen Mitte erweitert. Eine Schleife dient als Verschluss und Zierde und passt zum Ohr.
 Die Lammschwänzchen sind etwa 15 cm lang, frei improvisiert und mit etwas Lammstoffrest gefüllt.
Ein bisschen Stoff war noch übrig. Das reichte noch für sieben kurze Hosen. Das achte Schaf bekam eine Hose aus Vlies von seiner eigenen Mama genäht.

Hier ein paar Eindrücke von der Anprobe - die Rasse ist offenbar eine blaubeinige Hanseschnucke.

Schnuckelig!
Und Karneval ist damit auch schon abgehakt. Hurra!

Montag, 18. Dezember 2017

Das Monsterbuch der Monster.

Mitte Oktober wurde Junior endlich getauft.
Je näher der Termin rückte, desto mehr Sorgen machten wir uns, ob er wohl stillsitzen würde.
Das ist ja der Vorteil, wenn man Säuglinge tauft - sie laufen nicht weg. Vielleicht weinen sie, aber sie sitzen, bzw. liegen, notgedrungen still.
Nun gibt es ja genau aus diesem Grund im amerikanischen Bible Belt fleißige und kluge Menschen, die sich ein faszinierendes und vor allem leises Spielzeug ausgedacht haben, mit denen kleine Menschen in großen Kirchen zu beschäftigen sind.
Spielbücher heißen im Original nicht umsonst "Quiet Books".
Und zum Glück gibt es allerlei Anleitungen im Internet, einige davon sogar kostenlos.
So wie bei Teenytinymom - danke!
Ich habe mich für das Monsterbuch entschieden. Das Format habe ich beherzt verkleinert. Reduktion aufs Wesentliche!





Außerdem kann Junior es leichter bedienen, wir können es leichter transportieren, und außerdem hatte ich noch diesen 2-Ring-Ordner hier...

Statt Filz habe ich Stoffreste und Leder genommen. Knöpfe, Hosenträgerverschlüsse, Reißverschlüsse flog hier alles noch herum - nur die Spiegelfolie musste ich kaufen.
Hier sind Augen und der Bauchnabel aus KamSnaps.
Die Seiten sind mit Vlieseline hinterlegt und mit Ösen versehen. So kann man sie einzeln herausnehmen und tauschen.
Leider gibt es bisher nur vier Monster.
Leider, denn das macht echt Spaß!
Zum Glück, denn das frisst echt viel Zeit alles.
:-)

Die Taufe verlief übrigens tadellos. Junior saß brav  auf der Kirchenbank, verfolgte das Geschehen mit großen Augen, und gab bei der Zeremonie keinen Mucks von sich.
Die Monster haben wir nicht einmal ausgepackt...
... aber er spielt natürlich trotzdem damit. Je öfter, desto lieber...
Und ich mache sicher noch mehr. Muss ja nicht immer ein Monster sein.
Und der Ordner braucht noch einen angemessenen Buchumschlag. Vielleicht aus dem roten Zottelflausch? Mit Zähnen?
Kommt Zeit, kommt Rat.

Freitag, 15. Dezember 2017

FO: Copycat

Einer meiner besten Freunde hat einen Lieblingspullover.
Ein Pullover, den er wahrscheinlich besitzt, seitdem ich ihn kenne - zumindest fühlt es sich so an.
Ein grob gestricktes, inzwischen recht ausgeleiertes Lieblingsteil mit Kuschelkragen und in einer nichtssagenden, schlammgrauen Farbe, die zu allem passt.
Und so langsam fällt er auseinander.
Und ja, natürlich kann man den nochmal nachstricken.
Vor allem, wenn man dem wirklich sehr guten Freund damit eine Freude machen kann, denn das kann er - wie jeder von uns - brauchen.
Hier ist das gute Stück.
Merkmale:
Auffälliger wandernder Zopf auf kraus-linkem Hintergrund über echt sehr viele sehr dicke Maschen.
Keine Bündchen.
Relativ kastig geschnitten.
Hoher, vorne offener, geknöpfter Kragen.
30%Wolle, 70% Acryl.
Ich nehme den Pullover mit ins Garn-Geschäft. Ein hoher Acrylanteil ist in mehrfacher Hinsicht sinnvoll: einerseits würde der Pullover aus reiner Wolle (in superbulky) nicht nur wahnsinnig schwer, sondern auch unglaublich warm. Andererseits verträgt der Freund keine reine Wolle.
Ich kaufe 16 Knäuel Lana Grossa Mille II in (gewünschtem) dunkelblau - genau das gleiche Garn in derselben Farbe habe ich für "Borowski" verwendet. (Schade, es gab auch ein wunderbares weinrot ...) Das waren, wie ich jetzt weiß, natürlich 2 Knäuel zu wenig, aber das ist ja immer so.

Der Rest ist im Endeffekt reine Abzählerei - wieviele Maschen pro Reihe, wieviele Reihen, wer zopft sich wann nach wo? Die Zöpfe müssen aufgrund der Dicke auch mit gerichteten Zu-und Abnahmen bewegt werden, einige Male ist mir dabei eine Masche verloren gegangen, aber ich hoffe, das fällt nicht auf.
Das Rückenteil ging schnell. Das Vorderteil zog sich unendlich lange hin. Die dicken Nadeln! So unförmig, so belastend für die Handgelenke! Dieser ent.setz.lich.e Zopf! 8 über 8 in superbulky!
Die Schultern habe ich zusammengehäkelt. Der Kragen war einfach. Die Ärmel habe ich von oben eingestrickt, wenn auch mit sehr flacher Armkugel, weil ich nicht so dicke Nähte wollte. Daher habe ich die Nähte nach dem Waschen und Blocken auch einfach -wie im Original- mit der Nähmaschine genäht. Und dann flach gedämpft.
Er ist mit Absicht etwa 10 Reihen länger als das Original, wirkt aber etwas schmaler - wohl weil er noch nicht getragen und geleiert wurde - und ist deutlich schwerer - die Mille II hat eben einen Wollanteil von 50% statt nur 30%.

Ansonsten bin ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Die Knöpfe für den Kragen muss der Freund selber aussuchen, aber das schafft er. Hoffentlich passt alles. Hoffentlich verträgt er das Garn. Hoffentlich fragt er mich nie wieder nach so etwas.
Frohe Weihnachten!

Die harten Fakten:
Copycat kopiert den vorliegenden Pullover
angefangen:  17. November 2017
fertiggestellt:  03. Dezember 2017
Garn: Lana Grossa Mille II (nachtblau 012)
verbraucht: fast 18 Knäuel
Größe/Maße: wie Vorlage (XL)

Montag, 27. November 2017

Kopieren geht über Studieren. FO: Master Charles für Junior

Früher(TM) habe ich sehr eng an Anleitungen gehangen. Grenzenlos die Bewunderung für Menschen, die eigene Pullover entwerfen konnten! Das  muss doch wahnsinnig schwierig sein! Und wenn man schon nicht selber eine so grundlegende Vorstellung von davon hat, was man produzieren möchte, dass man es aus dem Nichts und etwas Wolle entwerfen könnte - dann wenigstens etwas sehen, was einem gefällt, und das einfach nachstricken können... Traumhaft!
Stellt sich raus, nach nur wenigen Jahren - in meinem Fall etwa 10 - regelmäßigen Strickens ist das gar nicht mehr soo schwierig. Zumindest ist es kein Hexenwerk. Ein aktuelles Beispiel ist Juniors neuester Pullover, den er zu seiner grenzenlosen Freude Gleichgültigkeit zu Weihnachten bekommen wird. (Das Kind ist anderthalb. Papier und Schleife werden in deutlich mehr interessieren.)

Jedenfalls hatte ich schon seit Urzeiten (etwa Juli 2011!) den "Master Charles Sweater" in meiner Zu-Stricken-Liste bei Ravelry. So ein hübscher, klassischer Zopfpullover! Mit Lederflicken! Und dieses Grün! Und zufällig hatte ich von dem grün-braunen Laurits noch 4,5 Knäuel grüne Wolle übrig. Sollte das reichen?
Ich hab's einfach mal ausprobiert.
Allerdings hatte ich keine Lust, die Anleitung zu kaufen - die Zöpfe waren so kompliziert nicht, und für mein dünneres Garn hätte ich ohnehin alles umrechnen müssen. Mit den Erfahrungen von Lavandin - es zahlt sich aus, immer dasselbe Garn zu verstricken -  frisch im Kopf machte ich mich ans Werk. Erstmal studierte ich die Notizen bei Ravelry, wo ich lernte, dass die Passform der Anleitung wohl ohnehin nicht so fantastisch sei - zu kurz, und die Ärmel zu eng.
Ich beschloss, mich einfach an die bei Lavandin verwendeten Zahlen zu halten, um einen diese Saison passenden Pullover zu erhalten. Dann, beginnend mit dem Rückenteil, zählte ich mehr oder weniger ab, wo die Zöpfe anzusiedeln wären, damit sie auf der Schulter enden, und strickte fröhlich darauf los.
glatt links ist auch nicht langweiliger als glatt rechts... mal was anderes.
Unterwegs kam mir die Idee, einmal einen neue Lösung für den dicken Babykopf zu finden - Knöpfe auf der Schulter sind umständlich zu öffnen und zu schließen und auch nicht immer schön. Ich beschloss, den von Baby-Bodies bekannten "amerikanischen" Ausschnitt für die Pulloverstrickerei zu adaptieren.

Dafür druckte ich das entsprechende Musterteil von Schnabelinas Regenbodenbody aus und verwendete das als Vorlage.
Auflegen und vergleichen. 
Wie genau steht in meinen Ravelry-Notizen, aber im Endeffekt liegt das Geheimnis in einer Kombination aus verkürzten Reihen und sehr sorgfältigem Abketten.
Das hat gut funktioniert. Für das Vorderteil musste ich eine kleine Maschenprobe machen um herauszufinden, wieviele Zusatzmaschen ich brauchen würde - das Zopfpaneel würde das Pulloverteil sonst viel zu schmal machen (plus 12 Maschen). Dann einfach Zöpfe über drei Maschen und 8 Reihen stricken, das ging sich wunderbar aus mit den kleineren flankierenden Seilzöpfen (über 2 Maschen und 4 Reihen).
Vorder- und Rückenteil mussten dann gemäß der Markierungen auf dem Schnittmuster so aneinandergenäht werden, dass das Rückenteil die vordere Schulter überlappt, und dann konnte ich die Armkugeln von oben einstricken - 64 Maschen - und ab Achsel alle 8 Reihen 2 abnehmen, 80 Reihen, 44 Maschen.
10 Reihen Bündchen und Seitennähte schließen - Maschenstich für linke Maschen dauert ewig - und dann: fertig! (Ironischerweise ist dieser Pullover, basierend auf den Erfahrungen des Vorgängermodells, sowohl etwas schmaler - wohl durch die Zöpfe - als auch kürzer. Dafür hat er längere Ärmel. Aber das passt ganz gut so.)

Naja, noch nicht ganz fertig, denn es fehlte noch das Tüpfelchen auf dem "I" - Lederflicken! Allerdings hat mich eine dieser hier erwähnten Hosen gelehrt, dass echtes Leder bei häufig gewaschener Kinderkleidung keine gute Idee ist. Im Falle der Hose war es brüchig geworden und hing in Fetzen. Ich entschied mich dafür für synthetische, maschinenwaschbare Bügelflicken aus Velours, die ich etwa hälftig teilte und auf ein Oval mit ca. 8x6cm Größe zurechtschnitt - perfekt! (und einer übrig für ein zweites, ähnliches Projekt!)
Eine kurze Internetrecherche ergab Hinweise zur perfekten Platzierung, nämlich (in diesem Fall) etwa 8 cm vom Ärmelsaum und um 2/3 von der Mitte nach hinten (also Ärmelrückseite) versetzt. Der Flicken soll ja schließlich am Ellbogen sein, und der winkelt sich nach hinten ab. Unter einem Tuch liegend aufgebügelt und anschließend mit der Maschine festgesteppt sollte das eigentlich halten. Jetzt Ärmelnähte schließen und fertig!
Ich bin sehr zufrieden.Tragebilder gibt es dann nach Weihnachten.

Die harten Fakten:
Inspiriert von
Master Charles Sweater by Kate Oates
und meinem Vorgängermodell "Lavandin".
angefangen:  20. September 2017
fertiggestellt:  14. November 2017
Garn:  fairAlpaka Baby Merino 120 Superwash  (grün heather)
verbraucht: 225 g
Größe/Maße:
Brustweite:  28 cm
Saum bis Achsel:  23 cm
Saum bis Schulter: 36 cm
Halsweite:  13-15 cm
Ärmel bis Achsel: 25 cm

Eine erste Anprobe zeigt - das sitzt gut, Ärmel noch etwas lang. Wahrscheinlich eine 92, vielleicht sogar 98.