Samstag, 3. August 2013

Nähen aus Notwehr. Rock mit großen Kreisen.

Die bunte Bloggerwelt ist vielfältig, und mein Feedreader erweitert und verändert sich ständig. Zur Zeit springen immer mehr Nähblogs am Rande meines Aufmerksamkeitshorizontes herum - vor allem Nähblogs, die sich mit Vintage-Mode beschäftigen.
Warum ist Vintage-Mode so interessant für moderne Frauen?
Ich denke, die Antwort ist relativ einfach.
Zwar sind die Schnitte aus dieser Zeit auch nicht unbedingt für Frauen in allen erhältlichen Größen gemacht - wobei ganz offensichtlich früher davon ausgegangen wurde, dass die wichtigsten Techniken der Kleidungsherstellung -inklusive Änderungs-und Anpassungsmaßnahmen- allen Mädchen im Handarbeitsunterricht zumindest einmal erklärt worden waren. (Ich unterstelle einfach mal, dass es dennoch auch damals eine Normalverteilung für Talent und Interesse gab.)
Dennoch sind die meisten Vintage-Schnitte deutlich femininer, man könnte auch sagen: erwachsener, damenhafter, und auch "couture-mäßiger" als die heutigen Schnitte. Zum einen liegt das natürlich an der Mode. Früher freute sich der Backfisch auf den ersten langen Rock, die erste "richtige" Hochsteckfigur etc - Kleidung Erwachsener unterschied sich deutlich von Kinderkleidung und brachte den entsprechenden Status. Heute wollen wir alle möglichst lange jung aussehen, und zwischen 16 und 60 tragen die meisten Menschen ungefähr das gleiche (Businessoutfits vielleicht einmal ausgenommen). Der Freizeitlook ist natürlich bequem, aber bequem ist eben nicht das einzige Kriterium in der Mode.
Zum anderen wurde offenbar Mode für Dreidimensionale Personen produziert - etwas, was die meisten heutigen Designer sich nicht mehr zu trauen scheinen. Ausnahmen bestätigen selbstverständlich die Regel.
Kurzum, die Vintage-Nähbloggerinnen haben meine Aufmerksamkeit erregt, und wenn ich mir so angucke, wie toll sie alle in ihren Kleidern aussehen, dann werde ich immer ein bisschen neidisch.
Ich kann nicht so gut nähen. Also nicht, wenn es gut passen soll.
Ich bin außerdem sehr an bequeme Kleidung gewöhnt. Ich fahre viel Fahrrad, kann nicht in hohen Schuhen laufen und zerreiße Strumpfhosen schon beim Angucken. Und einteilige Kleider gehen gar nicht, weil meine Hüftweite zwei Größen über meiner Brustweite liegt.
Aber, hach!
Einfach so ein Kleid über den Kopf ziehen und fertig angezogen sein...
Wo doch draußen der Sommer lacht, und alle meine -viel  zu warmen - Hosen ohnehin kaputtgegangen sind... Ich sagte ja schon: ich muss nähen...
Na, fangen wir doch erstmal mit einem Rock an.
Röcke habe ich schon früher viel genäht, und ein bewährtes Schnittmuster habe ich auch noch irgendwo.
Das ist es: Neue Mode & Stil Young Collection J 22773
So um 2001 herum habe ich danach mehrere Lieblingsröcke genäht, möglicherweise auch schon noch früher. Ein hübscher, leicht ausgestellter Rock, der das Knie bedeckt. Hinten eine Bahn, vorne drei Bahnen, Reißverschluss an der Seite, knappes Bündchen.
Allerdings nähte ich damals in anderen Größenordnungen als heute - der Schnittbogen ist also in einer für meinen heutigen Bedarf viel zu kleinen Größe zugeschnitten...
Egal!
Ich habe beim Nähen immer schon gerne improvisiert, bis zu einem gewissen Grad kommt man damit ziemlich weit. (Danach scheitert man dann grandios.) Ich habe also den Schnitt einfach die benötigten Zentimeter vom Stoffbruch entfernt angelegt, und so schnell und einfach Weite gewonnen.
Und ja, das passt, ist sogar etwas zu weit und sitzt daher ein wenig sehr auf der Hüfte, aber das passt schon so. "Richtig" war es aber nicht, denn - ich muss ja sowas immer ausprobieren, offenbar kann ich es mir nicht vorher selber denken - natürlich rücken so die Nähte zwischen Vorderteil und seitlichen vorderen Rockbahnen eigentlich zu weit nach außen. Da diese Nähte, wie Abnäher, für die gute Passform sorgen, ist das ganze nicht sooo optimal.
Allerdings: für diesen Zweck reicht es mir.
Und von hinten finde ich es völlig ok.
Der Stoff ist übrigens von Stoff&Stil und reines Polyester. Wie ein sehr fester Futtertaft, und bei extremer Hitze nicht unbedingt kühl am Leib. Aber sehr sehr hübsch, wie ich finde...
Ein guter Anfang.
Nur das mit dem Reißverschluss muss ich wohl noch mal üben...
Das könnte sehr viel besser sein...

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