Mittwoch, 4. Mai 2016

Manfred-Elias, der Rote Baron.

Eigentlich häkele ich ja ganz gerne - uneigentlich denke ich immer, ich könnte es gar nicht. Was mir jetzt wieder aufgefallen ist, dass ich sogar ganz gut häkeln kann, ich weiß nur nicht so recht, was ich tue.
Damit will ich sagen: es ist nicht besonders schwer, ein paar Luftmaschen zu machen und mit dem Haken den Faden durch die Schlaufe zu ziehen. Krebsmasche, Feste Masche, halbe Stäbchen, Stäbchen etc - das sind nur Varianten von "Faden mit Haken durch Masche ziehen". Ich muss nur daran denken, bei jedem neuen geforderten Maschentyp einmal nachzugoogeln, was genau ich denn nun tun soll, dann funktioniert das Ganze einwandfrei.

Quod erat demonstrandum.
Es ging ja darum, das etwas überdimensionierte Spieluhrwerk mit der richtigen Menge an Füllwatte/Spielzeug zu umgeben, so dass man es von außen nicht mehr fühlen, aber noch hören kann.

Dies ist gelungen. Hier seht ihr mal, wie groß dieses Uhrwerk ist.
Ich habe die geometrischen Grundbausteine alle einzeln fertiggehäkelt und dann zusammengenäht, ausgehend vom Flugzeugschwanz und in der Reihenfolge, die die Anleitung vorgibt. Bevor man die Flügel erreicht, darf man das erste Mal ausstopfen. Zum Glück hatte ich hier noch ein nagelneues aber unbenötigtes Ikea-Kissen-Inlet herumliegen, das ich für diesen Zweck fast vollständig ausgeweidet habe. Dann folgen die Flügel und das (hier:) dunkelblau gehaltene Cockpit, bevor es an die Flugzeugspitze geht. Aus Gründen der Balance schien es mir ratsam, das Spieluhrwerk ziemlich genau unter dem Cockpit unterzubringen.

An dieser Stelle ist es auch relativ weit weg von jedweder Außenkante. Die Aufziehschnur habe ich durch das Zentrum der zentralen blauen Blume gezogen und dann mit der mitgelieferten Zugscheibe gesichert - eine dicke Holzperle hätte es sicher auch getan. Weiter ordentlich Watte drumherumstopfen und das Flugzeug fertig nähen.
So sah das schon richtig gut aus, und das war der Moment, an dem wir anfingen, uns ernsthaft Gedanken über den Piloten zu machen.

Es war aber auch der Moment, an dem mir aufging, dass ich ein Monster geschaffen habe.
Die Anleitung geht von Sockenwolle aus und deutet Maße von etwa 35x35 cm an. Da ich dickeres Garn gewählt hatte, habe ich eine Flügelspannweite von etwa 55 cm
und von der Spitze bis zum Schwanz sind es mehr als 45 cm.
Na, wenigstens kann dieses Spielzeug nicht versehentlich verschluckt werden.
Propeller und Esel waren dann relativ schnell fertig - für den Esel habe ich das ursprüngliche Zebra der Anleitung ja nur in der Farbgebung etwas abwandeln müssen.
 Dazu bekam er noch einen feschen Fliegerschal, den ich nicht nur festgeknotet, sondern auch festgenäht habe. Er soll ja im Flugwind nicht verloren gehen. Und da ich letzte Woche, während des unerwarteten Wintereinbruchs, einen sonnigen aber sehr windigen Nachmittag ohne Schal unterwegs gewesen war, weiß ich, wie wichtig ein warmer Hals ist! (Hatschi)
Insgesamt bin ich sehr zufrieden.
Und Manfred-Elias - so heißt der Esel - ist auch begeistert.
Ohne Höhenruder wird das Monstrum allerdings niemals fliegen, möglicherweise muss ich da also nochmal etwas improvisierend nacharbeiten.
Fazit:
Die Anleitung für Eddie Lives the Dream African Flower Crochet Pattern von Heidi Bears ist mit fast 7 Euro nicht ganz billig. Dafür ist sie extrem umfangreich und ausführlich, dabei immer noch übersichtlich. Zahlreiche Fotos führen Dich Schritt für Schritt durch die Konstruktion, bis aus einem Stapel Vier-, Fünf-, Sechs-, und Siebenecke wundersamerweise ein Flugzeug entsteht.
Ich fand es leichter, die fertigen Grundbausteine zusammenzunähen, aber wer will, dem wird auch erklärt, wie man sie nacheinander aneinanderhäkelt. Es gibt ja Menschen, die können mit Nähnadeln nicht so gut. Für so ein komplexes Projekt wird man also sehr eng an die Hand genommen, zusätzliche Hinweise und Tutorials gibt es auf Heidi Bears Website und in ihrer Ravelry-Gruppe. Die Anleitung ist ihr Geld auf jeden Fall wert.
Mein Garn ist ein hundertprozentiges Acrylgarn (Wolle Rödel Universal Acrylic), das mir wegen der leuchtenden Farben gut gefallen hat. Sicher spart es auch etwas Gewicht und wäre gut waschbar, wenn das Spielwerk nicht wäre. Ich habe die fertigen Teilstücke beim Zusammennähen vorsichtig mit dem Bügeleisen gedämpft, das hat das Garn nicht nur glatter, sondern auch weicher gemacht. Von der roten Hauptfarbe habe ich fast 2 Knäuel verbraucht, vom blauen und weißen sind jeweils noch etwa 10 g übrig. Den Esel habe ich nicht gewogen, ich schätze etwa 30g, weiß es aber nicht.

Die harten Fakten:
Eddie Lives the Dream African Flower Crochet Pattern by Heidi Bears
angefangen: 19. April 2016
fertiggestellt:  30. April 2016
Garn: Wolle Rödel Universal Acrylic in rot (5705), blau (5735) und weiß (5780), sowie ein Rest schwarz für Hufe und Ohren und etwas graue HWF Merino/Baumwolle (doppelt genommen) für den Esel.
verbraucht: rot: 95g, weiß: 39g, blau: 40g, grau: ?
Größe/Maße: 55 cm Flügelspannweite, 45 cm Nase-Schwanz
Nadeln: Prym Häkelnadel 3 mm
weiteres Material: Stopfnadel/dicke Sticknadel zum Vernähen, Füllwatte, Spieluhrwerk
Kosten: Tja. Garn (pro Knäuel 2 Euro) - etwa vier Knäuele sind 8 Euro, plus Spieluhrwerk - etwa 12 Euro, plus Ikea-Kissen und Rest graues Garn... 25 Euro, ungefähr?

Kommentare:

  1. Ich bin gebührend beeindruckt! Manfred-Elias ist ein würdiger Pilot für dieses Flugzeug. Und der Schal - einfach fesch! Steht ihm gut.

    Die Beschreibung deiner Häkelkenntnisse könnte auch auf mich passen. Ich hab nur nicht die Geduld, immer nachzugucken, was denn nun von mir verlangt wird...

    LG
    Connie

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  2. Liebe Frau P.,
    dass wurde aber auch Zeit :-)
    Wenn es noch ein Ticket für den Jungfernflug dieses A 3 8 0 gibt, dann hätte ich gerne eines. Ich würde sogar einen Testflug ohne Leitwerk nehmen. Einzige Bedingung, ich möchte den Platz direkt hinter Manfred-Elias.
    Apropos: Ich sehe weder Fahrwerk, Kufen, Wasserski o.ä. Sind nur „Bauchlandungen“ geplant und was ist mit Gurtpflicht am Himmel? *schluck
    Liebe Grüße
    Tine

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  3. super geworden. bin begeistert! und der esel ist auch klasse.
    was spielt denn die spieluhr?

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    1. Dankeschön!
      Der fliegende Esel singt-angemessen bildungsbürgerlich- "voi che sapete" aus Mozarts Nozze di Figaro...

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