Mittwoch, 7. August 2013

Nähen aus Notwehr: Jerseykleid.

Stoff und Stil hat ja schon sehr schöne Stoffe.
Zum Beispiel gab es da einen weißen Jerseystoff mit dunkelblauen Blumen - so Blumen, wie sie auf dänischem Porzellan zu finden sind. Ferienstoff, aber ohne chi-chi. Und schön breit lag der auch - da habe ich mir gleich mal 2 m bestellt.
Und dann dachte ich: ich will ein Kleid. Ein einfaches Kleid, über den Kopf ziehen und fertig - wie ein T-Shirt, ohne Verschlüsse und nix. Und wenn es nichts wird, habe ich wenigstens vielleicht ein neues Nachthemd.
Als Schnitt dachte ich an Vogue easy 8413, ein Schnitt, den ich wahrscheinlich so um 2007 herum gekauft habe - zumindest erinnere ich mich deutlich, im Winter 2007/08 einen Strickstoff damit verarbeit zu haben.
Der Schnitt erlaubt allerlei Variationen für die Ärmel und den Kragen, aber im Endeffekt läuft es auf zwei Grundvarianten heraus. Schmaler Rock mit kleinen Kellerfalten und Oberteil mit Prinzessnähten, oder gleicher Rock und Oberteil mit Wasserfallkragen.
Für mein Jerseykleid entschied ich mich für die Variante mit dem Wasserfallkragen (A oder B, aber andere Ärmel)- Jersey ist ein fließender Stoff, das Oberteil hat automatisch mehr Weite (über den Kopf ziehen! fertig sein!) und ich muss mich nicht mit der korrekten Paßform für ein "richtiges" Oberteil herumschlagen.
Und obwohl ich wieder geschludert und aus dem letzten Abenteuer offenbar nichts gelernt hatte, bin ich  ziemlich  zufrieden:
Nix gelernt aus, bzw am gleichen Tag zugeschnitten wie der Rock mit den großen Punkten, das heißt vor allen Dingen: die gleichen Fehler gemacht, nämlich Weite gewonnen über das Anlegen entfernter vom Stoffbruch. Für den Rock ist das egal, die Weit kann ich ja durch Falten und/oder Abnäher wieder einholen. Aber natürlich führt die Methode beim Oberteil dazu, dass die Schultern nach außen rutschen, und der Wasserfallkragen sehr sehr offenherzig wird... Außerdem hatte ich nicht aufgepasst, dass das Oberteil zwecks weicherem Fall eigentlich schräg zum Fadenlauf zugeschnitten werden sollte...
Glücklicherweise ist die Weite ein Problem, dass man mit einer geschickt angebrachten Sicherheitsnadel leicht lösen kann.
Im Gegenteil, die Raffung führt zu einem raffinierten assymetrischen Ausschnitt, und da die Sicherheitsnadel unter einer selbstgemachten Stoffrest-Brosche verborgen ist... und der steifere Fall wird hier zum Vorteil. Also, kein Fehler, sondern ein Designelement! (Man kann ja auch mal Glück haben beim schlampig arbeiten Improvisieren...)
Auch die Ärmel konnte ich retten:
Obwohl die Armkugel wegen der Verschiebung zum Stoffbruch natürlich überhaupt gar nicht mehr passen konnte, war ein ordentliches Einnähen mithilfe einer Kellerfalte an der Schulter sogar ziemlich einfach, und passt auch ganz gut zum Kleid.
Nur von hinten
sieht man deutlich, dass der Rücken zu viel Weite hat -- auch er wurde ja parallel zu einem Stoffbruch zugeschnitten. Glücklicherweise täuschen sowohl das Material als auch das Muster über den Fehler hinweg, sodass ich nun ein rundum gut sitzendes, wahnsinnig bequemes T-Shirt Kleid habe, das überhaupt nicht an Nachtwäsche erinnert. Und knitterfrei (Koffer! Sommer! Reisen!) ist es auch!
Ich brauche gleich noch so eins!




Kommentare:

  1. Ich finde die Raffung am Ausschnitt sieht sehr gut aus. Wie gewollt. :-)
    Viel Spass mit dem neuen Kleid!

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