Donnerstag, 13. Juni 2013

Hacke, Spitze, Hacke, Spitze -- ein Tutorial für Kniestrümpfe. (Teil 1)

Menschen im Internet (z. B.) stricken Kniestrümpfe oder haben es vor. Genau wie ich! Schon fühle ich mich weniger allein. Danke, Internet!
Zum Teil sind das Menschen, die ohne zu zögern die kompliziertesten Lace-Schals anschlagen und perfekt sitzende Jäckchen stricken, aber sich von dem Wort "Strumpf" (wahlweise "Socke") fürchten wie das Kaninchen vor der Schlange. Zum Glück hat mir, als ich irgendwann das Stricken anfing, niemand gesagt, dass Socken schwierig sind, (oder gar die "Königsdisziplin" - wie ich neulich mal in irgendeiner Zeitung las) und so konnte ich angstfrei losstricken und besaß wenig später dicke warme Bettsocken.
Irgendwann habe ich mich mal gefragt, was der ganze Buhei um das Stricken von der Spitze aus soll - bei "normalen" Socken ist das wahrscheinlich Jacke wie Hose, aber bei Kniestrümpfen hat es mir sofort eingeleuchtet. Zum einen kann man seine Wolle viel bessser einteilen. Zum anderen kann man zwischendrin mehrfach anprobieren, etwas was ich für Wadenspickel deutlich wichtiger finde als für Fersenspickel (die ich verabscheue häufig vergesse). Zum dritten ist es wirklich angenehm, keine Naht in irgendeiner Form vorne in der Stiefelspitze zu haben.
Und außerdem ist es so einfach! Der einfachste Anschlag von allen!

So geht's:
Man nehme
  • Wolle/Strickgarn
  • 1 oder 2 Rundstricknadeln (40 cm)
Beim Stricken von der Spitze aus bietet sich ein Nadelspiel wirklich nicht an, aber man kann später natürlich wechseln, wenn man will. Persönlich finde ich Strumpfstricken mit Zauberschlinge einfacher.
Bei einer Rundstricknadel nutzt man die Zauberschlinge (Magic Loop) - eine Schlaufe an beiden Seiten des Strickstücks. Bei zwei Rundstricknadeln hat man die Gesamtmaschenzahl auf zwei Nadeln verteilt, strickt aber immer nur von einer Nadel (mit Spitze 1b von Spitze 1a), die andere Nadel (Spitzen 2a und 2b) ruht. Wenn man dabei bspw. eine Holznadel und eine Metallnadel nutzt, kommt man nicht so leicht durcheinander...
Und jetzt: los! man hält die Nadelspitzen (entweder der gleichen Rundstricknadel; oder Nadel 1a und 2a) parallel und macht einen einfachen Knoten, allerdings (anders als im Bild) um die untere der beiden Nadelspitzen.

wichtig! Knoten unten. (anders als im Bild)
 Dann wickelt man den Faden fest, aber nicht zu fest, um beide Nadelspitzen herum, bis die gewünschte Maschenzahl erreicht ist. Beispielsweise beginnt bei meinen Eisblumen-Strümpfen die Spitze mit 2x12 Maschen - ich wickele also 12 mal um beide Nadelspitzen. Ganz einfach wickeln, das können sogar Anfänger!
Wichtig: wegen Foto ist auch hier wieder alles falsch - der Noten sollte unten sein! 12 Wickelschlingen stimmt aber
 Jetzt gut aufpassen, dass die Fadenspannung stimmt - Faden wie gewohnt auf die linke Hand nehmen (ich setze hier jetzt mal den "deutschen Normalfall = rechtshändige Kontinentalstricker" voraus), und die untere Nadelspitze vorsichtig nach rechts - in Richtung der Spitze - herausziehen. Die Wickel schlingen sich jetzt halb um eine Nadelspitze (oben, linke Hand) und halb um das Kabel der unteren Nadel. Das ist wichtig, weil das Kabel in der Regel dünner ist als die Spitze - wir gewinnen hier etwas Luft, um die Maschen abzustricken, ohne dass es später zu locker wird. Bei der Magic Loop Technik wird jetzt mit dieser Spitze gestrickt, bei der 2-Nadel-Technik hängt die untere Nadel dumm herum und man greift zu Nadel 1b).
 Jetzt kann man die Maschen ganz einfach rechts abstricken.
 Seht Ihr? Der Knoten sitzt jetzt auf dem Kabel (unten links), und das Rechts-Abstricken verdreht die Schlingen zu einer 8, sodass sie festsitzen.
 Die erste Nadelspitze ist abgestrickt, hier kann man gut erkennen, wie das Kabel die Zauberschlinge formt.
 Jetzt wenden: ich drehe die Nadeln um und ziehe das Kabel vorsichtig so zurück, dass die unteren (noch nicht gestrickten Maschen) wieder auf die Spitze kommen. Die abgestrickte Spitze ziehe ich zugleich so nach vorne, dass nun die bereits gestrickten Maschen auf dem Kabel ruhen.
Nun stricke ich die zweite Nadel(spitze) rechts verschränkt ab - seht Ihr, wie die Maschen aufliegen? Durch das verschränkte Abstricken (also hinten in die Masche stricken) sitzen alle Maschen ab der nächsten Runde richtig. Den Knoten kann ich jetzt übrigens vorsichtig lösen.

Ist doch ganz einfach, oder? 
So geht das jetzt immer weiter, und weil ich nur zwei Nadeln habe, muss ich mir nicht immer merken, wo ich für die Spitze zunehmen muss... Die eine Nadel hält die Maschen für die Sohle, die andere für den Oberfuß. Einfach immer nach der ersten und vor der letzten Masche auf jeder Nadel die entsprechenden Zunahmen machen, und fertig ist die Bandspitze!

Wer mag, kann jetzt zum Nadelspiel wechseln. Oder eben weitermachen.

Und während die anderen Internet-Menschen ihre Kniestrümpfe stricken, stricke ich auch welche - der zweite Strumpf "Eisblumen" inklusive Überprüfung der Anleitung steht ja noch aus, und da die Lopi-Jacke inzwischen zu groß ist, um mit mir auf Reisen zu gehen, fährt der Strumpf jetzt immer mit. Es geht nicht besonders schnell - man hat ja auch wirklich gerade besseres zu tun (Sonne genießen und so) - aber wenn ich bei der Ferse ankomme, verrate ich Euch wieder, wie ich das mache.
Bis dahin: Glückauf!

Kommentare:

  1. Du hast den türkischen Anschlag super erklärt. Ich stricke seit Jahren Socken nur so. Allerdings immer zwei auf einer Rundstricknadel gleichzeitig.
    Kniestrümfe habe ich dagegen noch nie gestrickt. Bin gespannt auf deine.
    LG
    Daniela aus OWL

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  2. Hallo Daniela, normalerweise würde ich auch zwei auf einer Nadel stricken - aber ich hantiere pro Strumpf mit vier Knäuelen Wolle, und es gibt für alles Grenzen - das wäre ein einziger großer Garnknoten!
    Außerdem teste ich ja ein (eigenes) Muster, da ist es besser, beim zweiten Strumpf vom ersten zu lernen (und zugleich die eigene Anleitung testzustricken...)
    :-)

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