Freitag, 19. Februar 2010

Norwegermarathon. Mehr Überlegungen zu Steeks.

Steeks. Es klingt unangenehm, geradezu "falsch", etwas gestricktes aufzuschneiden. Es ist gegen meinen Instinkt.
Andererseits: viele Menschen in vielen (Stricker-)Kulturen tun es, viele tun es schon seit langer Zeit, immer wieder und aus Überzeugung. Das Prinzip scheint sich bewährt zu haben, die Vorteile liegen auf der Hand.
Dass ich "es" eines Tages selbst tun würde, war seit langem klar. Es war daher einer der Reize des aktuellen Norwegermarathons endlich steeken zu lernen. Allerdings liegt genau hier (beim aktuellen Projekt) auch eines der Probleme: was ich bisher gelesen hatte (Eunny), bezog sich auf traditionelle Fair-Isle Strickerei. Die meisten Stricker machen zwar offenbar keine genauen Unterschiede zwischen den verschiedenen Intarsien- oder Mehrfarb-Gestricken, aber wenn es um Steeks geht, lohnt es sich m. E. etwas auf Details zu achten. Und das allerwichtigste Detail im Moment ist meine Wolle: Drops Karisma ist nämlich ein Superwash-Garn. Voraussetzung für alle von Eunny beschriebenen Steeks ist aber, dass die Wolle sich verfilzt, möglichst schon vor dem Waschen...Ihre Abneigung gegen das steeken mit der Nähmaschine leuchtet mir in der Theorie zwar ein, in der Praxis bleibt mir aber aufgrund der Wolle gar keine Wahl. Und Strickerinnen aus aller Welt (auch in meinen Kommentaren) versichern mir, dass es funktioniert. Das ist also entschieden: meine Steeks werden mit der Maschine genäht.

Auch sonst habe ich mich nach einigen weiteren Internet-Recherchen dafür entschieden, mich an die "vorgeschriebene" norwegische Methode zu halten, einen traditionellen, nahtlosen Fair-Isle-Steek à la Eunny verschiebe ich daher auf unbestimmte Zeit und ein anderes Projekt.
Da meine deutsche Drops Anleitung aber wie erwähnt etwas kryptisch ist, brauchte ich mehr Infos und vielleicht neue Tutorials...

Das hat mir weitergeholfen:
1. Variationen der Anleitung: Zum Glück kann ich ausländisch - Drops bietet nämlich die Anleitung auch auf Englisch an, und die habe ich zum Vergleich neben mir liegen. Und tatsächlich enthält sie wertvolle ergänzende Informationen: Zum Beispiel soll der Mustersatz 3 "ab dem Pfeil" gestrickt werden.
 
Pfeile ohne Größenangabe
 In der deutschen Anleitung fehlt die Information, welcher der vier Pfeile der jeweiligen Größe entspricht. Schon deshalb hätte ich zu diesem Zeitpunkt die englische Version gebraucht...

  Pfeile mit Größenangabe
(Update: offenbar wurde die deutsche Grafik ergänzt, seit ich die Anleitung ausgedruckt  habe) Aber auch was die Steeks angeht scheint sie mir etwas klarer formuliert.

2.Mehr Tutorials spezifisch zu Norwegischen Steeks:
(Ich beziehe mich im Folgenden auf zwei Bild-Tutorials von Wendy Johnson - nicht so sehr wegen der guten Erklärungen als wegen der Fotos... Ich hoffe, sie hat nichts gegen meine Übersetzung und Zusammenfassung Ihrer Tutorials, aber ich habe aus offensichtlichen Gründen keine eigenen Fotos zu bieten. Und ich gebe ja auch brav die Quellen an... )
Die Hauptunterschiede sind offenbar:
a) bei Fair Isle Steeks strickt man zusätzliche Maschen ausserhalb des Musters, die später aufgeschnitten werden; Absteppen per Maschine, per Hand oder per Häkelnadel ist optional, je nach der verwendeten Wolle
 
 Der Steek hat ein deutlich anderes Muster, das die Fäden eng verwebt


-- bei Norwegischen Steeks schneidet man hingegen direkt in das Gewebe des Körpers, natürlich nach dem Absteppen mit der Nähmaschine:
 
Mitten rein!



Und dann mutig schneiden!

b) bei Fair-Isle Steeks werden Ärmel rund ums Loch aufgenommen (bzw. stillgelegte Maschen wieder aufgenommen) und dann gleich angestrickt - kein Nähen!
 
Die Maschen werden aus der Randmasche des Steeks aufgenommen, die in der Hauptfarbe 
gestrickt wurde, damit es unauffällig bleibt


-- bei  Norwegischen Steeks werden die Schlitze ja direkt ins Material geschnitten, daher gibt es auch keine stillgelegten Maschen. Stattdessen werden die Ärmel separat gestrickt und dann eingesetzt, mit einer geschickten kleinen Blende, die später die Naht des Steeks versäubern wird.

 
Schick versäubert!

Wendy Johnson hat's erklärt:
http://www.knitty.com/ISSUEspring03/FEATsteeks.html
http://www.wendyjohnson.net/knit/dale_steeks.htm
http://www.wendyjohnson.net/dale/steek.htm
http://wendyjohnson.net/fairisle/steek.htm
http://wendyjohnson.net/lusk/luskie_neckband.htm

Wo genau die Maschinennaht verlaufen soll, kann man außerdem hier ganz gut erkennen:
Und hier soll geschnitten werden- mitten durch die Masche statt zwischen zwei Maschen:

(Grafiken von hier: http://eu.dummies.com/how-to/content/how-to-make-steeks-for-cutting-after-knitting-in-t.navId-380591.html)

Meine Drops Anleitung sieht offenbar eine Mischform vor: Für das Ärmelloch soll zwar keine Masche abgekettelt oder stillgelegt werden, aber ich soll vier zusätzliche Maschen aufnehmen, die dann nachher aufgeschnitten werden. Dadurch entsteht eine Art Nahtzugabe, die hilft, die Beanspruchung der späteren Naht abzufedern. Ich nehme an, das Versäubern wird dadurch auch erleichtert. Der Ärmel wird separat (aber immerhin in der Runde) gestrickt, mit der beschriebenen Blende. Auch für den Schlitz am Halsausschnitt sollen Maschen abgekettelt und dann Steekmaschen aufgenommen werden, die später aufgeschnitten werden. Mindestens bis zu den Halsausschnitt-Abnahmen kann daher in der Runde gestrickt werden.
Na, dann mal los.
Am Wochenende kann ich hoffentlich Fotos vom Fortschritt zeigen.

Kommentare:

  1. Oh mein Gott, wie kompliziert das wirkt. Glaube solche Steeks werde ich bestimmt nie stricken, finde das super verwirrend. Welche Vorteil haben die Steeks denn eigentlich? Das sieht doch bestimmt genau so aus, wenn du normale Armauschnitte machst, oder nicht?

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  2. Eigentlich ist es gar nicht sooo kompliziert - ich bin nur so schweine-genau, wenn ich etwas neues ausprobiere und niemanden neben mir sitzen habe, der es mir erklären kann...
    Und wenn man schneidet, darf es ja nicht aufribbeln - insofern ist ein bisschen Recherche vorher für mich ganz beruhigend - ich weiß dann, was ich tue.
    Und der enorme Vorteil ist, dass man eben hübsch rund weiterstricken kann bis ganz zum Schluß:
    1. rechte Maschen gehen schneller
    2. ich kann das Muster immer sehen
    3. das Muster läuft kontinuierlich durch
    4. ich muss NICHTS (naja. fast nichts) vernähen...
    -- was ist da schon ein kleiner Schnitt, später? :-)

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  3. Hast du es schon ausprobiert? Könnte mir vorstellen, dass es, wenn man von oben nach unten schneidet, also der Länge nach, gar nicht so gefährlich ist, dass etwas aufgeht. Die Maschen daneben werden durch die Naht gut abgesichert, das müsste schon klappen. Faszinierend finde ich auch diese Technik mit dem Anstricken. Werde wohl noch deinen Erfahrungsbericht abwarten. Das funktioniert doch sicher auch bei Nicht-Fair-Isle-Pullovern? Hm.
    Liebe Grüße von Margot

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  4. Liebe Margot,
    nein, noch habe ich nichts geschnitten - ich werde damit wohl auch bis ganz zum Schluss warten, also bis ich die Ärmel fertig habe, damit ich den Schnitt dann sofort durch das Einsetzen der Ärmel versäubern kann. Mir ist nicht wohl bei dem Gedanken, angeschnittene Strickstücke zu lange in meiner Wohnung herumliegen zu haben... :-)
    Ich werde alles genau berichten!

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  5. Mich interessiert das Thema auch, wird schon vor dem Aufschneiden mit der Nähmaschine auf beiden Seiten abgesteppt?

    Danke und schöne Grüsse von Uta

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    1. Liebe Uta, Ganz genau! Es muss auf jeden Fall vor dem Schneiden die Naht gesichert werden. Lies weiter, es wird genau erklärt...es gibt ja noch mehr Post zum Thema und insgesamt 4 Pullover...

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