Donnerstag, 27. April 2017

Übergangsjacke. Janker in Größe 86.

Übergangsjacke ist ja auch so ein deutsches Wort.
Vielleicht sogar ein deutsches Phänomen.
In anderen Sprachen habe ich jedenfalls noch kein Äquivalent gehört.
Aber natürlich ist es sinnvoll, wenn auch Junior nicht nur eine bequeme, krabbeltaugliche Jacke für die tiefen Temperaturen hat, sondern auch für dieses blöde, usselige Aprilwetter, bei dem es in der Sonne schon warm, im Wolkenschatten und im Wind aber doch erst um die 10°C sind.
Die wunderbaren Walkjankerchen aus alten gefilzten Pullovern habe ich leider schon alle verschenkt - und nicht nur das, die entsprechend Beschenkten haben alle inzwischen jüngere Geschwisterchen. Diese Jacken werden daher wohl nicht (rechtzeitig) zu uns zurückkehren.
Das macht aber nichts, denn erstens waren die noch etwa zwei Nummern zu groß, könnten wir also erst nächstes Jahr brauchen. Und zweitens habe ich ja noch mehr Pullover in der Kiste.
Zum Beispiel besaß ich im Winter 2011 eine wunderbare feuerrote Merinostrickjacke mit Zöpfen von P&C in der Damengröße XXL (was wahrscheinlich eine 44 ist). Jedenfalls war sie mir schon lange viel zu klein und zudem an den Ellbogen durchgescheuert und so ging sie den Weg gekaufter Wollsachen in diesem Haushalt - ab in die Waschmaschine zu Filzen.
So geschrumpft waren die Ärmel immer noch zu lang, und die Jacke zu weit - aber Junior konnte sie sogar schon übergangsweise anziehen, um damit durch den Dreck zu kriechen.
Letztes Wochenende nahm ich mir dann endlich einmal das Schnittmuster (Burda kids 9456) vor und habe endlich einen vernünftige Kinderjacke aus dem alten Fetzen gemacht.
Ich wollte meine gefilzte Jacke diesmal nicht auseinanderschneiden - daher habe ich nur die Ärmel gemäß Schnittmuster auf Größe 86 gekürzt. Die Knopfleisten konnten weg. Die Mehrweite im Rücken habe ich zu einer Kellerfalte gelegt und etwa 4 cm tief festgesteppt.
Das Bündchen unten habe ich ebenfalls abgeschnitten und daraus einen Kragen gefertigt. Alles wie gewohnt in Tressenband eingefasst. Die Krageninnennaht versäubert und verziert wieder das karierte Webband. Einen Aufhänger habe ich auch noch gefunden. 
Die fantastischen Münzknöpfe sind aus der Knopfkiste und wahrscheinlich noch von meiner Großmutter - oder noch älter.
Die Ärmel habe ich zum einfacheren Anziehen und Krempeln mit Schlitzen versehen, die nach dem Versäubern per Hand festgenäht sind. 
Dafür gibt es diesmal keine Taschen. Alles in allem das Werk eines Sonntagabends. Was man halt so macht, wenn man NICHT den Tatort sieht. Die Jacke passt prima und steht Junior wunderbar. Muss ja auch nicht immer alles blau sein. Oder norddeutsch.

Montag, 24. April 2017

Spielhose.

Bisher war ja Winter.
Bisher konnte das Kind auch nicht krabbeln.
Seit Junior aber krabbelt, und seit das Wetter besser ist, möchte man ihm ja auch mal etwas Spaß in der freien Natur gönnen.
Eine Matschhose haben wir aber noch nicht im Haus - war einfach bisher nicht nötig.
Für den Übergang - oder besser, zum Spielen im Dreck/Sand, aber wenn es trocken ist - habe ich daher einfach eine Spielhose gebastelt.
Im Internet fand ich eine kostenlose Anleitung für eine Latzhose - hier, es ist die Latzhose "Florian" von "Schnittchen".Der Schnitt besticht durch die wenigen Nähte. Ich habe ihn zwei Nummern größer zugeschnitten und die Beine nochmal um 3 cm verlängert. So kann ich die Hosenbeine einfach unten zunähen und muss dem Noch-Nicht-Läufer keine Krabbelüberschuhe anziehen.
Wenn es zu kurz wird, kann ich wieder auftrennen und umkrempeln oder säumen. Das bewährt sich noch ganz gut.
Der Stoff ist ein Rest teflonbeschichteter Markisenstoff, den ich für die neubezogenen Gartenmöbelkissen vor zwei Jahren benutzt habe. Hatte ich offenbar gar nicht gebloggt. Ups.
Jedenfalls kann der Stoff Dreck ab, sogar etwas Feuchtigkeit - Wasser perlt erstmal ab, aber wenn Junior damit länger durchs nasse Gras robben würde, wäre es natürlich nicht dicht.
Zufälligerweise passte das blaue Vögelchen des lange gehüteten Restes eines Lieblingsstoffes genau zur Hose. Daraus habe ich Junior ein paar Taschen spendiert. Falls er etwas Wichtiges findet - Steine oder Stöckchen oder so. Eine Seitennaht gibt es zwar nicht, aber eine Bügelfalte hilft beim Platzieren.
Erst wollte ich die Hose komplett mit Jersey füttern, habe mich dann aber dagegen entschieden. Auch den Beleg am Latz habe ich weggelassen, stattdessen alle Kanten mit ebenfalls zum Lieblingsstoffrest passenden Schrägband versäubert. Die Träger sind aus breitem Miedergummi, dann braucht es auch keine Verschlüsse. Die stören nur.
Der Gummizug im Rücken wäre wahrscheinlich gar nicht nötig gewesen - wenn er seine normale Kleidung (Strumpfhose, Hose) darunter trägt, rutscht die Hose nicht. 
Als Sandkastenhose bewährt sich das System, vielleicht folgt noch ein zweites Modell.
Eine wasserfeste Matschhose brauchen wir aber trotzdem noch.
Für Regenwetter, Pfützen und nassen Rasen.

Freitag, 14. April 2017

Was nicht passt, wird passend gemacht.

Der schlabbrige Sehr Grüne Pullover hat heute eine neue Passform erhalten.
Ich habe ihn auf links gedreht und -ausgehend von der neubemessenen Armlochgröße- mit deutlich sichtbarem Heftfaden an den Seitennähten, der Achsel und der Ärmelnaht jeweils etwa 4 cm (!) weggenommen. Da die Ärmel von oben eingestrickt wurden, kam ein Heraustrennen nicht in Frage. So schien mir das der einfachste Weg.
Eine kurze Anprobe wurde vom Meinigen abgenickt.
Und dann habe ich knallhart mit der Maschine knapp ausserhalb der Heftnaht in einem Zug drübergenäht -einmal Elastikstich, und zur Sicherheit noch einmal den geschlossenen Overlockstich danebengesetzt.

Und dann weggeschnitten. Um 55g Wolle -mehr als ein Knäuel-  ist er dabei leichter geworden!
Zugegeben, er sitzt jetzt wieder mit, äh, etwas  "negative  ease"... aber  in diesem Fall ist eng tatsächlich besser als ausgeleiert. Und bis zum Herbst sollten die sich abzeichnenden Speckrollen ja weg sein. Sollte ich dann noch einmal ändern müssen/können, werde ich versuchen, innerhalb der Abnäher etwas wegzunehmen, denn die sind jetzt natürlich stark an den Rand gerutscht.
Und weil es so schön einfach war, habe ich vom geliebten lila Pullover auch gleich noch je 2cm entfernt. Sitzt doch gleich alles viel besser. Fühlt man sich doch gleich viel wohler...

(Fotos und Links editiere ich später. Geht am Handy nicht...)
(EDIT: geschehen)
 
 
 

Montag, 3. April 2017

One size fits all. WIP: Childhood Memories.

Du musst auch mal an Dich denken, schallt es mir aus der Kommentarsektion entgegen, und wo Ihr recht habt, habt Ihr recht.
Allerdings bin ich ja dabei, Rüstungen und Panzer abzulegen, und tatsächlich richtig viel abzunehmen. Wer hat da schon Lust, viel Zeit in eine "Zwischengröße" zu investieren? Schlimm genug, dass Junior ruckzuck aus allem rauswächst!
Also ein Tuch.
Das Garn gut abgelagert und rot! Eine Farbe, die ich mehr als vier Jahre gemieden habe. Wie bei der orangen Ärmelkante sitzt irgendwo ein Kunsttherapeut und ist stolz auf mich. (Wahrscheinlich. Wenn er davon wüsste...)
Es ist auch als tuch-tauglich erprobt und wird erwiesenermaßen nach dem Waschen aufflauschen.
Ich verarbeite es in Lace-Stärke mit 3,75 mm Nadeln und komme gut klar.
Die Anleitung gefällt mir auch gut, obwohl ich lange Zeit Vorbehalte gegen Dreieckstücher hatte. Hier nicht.
Das (bisherige) Muster ist simpel, aber effektiv. Ich stehe allerdings kurz vor dem Musterwechsel und freue mich auf die Abwechslung.

EDIT: einige Links ergänzt, Photos bearbeitet und richtig platziert.

Dienstag, 28. März 2017

Bewährungsprobe. Stoker.

Vor drei Jahren brauchte ich eine Rüstung.
Etwas, das ich zwischen mein überempfindliches Ich und die böse kalte Welt stellen konnte.
Aus für mich völlig naheliegenden Gründen hieß das: ein sehr sehr grüner Pullover mit riesigem Rollkragen - Stoker.
Diese Rüstung Diesen Pullover habe ich nun drei Jahre lang sehr gern, seh viel und sehr regelmäßig getragen. Sehr viel und sehr regelmäßig auch deshalb, weil ich eigentlich nur drei (passende) Pullover besitze. Drei Jahre Dauereinsatz hinterlassen natürlich ihre Spuren.
Und so fand ich mich neulich mit spontan aufribbelnden Ärmelbündchen wieder.
Eigentlich nicht überraschend, dass diese Kante als erstes aufgibt. Da ich die Ärmel von oben einstrickt habe, war es aber ein leichtes, die Maschen aufzufangen und die Kante neu zu stricken. Allerdings war die restliche sehr grüne Wolle für diverse andere Projekte draufgegangen.
Macht aber nichts - aus den gleichen für mich völlig naheliegenden Gründen, aus denen der Pullover sehr sehr grün sein musste, wusste ich auch, dass die neue Bündchenkante orange sein würde.
Zum Glück hatte ich noch etwas Sockenwolle da, die ich doppelt nehmen konnte.
Der Meinige ist sich nicht so sicher, aber das ist schon richtig so.

Zum Thema "Bewährung" bleibt noch folgendes zu sagen:
Der Pullover wurde wirklich viel getragen. Dem Garn werfe ich nach wie vor vor, dass es extrem leiert und pillt. Möglicherweise hätte eine festere Strickweise das etwas verbessert, das werde ich nicht mehr herausfinden.
Dennoch: der Pullover wurde wirklich wirklich viel getragen. Es ist daher nicht überraschend, dass die Bündchen durchgewetzt sind. Die Ellbogen werden auch langsam dünn. Und natürlich ist die Farbe nach mehrmaligem Waschen etwas ausgeblichener. Insgesamt hat er sich aber unter den hohen Anforderungen sehr gut bewährt.
Inzwischen ist er auch frisch gewaschen viel zu weit. Möglicherwweise werde ich die Nähte noch einmal enger nähen und damit auch die ausgeleierte Passform verbessern. Aber wahrscheinlicher ist es doch, dass der Pullover den nächsten Winter nicht mehr erleben wird. Oder zumindest nicht als Kleidungstück. Dann hätte ich gerne mal etwas Neues. Etwas, das passt.
Und eine neue Rüstung brauche ich dann hoffentlich auch nicht mehr.

Donnerstag, 16. März 2017

FO und Fazit: Laurits. 2 Versionen, Lessons Learned.

Silvester hatte ich frei. Ohne Baby - ganz alleine - bin ich nach Berlin gefahren und habe ins neue Jahr gefeiert. Statt die babyfreie Zeit "vernünftig" zu nutzen (also früh ins Bett zu gehen und mal richtig auszuschlafen), habe ich wie in der guten alten Zeit ein bißchen angeschwippst um vier Uhr früh den Heimweg angetreten und überhaupt wunderbar viel Zeit mit Erwachsenen verbracht.
Für die Zugfahrt wollte ich aber nicht die damals in Arbeit befindliche Tomtenjacke samt zwei großen Garnkonen einpacken, sondern habe stattdessen als leichtes Reisegestrick etwas Neues angeschlagen.
"Laurits v1"
Das Muster:
Ich entschied mich für den Pullover "Laurits". Die kostenlose Anleitung ist nur auf Englisch, und auch nur in einer Größe (12-18 Monate, ich schätze ihn auf 86-92) bei Ravelry zu finden, kann aber mit etwas Erfahrung leicht in der Größe angepasst werden. "Laurits" wird vom Hals abwärts in zwei Farben gestrickt. Die kraus-rechte Rundpasse in Farbe A lässt sich mit drei Knöpfen an der linken Raglannaht (wenn es eine gäbe...) öffnen. 
Perfekte Knöpfe!

Körper und Ärmel sind in Farbe B gestrickt und weisen krausrechte Streifen in der ersten Farbe auf. Alle Bündchen sind ebenfalls wieder kraus-rechts in der ersten Farbe. 
So weit, so schlicht, so klassisch. Besonders hübsch wirken die Pullover mMn mit einer helleren Farbe A, in jedem Fall sollte ein ausreichender Farbkontrast zwischen den beiden Farben herrschen.

Technik:
Der Pullover verlangt keine schwierigen Strickmanöver: Maschen anschlagen und abketten, Zunahmen (in der Rundpasse) und Abnahmen (am Ärmel). Merkwürdigerweise sollen die Ärmel zuerst gestrickt werden, und zwar flach und später zusammengenäht, obwohl der Rumpf später in Runden gearbeitet wird.
Die Wolle: 
Gestrickt habe ich "Laurits" in der neuen fairalpaka Merinowolle, die hoffentlich als neue "Brot-und-Butter-Wolle" meine geliebte Cool Wool ersetzen ergänzen kann. Ich habe vor, noch eine gesonderte Rezension zu schreiben, nur so viel: zu den testweise georderten Grundfarben grau, weiß und braun haben sich seither noch grün heather, weinrot heather und petrol (ocean) gesellt... alles herrlich leuchtende Farben und wunderbar weich nach dem Waschen.
Die Maschenprobe kam recht gut hin - auf 10 cm gabe es eine Abweichung um 4 Maschen (27 statt 23), aber in der Länge war es perfekt.

Änderungen: 
Ich habe den Pullover insgesamt zweimal gestrickt - einmal für den großen Vetter, der bald seinen ersten Geburtstag feiert, und einmal für Junior, da der Lieblingspullover - trotz Verlängerung - nicht mehr passt. Und auch  die meisten anderen im letzten Jahr vorgefertigten Strickwaren sind inzwischen zu klein... Sie werden so schnell groß! Tatsächlich passt zur Zeit nur noch die hübsche Jasperjacke, und einige Pullunder -was den heiß ersehnten Frühlingstemperaturen aber entgegenkommt.
Die erste Version für den großen Vetter habe ich in grün-heather mit braun gestrickt und bin genau der Anleitung gefolgt, auch wenn ich die Sache mit den flach gestrickten Ärmeln, die zudem vor dem Rumpf gefertigt werden, merkwürdig fand. Irgendwie sah das unter den Armen komisch aus.

Dabei zeigte sich dann auch nach dem Blocken die Abweichung in der Maschenprobe, was aber nur zu einem etwas schmaleren Pullover führt.
Für die zweite Version habe ich daher das Gelernte umgesetzt und folgendes geändert:
1. als Anpassung an die Maschenprobe insgesamt 2 weitere Zunahmerunden (à 16 Zusatzmaschen = +32 Maschen) gestrickt und diese in die letzten Runden der Passe eingefügt,
2. alle Zunahmen in die erste Runde des kraus-rechts-Streifens verlegt - leichter zu merken und unsichtbar
3. erst den Rumpf und dann die Ärmel gestrickt, dabei falsche Seitennähte mit abgehobenen Maschen, die auch den Farbwechsel gut kaschieren,
4. unter den Armen jeweils  8 Maschen angestrickt, 
5. die Ärmel in der Runde gestrickt und dabei in der ersten Ärmelrunde aus den neuen Achselmaschen neue Maschen aufgestrickt 
Die Ärmel sind nach der Trennung 12 Streifen lang (insgesamt 15), der Rumpf 13 (insgesamt 16). Ob das eine Änderung ist, weiß ich nicht, da die Gesamtlänge aus der Anleitung nicht wirklich hervorgeht - es schien mir aber sinnvoll, den Rumpf ein wenig länger zu machen als die Ärmel.
6. bei einem der Pullover habe ich die Knopflochleiste zudem mit Webband unterlegt und die Knopflöcher mit der Maschine genäht. Mir leiern die Knopflochleisten sonst sehr leicht aus, das mag ich nicht.
Mit Webband verstärkte Knopfleiste
Mal sehen, welche Variante sich besser bewährt.
Originalvariante
Dafür hat der andere Pullover ein kleines Stück Webband ums Bündchen genäht, weil es so schön passte und weil ich Möwen mag.

Insgesamt mag ich beide Pullover sehr, bin aber etwas unzufrieden mit der Konstruktion - irgendwie scheint mir die Rundpasse unter den Armen immer etwas enger zu sein als am Saum. Das hat sich durch Waschen und Blocken (und die Änderungen 4. & 5. für die zweite Version) zwar etwas gebessert, aber richtig glücklich bin ich damit trotzdem nicht. Dennoch ein hübscher Pullover, der sicher viel getragen wird.

Die harten Fakten: 
Laurits by Ulla Holst-O 
angefangen:
Version 1: 10.02. 2017
Version 2: 31.12. (bzw. 26.02. 2017)
fertiggestellt:
Version 1: 24.02. 2017
Version 2: 13.03. 2017
Garn:
in braun NFA06, grün heather HF285, weinrot heather HF179 und grau NFA11 
verbraucht:
Version 1: 160 g ( 64 grün, 88 braun, ein kleiner Rest rot für die Knopfleiste)
Version 2: 207 g (100g grau, 100 rot, ein kleiner Rest weiß für die Knopfleiste)
Größe/Maße:
Version 1:
Unterbrust : 26 cm
Saum-Achsel: 20 cm
Saum- Schulter: 32 cm
Ärmelsaum- Achsel: 20 cm
Ärmelsaum- Schulter: 32 cm
Version 2:
Unterbrust : 29-35 cm
Saum-Achsel: 20 cm
Saum- Schulter: 32 cm
Ärmelsaum- Achsel: 20 cm
Ärmelsaum- Schulter: 32 cm
Nadeln:
Chiaogoo Red Lace Twist 3mm und 3,5 mm
Maschenprobe:
27M x 42R = 10x10 cm
weiteres Material: Stopfnadel/dicke Sticknadel zum Vernähen, je 3 Knöpfe, Webband

Kosten
Die Wolle kostet etwa 3,50 EUR/Knäuel, das heißt zwischen 10 und 14 Euro Wollwert plus Knöpfe

Und der Ravelry-Projekt-Link für Version 1 und Version 2.

Dienstag, 21. Februar 2017

FO: Blauer Tomten.

Wenn es im Winter kalt wird, werden den Eltern sehr kleiner Kinder Schneeanzüge verkauft.
Einerseits ist das nachvollziehbar: Die Kinder sind von Kopf (Kapuze) bis Fuß (abknöpfbare Schuhe) warm eingepackt, es kann nichts hoch oder runter rutschen, niemand friert.
Allerdings kann sich auch niemand bewegen. Die ohnehin grobmotorischen Babies sind dank dicker "Daunen"-(naja. Polyester)Füllung fast bewegungsunfähig und sehen aus wie ein Seestern - wenn man sich gerade daran gewöhnt hat, einigermaßen gezielt nach Dingen zu greifen, ist das ganz schön frustrierend...
Hinzu kommt, dass das Anziehen keinem der Beteiligten Freude macht. Die Beine sind eng, die Ärmel sind enger, die Kapuze ist zu eng oder zu weit, und überhaupt - Handschuhe! am besten noch angenäht, diese Ärmel zum Umklappen. Junior mag das gar nicht...
Da es hier im Norden ohnehin selten schneit, und selbst wenn Schnee läge, dieses Baby jedenfalls noch nicht durch den Schnee krabbeln würde, ist auch der Vorteil "wasserfest" für uns nicht gegeben. Schlimmstenfalls wandelt er sich in den Nachteil "nicht atmungsaktiv".
Aber bevor ich nun beim einschlägigen Öko-Kindermodehändler einen Schurwalkwolloverall bestelle, sehe ich meine Chance...
Challenge accepted!
Was wird gebraucht?
Da die Beine in einem Lammfellfußsack stecken, müssen sie nicht verhüllt werden. Notfalls haben wir genug Decken.
-Eine Jacke.
Warm, weich, atmungsaktiv.
-Wolle.
 Auch für kältere Temperaturen als alleinige Außenjacke warm genug?
-ok. Dicke Alpakawolle - bis zu 8x wärmer als Schafwolle. Noch dazu besonders kuschelig.
Leicht an-und auszuziehen. 
-Natürlich der wunderbare Tomten von Elizabeth Zimmermann - extragroße Armlöcher, gut sitzende und das Gesicht gut umschließende Kapuze, zeitlos kraus-rechts, Reißverschluss...

Meine erste Version war aus dünnerem Garn entstanden und daher recht klein ausgefallen. Junior trägt diesen Tomten als nunmehr drittes Baby mit etwa 7-9 Monaten als normale Strickjacke im Haus, und wird bald herausgewachsen sein.

Dieses Mal wollte ich dem Rat der Originalanleitung folgen - wenn man die Größe für ein etwa 2jähriges Kind stricke, so Frau Zimmermann, könne man im ersten Winter die Ärmel und ggf. die Kapuzevorne zubinden (Handschuhe!). Im zweiten Winter passt dann alles und im dritten - beginnt man mit einem neuen Kind von vorne... Letzteres ist schwer zu planen, aber die nächsten beiden Winter wollte ich gerüstet sein.


Das Muster:
sollte bekannt sein. Wer für Kinder strickt, sollte mindestens einen Tomten gestrickt haben. Sage ich jetzt mal so. Dies ist mein dritter und sicherlich nicht letzter. 
ist wie gesagt modular, d.h. eine Grundzahl - hier die sieben - kommt in allen relevanten Arbeitsschritten vor. X x 7 Maschen Anschlagen, kraus rechts bis zum Armloch, dort X x 7 Maschen abketten, X x 7 Rippen Armausschnitt etc. pp.
Technik:
Anfängertauglich! Kraus-rechts ist einfachstes-nebenbei-stricken, sieht immer gut aus und ist dehnbar - wächst also auch mit. Es ist allerdings auch ein echter Wollschlucker.
Die Wolle:
Weil ich eine warme Winterjacke wollte, habe ich mir zwei Konen Babyalpakawolle DK in dunkelblau-heather von Fairalpaka bestellt und diese doppelfädig verstrickt. Das ergibt in der Stärke ein "bulky" und mit Nadel 4,5mm erziele ich genau die von Frau Z. vorgeschlagene Maschenprobe (und damit hoffentlich auch die von ihr vorgeschlagene Reinwachs-Größe). Das Garn ist ein Traum - warm und weich und flauschig und das Blau leuchtet und steht Junior wahnsinnig gut. Die Maschenprobe trägt er ja in Form einer Mütze schon länger... Und die 500g Konen führen dazu, dass man endlich einmal in Ruhe ohne Knoten vor sich hin stricken kann. Herrlich!
Änderungen:
Dieses Mal habe ich die Saum-und Ärmelkanten im 2r2l-Rippenmuster gestrickt. I-Cord ist zwar todschick, aber nicht ganz so elastisch, und enge Kanten sind unpraktisch. Außerdem wird es so etwas... frischer? Moderner? Finde ich... 
Außerdem habe ich die Kapuze wieder etwas größer gestrickt (2 zusätzliche Zunahmereihen) und mit einem Kontrastgarn (fairalpaka weinrot-heather fingering - aber vierfädig = bulky) zusammengenäht und mit einer roten Quaste versehen.
Und entlang der vorderen Kante bis hoch zur Kapuze habe ich einen xoxo-Zopf eingestrickt. Der heißt auch "hugs und kisses", weil im (angelsächsisch-amerikanischen) Internet "x" für Kuss und "()" für Umarmung steht. Das perfekte Muster für mein Baby also, und außerdem ein bisschen Abwechslung in dem ganzen kraus-rechts. Zwar zeigt sich schnell und deutlich, dassAlpaka kein ideales Garn für Zopfmuster ist,  trotzdem, mir gefiel es so gut, dass ich den Zopf in einer schmaleren 4Maschenversion auch auf der Ärmelmitte angebracht habe. Die Ärmel-Abnahmen habe ich seitlich dieses Zopfes gemacht.
Außerdem wollte ich dieses Mal Taschen - im Moment kann Junior damit zwar noch nichts anfangen, aber ich nehme an, dass nächstes Jahr allerlei kleine Schätze herumgetragen werden müssen. 
Auch diese Taschen habe ich im weinroten Kontrastgarn gestrickt, allerdings nur doppelfädig (=DK), sodass die Taschenbeutel nicht zu sehr auftragen. Eingestrickt habe ich sie nach dem Prinzip der "Afterthought Pockets", das EZ ebenfalls in Knitting without Tears vorstellt.

Dazu wird ein Faden zerschnitten, vorsichtig gelöst und die gewünschte Zahl nun freier Maschen auf Nadeln gelegt. Die Tasche wird dann in Runden in der gewünschten Tiefe gestrickt. Ich habe die "Seitennaht"-Maschen links gestrickt, damit sich die Tasche flacher legt, und sie mit 3-Needle-Bindoff abgekettet, und dann die komplette Abkettkante an die Jacke genäht - so kann die Tasche nicht ausbeulen und durchhängen. Erst wollte ich noch eine Taschenblende anbringen, aber mir gefällt es ganz gut, wie das Futter "blitzt"- ich lasse es erstmal so. Am schwierigsten war es, die Tasche richtig zu platzieren - ich habe mich dafür entschieden, sie etwas tiefer als halbe Strecke zwischen Saum und Ärmelloch anzubringen (nach 18 Rippen). Sie ist 12 Maschen vom Reißverschluss entfernt und 14 Maschen breit - allerdings musste ich aufgrund des dünneren Taschenbeutelgarns in den ersten Runden aufs 2x29 Maschen (je 1 Falz-Masche) zunehmen, um den Unterschied in der Maschenprobe auszugleichen. Und wenn die Tasche innen etwas größer ist als von außen sichtbar, schadet das schließlich nichts.

Das schwierigste aber war das Einnähen des Reißverschlusses. Ich hatte bei Schneiderbedarf Werner einen 50 cm langen, teilbaren Zwei-Wege-Reißverschluss gekauft*, damit ich die Jacke von unten öffnen kann- wenn Junior im Wagen sitzt, kann er so leichter angeschnallt werden, und man kann bspw. im Supermarkt etwas "lüften" ohne die Jacke ausziehen zu müssen...
Um es kurz zu fassen: nach mehreren Fehlversuchen habe ich jede 10. Rippe mit einer Nadel markiert und dann den Reißverschluss mit Reihgarn so geheftet, dass 10 Rippen 6,5 cm entsprach. 

Dann mit der tollen neuen Nähmaschine und dem noch tolleren Reißverschlussfuß ganz knappkantig angenäht. Das hat endlich wunderbar funktioniert, ohne dass Jacke oder RV später Wellen schlugen. Allerdings hatte ich mich verrechnet- 10 Reihen hätten 7cm entsprechen müssen... So war mein Reißverschluss auf einmal ganze 5 cm länger - zu lang?
Der Vorteil ist, dass ich auf diese Weise das Kind gut verhüllen kann - die zur Zeit noch etwas große Kapuze schließt gut ab und ersetzt eine Mütze, und zukünftig muss man ja nicht bis oben hin zuziehen. 

Allerdings hat er dann eben immer Reißverschlusszacken im Gesicht, und auch wenn diese nicht aus spitzem, kalten Metall sind, sondern aus Kunststoff, so ist das wahrscheinlich nicht so bequem. Eine gutaussehende Lösung ist mir leider noch nicht eingefallen...
Auftrennen ist jedenfalls keine Option, denn ich habe bereits das Reißverschlussband innen mit einem Webband übernäht, um die Kanten aufzuhübschen und weiter zu stabilisieren - die Jacke wiegt etwa 600g und würde durch das Gewicht sehr ausleiern.
Außerdem - ist das nicht süß? Wale! Und die Farben passen perfekt!
Auf die ursprünglich geplante rote I-Cord-Einfassung entlang der vorderen Blende habe ich dann doch verzichtet - die kraus-rechte Kante sieht ordentlich aus, die Maschinennähte passen gut ins Muster, liegen genau neben dem Zopf und müssen nicht verdeckt werden...

...und die Kontrastfarbe sollte nur einen Akzent setzen, nicht zu dominant werden. Daher muss ich die etwas zu breit rot abgeketteten Ärmelbündchen wahrscheinlich noch einmal neu oder anders machen, aber zur Zeit ist die Jacke schon im Einsatz - und ich habe im Moment keine Lust...
Wie man sieht ist die Jacke tatsächlich im Moment noch etwas zu groß. Eher ein knielanger Kurzmantel. Das heißt aber nur, dass Junior im Wagen auch Po und Oberschenkel von der Jacke gewärmt bekommt. Mit langen Ärmeln gibt es warme Finger, aber sie lassen sich leicht hochgekrempeln und ermöglichen das Herumfingern mit dicken Babyfingern. Sehr wichtig.
Ich denke, ein zwei weitere Winter wird er die Jacke bestimmt noch tragen können. 
Misson erfüllt!


Anders als dieses Foto vermuten lässt, trägt er die Jacke übrigens sehr gerne und freut sich, wenn wir damit ankommen. Das Anziehen ist nun kein Kampf mehr, und ich finde ihn extra-niedlich - alle sind glücklich. :-D
Die harten Fakten:
 Tomten Jacket by Elizabeth Zimmermann 
Troddel: https://www.purlsoho.com/create/2013/07/18/tassel-tiny-attached-tassel/
angefangen: 2. Januar 2017
fertiggestellt: 13. Februar 2017
verbraucht: 596g in blau, 28g rot
Größe/Maße: "etwa 2 Jahre" - mit viel Weite zum Drüberziehen über normale Kleidung
 60 cm Unterbrustweite
30 cm Saum-Achsel 
49 cm Saum-Schulter
25 Ärmel (Saum-Achsel)
Nadeln: Chiaogoo 4,5mm für blau, 3mm für Taschen.
Maschenprobe: 18Mx34R in kraus-rechts
weiteres Material: Stopfnadel/dicke Sticknadel zum Vernähen, 50 cm langer 6mm breiter Zwei-Wege-Reißverschluss, etwa 1,5 m Webband.
Kosten: Garn anteilig etwa 50 EUR, RV 3,99 EUR, Webband... tja. 5 Euro? Zusammen etwa 68-69 Euro. Kein Schnäppchen, aber immer nicht teuerer als der einschlägige (und sehr geschätzte) Öko-Walkwollbabyshop...und etwas individueller. Und wahrscheinlich mit längerer Laufzeit.


*ich kriege nichts dafür, dass ich Namen oder Händler nenne. Aber ich habe dort gute Erfahrungen gemacht und will den Laden wiederfinden. Wenn er zwischenzeitlich nicht pleite geht, weil andere Kunden den Weg finden, ist auch das in meinem Interesse. Und ich fand großartig, dass ich den RV in zentimetergenauer Wunschlänge hätte bestellen können. Unschlagbar günstig war er ohnehin.