Freitag, 4. Februar 2011

Borowski, oder der Pulloverfluch. Eine Geschichte in mehreren Teilen.

Früher habe ich nie Tatort geguckt.
Meine Eltern hatten dieses sonntägliche Ritual einfach nicht. Im Studium beobachtete ich erstaunt, wie Freundinnen und Freunde sich zum gemeinsamen Tatort-Gucken verabredeten, aber selber sehen? Nö. Ab und an mal, zufällig, aber regelmäßig? Nö.

Erst der Meinige hat mich in die Feinheiten Deutscher Fernsehkultur eingeführt. Gleich das erste Date endete mit einem (grottenschlechten) Berliner Tatort. Ich war einigermaßen überrascht (so hatte ich mir das "kommst du noch mit rauf?" irgendwie nicht vorgestellt), aber hey. Whatever.
Dank moderner Unterhaltungelektronik haben wir uns kommissarweise in die Materie eingearbeitet. Zuerst - leichte Einstiegsdroge - die Münsteraner. Immer gut, auch wenn's Klamauk ist. Die neuen Stuttgarter - ok. Leipzig? Gruselig zum Teil - die sind wirklich immer sehr düster. Köln? Na gut.
Kiel - da sind wir uns einig - Kiel ist cool. Manchmal meldet sich der Meinige am Telefon mit einem Borowski-haften "Ich höre?". Und manchmal zeigt er aufgeregt auf den Bildschirm und sagt:
"So einen Pullover will ich auch haben!"

Bisher habe ich diesen Satz geflissentlich überhört. Man kennt das ja, die Sache mit dem Pullover-Fluch, der Beziehungen unweigerlich zerstört... Nun ist inzwischen unsere Beziehung gefestigt und legal sowie vor Gott und der Welt bestätigt. Und der Meinige erwähnte es schon wieder: er will einen Pullover wie Borowski! Zeit, die Aussage ernst zu nehmen...
Schritt eins: Ich trete in die Ravelry-Selbsthilfegruppe "Knitting for Men" ein.
Schritt zwei: Ich recherchiere Borowskis Kleidungsstil.

Natürlich kommt kein Borowski, wenn man ihn braucht. Die Borowskis, die ich sehen konnte, tragen Cordanzüge, Hemden und Schlipse, kleine graue V-Ausschnitt-Pullover (nein, nicht den! brummelt er, den kann man besser kaufen, und da gebe ich ihm recht) und Rollkragen...

(Ja! Rollkragen! ruft der Meinige)


Dieser Pulli soll es sein.
Leute, ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ICH kann hier NICHTS erkennen. Ich frage also vorsichtig nach. Nun ist es so, dass der Meinige sich zu Kleidungsstücken ungefähr so genau äußern kann wie ich zu Fahrzeugen - und auch ähnlich viel Gedanken daran verschwendet - aber immerhin kann ich folgende Wunschmerkmale erfahren:
Farbe: dunkelblau
Kragenform: Rollkragen, nicht zu eng, nicht zu weit
Muster: möglichst wenig.
Und dick soll er sein, aus ganz dicker, warmer Wolle.
Er wird diesen Pullover nicht  zur Arbeit ins Büro tragen, sondern plant ihn als Winter-Freizeit-Pullover, beispielsweise für winterliche Spaziergänge. Ok. Das ist doch schon einmal ein Anfang. Sieht so aus, als könnte ich ansonsten machen, was ich will.... mein erstes Design-Projekt!
Bei Ravelry habe ich schon einmal ein Projekt angelegt... das kann noch spannend werden!

Kommentare:

  1. Am besten glatt recht und die Bündchen und Kragen 2re,2li :-)
    LG Sonja

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  2. Oh ja, Pulloverprojekte für die Männer sind interessant. Ich wollte meinen auch mal bestricken, hab es aber nach zwei Versuchen aufgegeben. Seine Bedingungen: schwarz, glatt rechts, ohne Muster. Alle Herrenmodelle fand er total doof.

    Der erste Versuch war ein Raglan von oben. Den Kragen fand er zunächst gut. Als ich fast soweit war, die Ärmel stillzulegen, meinte er: Mh, der Kragen ist ja doch ein bißchen zuuuu eng...

    Im zweiten Versuch startete ich mit dem Vorderteil. Als ich gucken wollte, wieweit ich noch stricken muss, um mit den Armausschnitten zu beginnen, sagte er: Mh, mein Engel, meinst du nicht, dass er ein bißchen zu eng wird? - Kann es sein, dass du ein BISSCHEN zugenommen hast? :D

    Sooo, das ist meine "Ich-strick-einen-Pullover-für-meinen-Mann-Geschichte". ABER du schaffst das :D

    LG Katja

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  3. Ich bestricke keinen Mann mehr, nö!
    LG Ute

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  4. Als du das erste mal den Pullover für ihn erwähntest, dachte ich, der sieht ein bisschen aus wie der FogSweater - Rollkragen, Rippen, dick. Der Meinige hätte ihn ja gern nochmal aus Kaschmir.

    Mal sehen, was du zauberst.

    Liebe Grüße Heike

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  5. @Sonja, genauso stellt er sich das vor! (°.-)
    @Katja, das hätte ich dann auch gelassen. Der Meinige ist ja zum Glück recht mager, und NOCH macht er alles neugierig mit, solange ich ihn nicht mit allzu technischen Details belämmere...
    @Ute - oha! Ich wittere eine Geschichte mit schlechtem Ausgang...
    @Heike, den Fog hatte ich schon in meiner Queue um ihn dem Liebsten "vorzuführen". Gefiel ihm aber nicht so wie gedacht, und ich bin ganz froh wenn ich um die ganzen ribbings herumkomme... :-)
    Glatt rechts in dicker Wolle hat ja auch Vorteile!

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  6. Na das ist ja mal die Idee - sollte ich den FogSweater nochmal stricken, nehme ich a) dickere Wolle, b) ich lasse die Rippen weg - die waren nicht so schlimm, aber ohne gehts natürlich schneller und sieht bestimmt auch schick aus.

    Danke

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