Montag, 16. August 2010

Stricken lernen. Das Problem mit den linken Maschen: erklärt!

Es ist doch erstaunlich, was man alles über Stricktechniken lernt, wenn man ganz simple Muster strickt.
Ich spreche natürlich von Timpani, der ja keinerlei Spezialkenntnisse verlangt: linke Maschen, rechte Maschen, verschränkte rechte Maschen, einfache Zöpfe, verkürzte Reihen, Hebemaschen für den Rand.
Meiner Meinung nach habe ich schon sehr viel komplizierte Muster gestrickt, zum Beispiel die Norweger (zweihändig-Fair-Isle, zwei Ärmel zugleich auf dem Magic Loop, vier Knäuele balancieren, von späteren Steeks mal ganz abgesehen), oder Shurt'ugals merkwürdig vertwistete Maschen, selbst das Jodeldiplom mit seinem Lochmuster!

Aber ganz genau wie beim Kochen auch zeigt sich das wahre Können beim Umgang mit den Grundlagen - nicht umsonst ist es sauschwer, richtig gute Bratkartoffeln zu machen. Oder simple Nudeln, die nur mit etwas Butter schmecken (Sauce kann jeder...) Und dann stellt man also fest, dass man jahrelang alles falsch gemacht hat, weil nämlich bei einer Kombination aus Flachstricken und Rundstricken am Ärmel herauskommt, dass man irgendwas mit den linken Maschen falsch macht - stricke ich sie rund, erscheinen rückwärtig wie berichtet rechts-verschränkte (statt: rechte) Maschen. Oha!
Wir erinnern uns: hier stimmt was nicht!
Knittingspinoff hat im Endeffekt schon gesagt, woran es liegt - offenbar wickle ich den Faden beim Linksstricken falsch herum um die Nadel. Ich greife ihn (bisher) einfach (im Uhrzeigersinn), weil das die "natürliche", unaufwändigere Bewegung ist, er sollte aber wohl eigentlich gegen den Uhrzeigersinn um die Nadel gewickelt werden... Das erklärt wahrscheinlich auch, warum ich so unglücklich mit den Mapros fürs "Jodeldiplom" war, denn für das Lochmuster ist es ja keineswegs egal, ob man verschränkte Maschen strickt oder nicht.

Fantastisch war ihr Hinweis auf die (noch nicht abgeschlossene) Serie von möglichen Strick-Wegen auf dem Blog von abundantyarn: Deren Erklärungen, illustriert mit Mapros aller 16 (!) verschiedenen Möglichkeiten zu stricken (einzustechen und Faden zu wickeln) haben mir sehr weitergeholfen. Ich habe meinen Fehler meine Methode identifiziert (1. Spalte, 2. von oben), jetzt muss ich Konsequenezen ableiten...
Quelle: http://abundantyarn.wordpress.com/2010/04/04/ways-of-knitting-part-2-2-twist-and-shout-cont/
 (Abundantyarn besteht netterweise darauf, dass alle Methoden "richtig" seien, allerdings müssten die Anleitungen eventuell angepasst werden , weil sie von einem "Normalfall" ausgehen, der keineswegs normal sei. Vielmehr ist offenbar auch meine "Methode" sehr sehr weit verbreitet, hurra! Ich bin nicht alleine! Ich hoffe, ich darf mir ihre Bilder ausleihen...)

 So stricke ich zur Zeit/bisher (glatt rechts):

1. Hinreihe (rechts): ich steche in das vordere=rechte Bein, und hole den Faden gegen den Uhrzeigersinn ==> "normal", also die Technik, die in Anleitungen vorausgesetzt wird
aber dann:
2. Rückreihe (links): ich steche in das vordere=rechte Bein, und hole den Faden mit dem Uhrzeigersinn ==> anders als "normal". Problem: jetzt steche ich in der 

3. Hinreihe (und alle folgenden) (rechts):  in das vordere=linke(!) Bein...es folgt daher eine verschränkte Masche...aber es gibt keinen Beinwechsel, das heißt, in der folgenden,
Quelle: http://abundantyarn.files.wordpress.com/2010/03/2_knit2.jpg
 4. Rückreihe (links) (und alle folgenden): steche ich wie eben in das vordere=rechte Bein. Das heißt, alle rechten Hinreihen sind weiterhin verschränkt

Aha:
Art des Fadenwickelns: gegen den Uhrzeigersinn=rechtes Bein vorne/mit dem Uhrzeigersinn=linkes Bein vorne
 Art des Einstechens: links= verschränkt/rechts=nicht verschränkt 
Tunlichst sollte daher das rechte Bein der Masche vorne sein, das wäre "normal"
Alles klar?

Wenn ich also, wie bei Timpani in der Ärmelzopfphase, links in der Runde stricke, sind die rechten Maschen auf der Innenseite eben wie gesehen verschränkte rechte Maschen.
Quelle: http://abundantyarn.files.wordpress.com/2010/03/purl_wrap_cw.jpg
Und so sieht das dann aus:
Quelle: http://abundantyarn.files.wordpress.com/2010/03/2_knitting_2-0.jpg
Abundantyarn schreibt:
"I most often see this particular combination among newer or self-taught knitters who default to this method of purling without realising the difference." (meine Hervorhebung)
Ha! Erwischt!
Und jetzt überlege ich mir, wie ich aus der Kiste wieder rauskomme.Am einfachsten wäre es natürlich, die linken Maschen - wie gefordert, aber mühsam - gegen den Uhrzeigersinn zu stricken. Aber vielleicht gibt's ja noch 'ne andere Methode?

Kommentare:

  1. Hm, ich habe nur Hinweise zum Schummeln. In deinem Bild zur dritten Reihe liegen meine rechten Mas auch so, aber ich steche bequem ein, also neben dem rechten Bein. Da wird nix verschränkt.

    Ich fange meine Projekte meist mit einer Rückreihe an (ergo linke Ms) und stricke dann meine normalen rechten (also Öffnung zeigt "falscherweise" nach rechts und da wird auch reingepiekt). Beim Rundstricken liegt die Öffnung ja nach links, rechtes Bein vorn und da steche ich auch dann auch um das rechte Bein herum, also "richtig" ein.

    Bei Abnahmen, Lochmustern etc. habe ich festgestellt, dass ich in Reihen (also hin rechts, rück links) die Abnahmen vertauschen muss, damit das besser aussieht. Also wenn da steht 2rezus, mache ich eine überzogene Abnahme und bei einer überzogenen Abnahme eben zwei rechts zusammen. Das könnte auch das Problem beim Jodeldiplom sein. Die Neigung der Maschen ist quasi verkehrt. Versuch das mal bei einer neuen MaPro, wenn du Lust hast.

    Ehrlich gesagt hat mich das aber ganz früher nicht gestört, erst durch I-Net und Perfektionistenwahn ist mir das aufgefallen. Da ich aber in der Zeit, in der ich eine Reihe richtige linke Maschen stricke, bald zehn normale gestrickt habe, bleibt das so ;-)

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  2. Danke für die freundliche Erwähnung, wobei ich zugeben muß, daß ich eigentlich nur ein bißchen rumgegoogelt habe, um das mit den Beinchen zu veranschaulichen. Diese 16 Arten sind aber echt mal faszinierend... ;-)
    Ich bin ja Perfektionistin und persönlich denke ich, daß man mit weiteren Anleitungen am wenigsten Streß hat, wenn man sich die "gängige" Version der rechten und linken Maschen angewöhnt. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wie ich gelernt habe, wie man linke Maschen strickt, ich denke fast, meine Oma hat es mir gezeigt. Es gibt ja auch sehr viele Arten, den Faden gegen den Uhrzeigersinn um die Nadel zu wickeln. Z.B. kann man noch den linken Daumen zu Hilfe nehmen (mache ich, der drückt den Faden hinter der rechten Nadel nach unten. Wenn ich sie dann nach rechts durch die Masche auf der linken Nadel durchhole, kann der Faden so nicht von der Nadel rutschen) und vielleicht haben andere ja noch bessere Tipps. Man muß wohl einfach ein bißchen mit verschiedenen Methoden experimentieren. Vielleicht gibt das auch ein paar hilfreiche Videos auf Youtube (wo man auch die Hände sieht und nicht nur die Nadeln...). Ich denke, dann könnte evtl. auch das mit der Fadenspannung noch besser klappen. Geschwindigkeit einer Methode ist meiner Meinung nach eine Frage der Übung, meine Methode sieht nach ziemlichen Gewürge aus, aber ich bin recht schnell damit. Ich kann aber auch gut verstehen, wenn einem mal was gar nicht zur Hand ist, ich kann z.B. auch nicht mit zwei Händen mehrfädig stricken, weil ich dann die Fadenspannung nicht so gut kontrollieren kann.
    Bin auf die weiteren Erfolge in der Sache gespannt! :-)

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  3. Liebe Heike, klingt als strickst du genau wie ich... und Du hast recht: prä-Internet hats mich auch nie gestört. Allerdings habe ich früher eben auch nichts "spannendes" gestrickt, die größte Herausforderung war es, bei Babysachen die richtige Größe zu erwischen (sprich: passt noch bis ich fertig bin)... inzwischen sind meine Ansprüche auch etwas höher. Immerhin steckt man soviel Mühe rein, da kann man es ja dann auch gleich "richtig" machen. Aber das Mysterium der ZU-und Abnahmen werde ich auch noch klären. Ich hoffe auf Abundantyarns Erklärungen dazu, da sie ihre Reihe ja genau deswegen angefangen hat.
    Und, Knittingspinoff, Du hast natürlich recht: Mittelfristig lohnt es sich immer, die "richtige" Technik zu lernen. Immerhin kann ich jetzt schon etwas besser auf der Nadel erkennen, was für eine Masche ich vor mir habe, und entsprechend reagieren. Das ist ja schon mal ein Fortschritt. Schnelligkeit kommt dann mit der Übung. Und da ich noch mehrere reine Linksreihen (neben dem Timpani-Ärmelzopf, der ja schon rund gestrickt wird) vor mir habe, werde ich genau da üben, gegen den Uhrzeigersinn zu wickeln. Wegen der Zöpfe bin ich an der Stelle ohnehin langsamer.
    Mir ist allerdings aufgefallen, dass ich beim zweihändigen/zweifarbigen Stricken der Norwegerärmel durch das Einweben zur Zeit jede vierte Masche falsch wickeln MUSS, aber das korrigiert sich dann in der nächsten Reihe: 3 M normal, 1 verschränkt bzw. entschränkt. vorher ist mir das gar nicht aufgefallen, ich bin gespannt, ob es mir beim Fertigen Stück im Maschenbild auffallen wird. :-) Ach wie aufregend!

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